Bae.con: Freche Berliner Rapperin. Foto: © C. Rohrer /[030] Magazin
Bae.con, bitte: Freche Berliner Rapperin. Foto: © C. Rohrer /[030] Magazin

Eine Portion Bae.Con, bitte! Interview mit Berliner Rapperin

in Interview/Musik

Die junge Berliner Rapperin Feah Maxine aka Bae.Con mag keinen Deutsch-Rap. Dafür aber Speck. Verstehste? Bacon! Der Kreis schliesst sich. Unsere Kollegin Claudia Rohrer hat sich kurz vorm Abschied in die Alpen nochmal ins Zeug gelegt. Hier ihr Interview. 

Passt natürlich, dass sie auf Englisch rappt, damit sie auch alle verstehen. Bae.con macht das halt da, wo man Englisch spricht und versteht. Also außerhalb von Berlin-Neukölln und Prenzlauer Berg. Angefangen hat alles auf einer Reise nach Südafrika. Dort schrieb sie spontan ihren ersten Song. Aufnahme am selben Tag, die neue digitale Welt macht es möglich. Das ist noch gar nicht lange her. Eigentlich erst ein paar Monate. Aber die Bae.Con ist ehrgeizig und irgendwann stand jeder mal am Anfang der Karriere. Ob es denn eine wird? Wir wissen es nicht. Dennoch: Wir haben uns mit ihr getroffen und mit ihr gequatscht. Wo will sie hin, was ist ihr wichtig, wer hat sie beeinflußt? Antworten auf zwingende Fragen.

That’s the plan

Dachtest du dir mal so eines Morgens: “Yo, ich werd jetzt Rapperin” oder wie ist das gekommen?

Ja, mein Gedanke war halt, dass ich mein Leben lang Musik machen will und davon halt auch leben kann. Und dann kam halt das Rappen irgendwie, wodurch das Ganze dann einfach ein bisschen realer geworden ist. Und als ich halt angefangen hab, auch wirklich mal was aufzunehmen, hat plötzlich alles Gestalt angenommen. Ich hab auch mit anderen Musikern zusammengearbeitet, mittlerweile eh mit recht vielen. Es macht mir halt echt Spaß. Und wenn ich Geld damit verdiene, kann ich’s halt mehr machen. Damit halt mein Leben immer so aussieht. That’s the plan.

Eine einfache Frage: wie fing alles an?

Mit elf habe ich mit Akustik-Gitarre angefangen. Dann E-Gitarre. Hab da auch schon Songs geschrieben. Und wollte immer mal in einer Band spielen. Ich habe immer nur für mich Musik gemacht. In meinem Zimmer, stundenlang. Mit 18 war ich dann endlich in einer Band. Wir hatten sogar einen Auftritt *lacht*. So richtig aufgenommen und so richtig durchgezogen hab ich das Ganze aber erst Anfang dieses Jahres, als ich meinen ersten Rap-Song in Südafrika aufgenommen habe. Und seitdem geh ich regelmäßig ins Studio.

The Beginning

Bist du deswegen dahin gereist oder ist das spontan da entstanden?

Ich bin ohne Erwartungen da hingeflogen. Ich wollte einfach auf Reisen gehen, und ich hatte Bock auf Kapstadt. Hab da dann halt die richtigen Leute kennengelernt, die auch Mucke machen und ein Home-Studio haben. Und dann meinten die “Ey, mach doch mal ‘nen Rap-Track” und dann hab ich den geschrieben, namens “Dolce & Gabana”. Dann hab ich ihn aufgenommen, und so fing alles an. Da hab ich die Passion fürs Rappen und auch fürs Aufnehmen entdeckt. Südafrika hat mein Leben verändert.

Wie hast du deinen ersten Song gemacht? Wusstest du wie das geht?

Ich hab mir einfach ‘nen Type-Beat aus dem Internet rausgesucht und drauf losgeschrieben. Und dann auch straight aufgenommen. Halt an dem Tag, an dem ich mit dem Song fertig war.

Auch Frauen können Badass

Was sind die Inhalte, über die du schreibst und rappst?

