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FÊTE DE LA MUSIQUE 2016: Musik feiern und Fußball gucken

in Fête de la Musique/Musik/News

Badehaus, YAAM und Rosi's Bühne [030] Reporter Steffen war auf der FÊTE DE LA MUSIQUE unterwegs und hat sich angeguckt, wie Berlin am längsten Tag des Jahres zum 22. Mal die Musik feiert. Der Eindruck des Musik-Beauftragten: Wenn der Ball rollt, spielt die Musik abseits der großen Bühnen.


Die Fete ist vorbei: es ist Sommer! Am 21. Juni wird dem Sommeranfang traditionell mit Musik gehuldigt. Die Umsetzung der französischen Idee eines Musikfestes, an dem Profis wie Amateure umsonst und überall in der Stadt aufspielen, findet in Berlin seit ‘95 und 2016 an einem Dienstag verstärkt auf über 100 Bühnen von 16 bis 22 Uhr statt. »Es ist schön hier! Wir sind VON WEGEN LISBETH. Aus Berlin«, lacht Sänger Matze Rohde auf der Bühne am Badehaus. An abgelegenen Orten wie Annaberg-Buchholz haben die Indie-Popper auf ihren Touren u.a. mit ANNENMAYKANTEREIT und ELEMENT OF CRIME gespielt, heute konnte man aber mal mit der S-Bahn zum Konzert kommen. Super! Die fünf gut gelaunten Jungs singen sinnige, lustige Lieder über Instagram-Fotos, Mädchen und falsche Kneipenfreunde. Mit dabei: intelligenter Spitzbuben-Charme und günstige Instrumente wie das idiotensichere Omnichord. Das kommt nicht nur bei den Mädels aus der ersten Reihe mit dem Hookline-Transpi gut an. VON WEGEN LISBETH sind das nächste große Ding. Ihr neues Album wird keinem geringeren Titel als ›Grande‹ tragen und bemerkenswert groß ist auch die frische Spielfreude, die sie transportieren. Das will man sehen. Das reißt mit. Das ist gut. Das ist die Idee, wenn man der Musik ein Fest schenkt. Doch warum ist diese deutsche Band-Hoffnung schon um 17 Uhr dran? Der Groschen fällt im YAAM.

Musiker oder Sportler?

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Um 18 Uhr spielt ja noch eine andere populäre deutsche Hoffnung. Gegen Nordirland. Ein befreundeter Drummer, der schon ziemlich desinteressiert am Profifußball ist, hat mal erklärt, dass es nur zwei Kategorien von Menschen gibt. Entweder du bist Musiker oder du bist Sportler. Wer was anderes behauptet oder sogar denkt, er sei beides, belügt sich selbst. Im YAAM gibt es scharfes afrikanisches Essen, Bumm-Bumm-Musik von der gegenüberliegenden Spree-Seite, die den garteneigenen Reggea übertönt und die EM auf Flachbildschirmen drinnen und draußen. Aber nicht die angekündigte Live-Musik. Wenn der Ball parallel rollt, muss sich der Musiker vor der Leere im Publikum fürchten.

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Darum beginnen TILIBOO AFROBEAT auch erst nach dem Spiel nach 8. Nicht unter freiem Himmel, sondern in der Halle. Es ist ein Public Viewing-Kontrastprogramm, das die sieben Musiker veranstalten. Schwingende Hüften, alternative Düfte, treibende Rhythmen. Am Keyboard fragt Berlins wohl verhaltensauffälligster Tastensportsmann gleich zu Beginn: »Wie ist es ausgegangen?« – Er bekommt keine Antwort. Die Halle füllt sich. Salsa. Funk. Jazz. Afrobeat. Stimmung. Es wird getanzt. Als Omar Diop, senegalesisches Mastermind der Gruppe, ›Deutschland!‹ in die Menge skandiert, kommt ebenfalls nichts zurück. Die beiden großen internationalen Ideen von Sport und Musik scheinen hier wirklich nicht gleichzeitig zu funktionieren.

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Wessen Gute Laune-Konzept hingegen voll aufgeht, ist jenes von SMITH & SMART auf Rosi’s Bühne. Oldschool-HipHop mit Scratchen, keine Angst vor Freestyle und Coco Jambo-Beats. »Wer hat in den 80ern schon hässliche Musik gehört?« Die Meute freut sich ehrlich diebisch und grinst um die Wette als das Rendevous des Grauens mit MÜNCHENER FREIHEITs ›Ohne Dich schlaf ich heut‘ Nacht nicht ein‹ erklingt. Man überrascht sich beim peinlichen Mitsingen dann doch selbst, liebt den Trash, feiert die Musik, achtet nicht auf die grüne Zweiquadratmeter-TV-Fläche an der Hauswand.

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Das Open Air-Finale an der Badehaus-Bühne gibt ab 21 Uhr DOTA. Die Berliner Königin des deutschsprachigen Alternativ-Pops, die wir an anderer Stelle schon ausführlich wertschätzen konnten, hat eine riesige tänzelnde Crowd vor sich. Knapp 4.000 Menschen werden sich über den Tag auf dem RAW Gelände eingefunden haben und das Fest der Musik in Berlin unter'm Strich wohl zu einem rentablen gemacht haben – nicht so sehr wie das Massengeschäft mit der EM, aber die ist ja auch nur alle vier Jahre. Musik gibt’s in Berlin hingegen scheinbar ständig. Wer nicht will, der glaubt schon gehabt zu haben. Den Straßenmusiker-Trauben, die entlang des Heimwegs abseits der großen Bühnen weiterspielen, ist es ziemlich egal, dass an den Spätis unbeeindruckt Tschechien gegen die Türkei verfolgt wird. Ob die Party zu Ehren der Musik am 21. Juni 2016 in Berlin also angemessen ausgelassen war, darf sicher angezweifelt werden. Fest steht aber: Jetzt ist erstmal Sommer und wir lieben Dich, werte Musik!

Text & Fotos ©: Steffen Rudnik | [030] Magazin

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