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Foto: © Wild Bunch Germany

Omar Sy: «Optimistische Figuren mag ich sehr»

in Kino/Textinterview Kino

Mit der Komödie „Ziemlich beste Freunde“ gelang Omar Sy vor sechs Jahren der ganz große Coup. Weltweit spielte das Werk 320 Millionen Euro ein, in seiner Heimat Frankreich bekam der Sohn eines Senegalesen und einer Mauretanierin als erster dunkelhäutiger Schauspieler den César als Bester Hauptdarsteller.

Der Ruf aus Hollywood ließ nicht lange auf sich warten. Dort spielte Sy in „X-Men“ und „Jurassic World“. In Frankreich folgten Komödien wie „Heute bin ich Samba“, „Monsieur Chocolat“ und „Plötzlich Papa“. Nun kommt der 40jährige als sympathischer Hochstapler mit „Docteur Knock – Ein Arzt mit gewissen Nebenwirkungen“ in die Kinos. Mit dem Schauspieler unterhielt sich [030] Mitarbeiter Dieter Oßwald.

Monsieur Sy, Sie spielen in Ihrem neuen Film einen medizinischen Quacksalber, der Patienten das Geld aus der Tasche zieht – wie groß ist Ihr Vertrauen zu den Ärzten?

Sy: Es ist schon lange her, seit ich einen Doktor aufsuchen musste. Aber ich habe ein ausgezeichnetes Verhältnis zu Ärzten und vertraue ihnen vollkommen. 

Und nun die unausweichliche Frage: Haben Sie je ein Interview gegeben, ohne auf „Ziemlich beste Freude“ angesprochen worden zu sein?

Sy: Natürlich werde ich nach diesem großen Erfolg ständig noch auf „Ziemlich beste Freunde“ angesprochen. Das stört mich jedoch überhaupt nicht, ich bin diesem Film bis heute unglaublich dankbar. Ohne ihn hätte es meine Karriere in dieser Form sicher nicht gegeben.

„Ziemlich beste Freunde“ hat weltweit 320 Millionen Euro eingespielt. Haben Sie als Schauspieler überhaupt etwas von diesem Gewinn gesehen?

Sy: Machen Sie sich keine Sorgen, ich habe da schon meine Beteiligung bekommen! (Lacht)

Gab es Zeiten, wo Ihnen der ganze Ruhm über den Kopf gewachsen ist?

Sy: Nein, ich habe immer versucht, mein normales Leben beizubehalten und das ist ganz gut gelungen. Wenn das Publikum deine Arbeit so sehr liebt, hat man doch ohnehin keinen Grund zu klagen.

Was hat Sie an der Geschichte von „Doktor Knock“ interessiert?

Sy: Das gleichnamige Theaterstück ist in Frankreich sehr berühmt. Für mich bot sich damit die Chance, in der Verfilmung eines regelrechten Klassikers aufzutreten. Solch eine Charakterrolle ist gleichsam ein neues Level für mich als Schauspieler.

Sie traten in Hollywood in Mega-Produktionen wie „Jurassic Park“ und „X-Men“ auf – haben Sie bei diesem kleinen Film die großen Wohnwagen und Assistenten-Schwärme für die Schauspieler vermisst?

Sy: Nein, überhaupt nicht. Der Job als Schauspieler bleibt ja immer derselbe. Wobei Dreharbeiten in Frankreich für mich sehr viel angenehmer sind, weil ich dort in meiner Muttersprache arbeiten kann.

Sie reden nicht gerne über das Thema schwarzer Erfolgsschauspieler, weil Sie das längst überholt finden. Gleichwohl verwundert es doch, dass der „Doktor Knock“ in der französischen Provinz der 50er Jahre so problemlos akzeptiert wird. Versehen Sie das als märchenhafte Utopie?

Sy: Durchaus, für uns war es spannend, dass in diesem kleinen Dorf alle Bewohner ihre kleinen Besonderheiten haben. Deswegen stellen wir die Frage: Ist es ein größerer Unterschied, eine andere Hautfarbe zu haben als einen seltsamen Bart zu tragen?

Einmal mehr ist auch Ihr Doktor Knock wieder eine charismatische, sympathische Figur. Hätten Sie keine Lust, einmal einen Fiesling zu spielen?

Sy: Warum nicht? Wenn Sie ein gutes Drehbuch für mich habe, immer her damit. (Lacht) Insgesamt mag ich optimistischen Figuren jedoch sehr. Auch das Publikum möchte mich lieber in solchen Rollen sehen statt als Fiesling. In einer Welt, die denkbar kompliziert und problemreich ist, verbreite ich gerne die Botschaft, dass es auch angenehme Dinge gibt.

Sind Sie noch nervös vor der Kamera?

Sy: Nervös bin ich weniger vor der Kamera als vor dem Beginn eines Projektes. Die Wochen vor dem ersten Drehtag bin ich ziemlich aufgeregt. Wenn dann die erste Klappe fällt, ist es zu spät für Nervosität.

Ihr „X-Men“-Regisseur Bryan Singer hat seinen Job wegen Vorwürfen sexueller Belästigung verloren. Ihre Landsmännin Catherine Deneuve sieht in der #MeToo-Bewegung eher eine Hexenjagd. Wie sehen Sie das?

Sy: Diskussionen sind immer gut. Wenn Leute, die sich ungerecht behandelt fühlen, zu Wort kommen, kann es einer Sache nur nützen.

Sie leben in Hollywood – was vermissen Sie am meisten von Frankreich?

Sy: Ich komme zum Glück gar nicht in die Verlegenheit, etwas von Frankreich zu vermissen. Ich bin regelmäßig in meiner Heimat, um Familie und Freunde zu besuchen. Von Heimweh werde ich in Hollywood also nicht geplagt.