Verschieden. Bei jedem Song kommt’s einfach nur drauf an, in welchem Mood ich bin. Also das hängt voll davon ab. Wenn ich aggressiv bin oder traurig, dann werden es halt öfters düstere Songs, wo’s ums Töten geht *lacht*. Nee, aber wenn ich gut drauf bin und mich gut fühle, dann schreib’ ich halt Songs übers flexen. Ich hab aber auch Liebessongs mit Herzschmerz oder was auch immer. Also das ist voll unterschiedlich. Da kommt auch noch viel Verschiedenes. Und viel düsterer Shit, weil in meinem Kopf einfach viel düsterer Shit abgeht.

“You can only see me in the night, find me in the dark.” Foto: © C. Rohrer /[030] Magazin

Warum machst und magst du keinen Deutsch-Rap?

Puh, da gibt’s einige Gründe. Ich hab mich selber nie wirklich für Deutsch-Rap interessiert, es gibt so paar Sachen die ich höre oder gehört habe, aber es war nie so mein Favorite. Und wenn ich Musik mache und ‘nen Song kreiere, mach ich’s so, wie’s mir halt gefallen würde. Also wie ich’s mir auch selber anhören würde. Natürlich. Also warum sollte ich dann auf Deutsch schreiben, wenn ich es nicht fühle? Und außerdem weiß ich, dass ich später nicht in Deutschland leben will. Ich weiß, dass ich so schnell es geht, auswandern werde. Wahrscheinlich in ein englischsprachiges Land eben. Und Englisch ist halt international. Vor allem leg’ ich es auch nicht darauf an, in Deutschland besonders viele Leute zu erreichen. Oder ja, das ist ja die Sache, dass ich sie trotzdem erreichen kann. Ich hab einfach keinen Bock, mich nur auf Deutschland zu beschränken.

Wo hast du Englisch gelernt?

Vieles ist noch von der Schule. Aber ich hab mich auch privat immer schon viel mit der Sprache beschäftigt, viel Musik gehört und auch früher englische Songs geschrieben, auch wenn das dann damals scheiße war. Aber ich hab mich schon immer für die Sprache interessiert. Klassenbeste you know. Aber 5 in Mathe *lacht*. Und ja, ich war ja ein Jahr in Amerika und danach wars natürlich fließend. Ich red’ auch mit vielen Freunden nur Englisch und bin öfters am Reisen.

 

Als ich nach längerem Reisen zurück nach Berlin kam, hab ich jedes mal gemerkt, dass gerade eine bestimmte Leere gefüllt wurde. -Bae.Con

 

Was hast du in Oklahoma gemacht?

Hab in ‘ner Gastfamilie gewohnt und bin zur Highschool gegangen. Und hab halt das American-Country-Life gelebt. *lacht*

Ist Berlin deine Heimat?

An sich liebe ich Berlin. Und bin froh, dass ich es mein Zuhause nennen kann und vor allem weiß ich, dass ich immer zurückkehren kann. Und Berlin hat auf jeden Fall viel zu bieten. Aber immer als ich von längeren Reisen zurückkam, hab ich halt gemerkt, dass eine bestimmte Leere gefüllt wurde. Also ich weiß auf jeden Fall, dass ich wo anders hin will, aber nur nicht wo. Wenn ich weg von hier bin geht’s mir jedes Mal so viel besser. Ich fühl mich in Berlin oft ein bisschen erdrückt. Also für die Ziele, die ich in meinem Leben habe, sehe ich mich einfach nicht in Berlin, zumindest nicht in den nächsten Jahren.

Bloß keine Kinder

Denkst du, du wärst nicht so künstlerisch, wärst du nicht hier aufgewachsen?

Vielleicht, ich weiß es nicht genau. Ich weiß ja nicht, wie ich wäre, wenn ich am Land aufgewachsen wäre. Ich weiß aber damals, in der 5. Klasse, als das bei mir so anfing, dass ich mich bisschen anders kleidete und andere Musik gehört habe. Also ich hatte nicht großartig Einflüsse von Berlin, meine Einflüsse kamen halt eher so von der Musik und der Szene halt. Deswegen schwer zu sagen. Aber Kinder großziehen in Berlin: kann man machen. Aber ich glaub nicht, dass ich welche will. *lacht*

Wenn du dir eine Person herbeiwünschen könntest, um mit dieser Person eine zu rauchen?

