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Foto: © P. Wolflingseder / [030] Magazin

Karma oder Krawall: Zwei Punks aus Asien erzählen, wie sie mit Buddha gegen das System kämpfen | mit Video

in [030] plus/Videointerview

Sie sind Punks und Buddhisten. In Berlin lief der Film über Punkrocker in Asien. Kyaw Kyaw und Oakar sind die Hauptdarsteller des Films und waren in Berlin. Wir haben mit beiden gesprochen (Video am Ende des Beitrags) – und mit Regisseur Andreas Hartmann. 

Andreas, warum findet deine Vorführung in Berlin im Zuckerzauber statt?

Die Band ist gerade auf Europatour. Vorher waren sie in Tschechen, jetzt sind sie in Deutschland unterwegs und gehen dann in die Schweiz. Für verschiedene Gigs und auch für Vorführungen des Films. So kam es dazu, dass wir den Film hier mit der Band präsentieren können.

Wie kam es eigentlich dazu, dass du den Film gemacht hast? 

Ich habe 2011 den ersten Artikel über die Punkszene in einer Zeitung gelesen und ich war natürlich sofort von dem Thema fasziniert. Daraufhin habe ich recherchiert und habe meinen Protagonisten auf Facebook gefunden und mit ihm geschrieben. Er hat mich eingeladen ihn zu besuchen. Ich war sofort fasziniert von seinem Charakter und seiner Person und habe mich dann dazu entschieden, gleich einen Film über ihn und seine Freunde zu machen.

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Regisseur Andreas Hartmann. Foto: © P. Wolflingseder / [030] Magazin

Hast du für den Film alles selber gemacht, also Kamera, Regie, Schnitt?

Ja, ich habe alles selber gemacht. Regie, Kamera, Produktion und Schnitt. Es ist schwierig und herausfordernd aber auch befreiend, weil es niemand gibt der Erwartung hat. Das nimmt einem unheimlich den Duck. Man hat die Freiheit, im Moment zu entscheiden, was man dreht, wie man es dreht.

Wie lange hat das ungefähr gedauert?

Gedreht habe ich im Winter 2012 und Premiere hatte der Film erst im November 2015. Das heißt,  die Dreharbeiten haben circa sechs Wochen gedauert und der Rest war einfach die lange Übersetzungsphase.

Du hast zu der Zeit als Stipendiat in Myanmar gelebt…

Ja genau. Ich bin durch ein Stipendium vom DAAD, dem Deutschen Akademischen Außtausch Dienst, dort nach Myanmar gefahren. Das war kurz nach meinem Studium. Ich habe an der Filmhochschule in Potsdam Babelsberg studiert und danach bin ich mit dem Stipendium nach Myanmar gefahren, um den Film zu drehen.

Du bist also quasi zufällig über einen Zeitungsartikel auf die Geschichte aufmerksam geworden?

Richtig. Ich habe aber vorher schon meinen ersten Dokumentarfilm gedreht, während meines Studiums in Vietnam. Dabei handelte es sich um eine Familie, welche in einem Überschwemmungsdorf gelebt hat und von der Regierung umgesiedelt wurde. Das war eine durchaus positive Erfahrung. Dadurch habe ich eine nonverbale Arbeitsweise mit den Protagonisten entwickelt.

Was hat dich an dem Thema Punk in Asien speziell interessiert?

Das Faszinierende ist natürlich, dass es da so etwas gibt, in einem Land, was 50 Jahre lang eine Militärdiktatur war. Und dass sich eine solche Szene entwickelt hat. Als ich dann dort war, habe ich Kyaw Kyaw kennengelernt, welcher mich als Person interessiert hat. Aber auch die Gruppendynamik war sehr spannend.

Welche Rolle spiel Kyaw Kyaw in dem Film?

Kyaw Kyaw ist der Sänger und Bandleader von Rebel Riot. Er hat aber dort in der Szene auch eine bedeutende Rolle, da er einfach eine sehr starke Persönlichkeit ist. Es gibt dort viele Leute, vor allem auch bei den jungen, welche zur Punkszene gehören wollen und welche Kyaw Kyaw ein bisschen als Leitbild sehen. Er versucht ihnen beizubringen, was Punk ist und was es für ihn bedeutet.

Das Faszinierende ist natürlich, dass es da so etwas gibt, in einem Land, was 50 Jahre lang eine Militärdiktatur war.

Was steckt hinter der Punkbewegung in Myanmar? 

Erstmal ist die Band während der Safranrevolution entstanden, wo die Mönche gegen die Militärdiktatur demonstriert haben. Um dort mitmischen zu können, hat sich dann Rebel Riot zusammengefunden. Natürlich ist das eine politische Motivation, um gegen die Umstände im Land zu rebellieren. Ein zweiter Punkt ist hier glaube ich auch die Identitätsfindung, da Myamar ein sehr religiöses und traditionelles Land ist. Ich denke schon, dass wenn man dort aufwächst, unter diesen ganzen Zwängen, diese Gruppe eine Hilfe zur Identitätsfindung ist.

Der Film heißt ja „My Buddha is Punk“. Welche Rolle spielt denn der Buddhismus darin?

Es hängt erstmal damit zusammen, dass sie alle einen sehr religiösen Hintergrund haben. Dadurch sind sie natürlich geprägt. Kyaw Kyaw meinte damals, dass er Buddhismus für sich nicht als Religion sieht, sondern als Philosophie und als einen Weg, den er gehen kann. Er versucht diese zwei Wege, Buddhismus und Punk, zu vereinen und zu seiner eigenen Sache zu machen.

Vielen Dank für das Gespräch. 

Video-Interview: Zwei Punkrocker aus Myanmar berichten:

Über den Film »My Buddha is Punk« haben wir euch schon berichtet: nämlich hier

Foto: © P. Wolflingseder / [030] Magazin

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