Ganz eindeutig wäre es Kurt Cobain. Und es wäre Weed. Smoke weed everyday, you know! Und Kurt Cobain aus mulitple reasons. Ich hab mir jeglichen Scheiss von ihm reingezogen, seine Tagebücher, Biographien, alles was von ihm existiert. Wäre krass mit ihm ne Jam-Session zu machen.

Trittst du gerne auf?

Bin ich zwar noch nicht oft, aber ich hab’s jedesmal geliebt. Und bei meinem ersten Auftritt mit meiner Band (mit 18) hat meine Mum gemeint, es hätte so gewirkt, als würde ich schon zehn Jahre auf der Bühne stehen. Ich fühl’ mich einfach unglaublich wohl und ich freue mich auf jeden Fall auf zukünftige Auftritte. Und werde mich auch jetzt mehr darum kümmern, mal öfters was zu machen.

Sonnenbrillen und Speck

Woher stammt deine Namens-Kreation?

Eigentlich angefangen als Joke, als damals alle Young, und Lil hießen und sowas. Und dann nannte ich mich einfach auf Instagram Yung.Bacon so als Joke, weil ich Bacon liebe, das weiß auch jeder, der mich kennt. Und diesen Namen gabs schon, deshalb kam da dieses “ae” zu Stande. Deswegen ist es jetzt ne Mischung zwischen Bae und Bacon, you know. *lacht* Und dann hab ich angefangen zu rappen und hab einfach den Namen genommen und das “Yung” weggelassen und jetzt bin ich eben immer nur Bacon.

Ich sehe hier echt viele Brillen von dir. Was hat es sich damit auf sich?

Das ist ein Fetisch. Ich hab einen Sonnenbrillenfetisch. *lacht*

Auf den Visuals, die man so von dir findet, dann sieht man echt viele verschiedene Hairstyles, sind die selbst gemacht?

Entweder ich komm da selber drauf, wenn ich grad mit meine Haaren rumspiele oder ich sehe halt irgendwas bei Instagram oder sonst wo. Halt bei irgendwelchen Girls gesehen und dann versucht, meine eigene Version dazu zu sagen. Aber ich mach immer alles selber, ich vertrau nämlich niemandem mit meinen Haaren. Letztes Mal mit 13 bin ich heulend vom Frisör gekommen und seitdem war ich nie wieder beim Frisör.

Einen Scheiss drauf geben

Hast du ein Idol?

Schwer zu sagen. Ich hab mehrere aus verschiedenen Gründen. Das sind halt Idole aus jeder Musikrichtung, die mich halt schon nur wegen ihrer Persönlichkeit inspirieren, wie Kurt Cobain und Marilyn Manson. Da geht’s aber nicht unbedingt um ihre Musik sondern vor allem um ihre Einstellung. Und vom Rap-Game her, Tupac und vom neueren Rap-Game her R.I.P., XXXTENTATION und so weiter. Wegen seiner Vielfalt, auch weil er einen Scheiss drauf gegeben hat und einfach gemacht hat wo nach ihm ist, und wenn er auch mal ‘nen Sad-Song schreiben wollte mit Akustik-Gitarren im Hintergrund, hat er es gemacht, aber auf dem gleichen Album noch ‘nen fetten düsteren „Banger“ gehabt. Diesen Shit will ich halt auch machen, ich will mich nicht auf eine Richtung konzentrieren. Ich will einfach alles machen, worauf ich Bock hab’.

Hast du schon Features gemacht?

Ja ein paar. Ich hab‘ in Südafrika angefangen. Ich hab‘ da auch nicht nur einen Song aufgenommen, sondern mit den Leuten, mit denen ich da abgehangen habe. Also mehrere. In LA hab‘ ich auch mehrere Songs gemacht. Für mein neues Album. Und jetzt seit ich wieder in Berlin bin, hab‘ ich zwei gemacht. Und ich will in Zukunft einfach auch noch mehr mit mehreren Leuten machen. Da hab ich richtig Bock drauf, also wenn es jemand liest, der Bock drauf hat: Hit me up!

Danke für das Gespräch!

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