Foto: © Jan Michalko/re:publica

Das Internet wird erwachsen |
re:publica 2019

in Digital/Stadtleben

Die re:publica gilt als größte Konferenz der digitalen Gesellschaft in Europa. Hier tauschen sich jährlich Netzgemeinde, Wissenschaft, Politik und Kultur über aktuelle Themen der digitalen Welt aus. 

Zu lang – kein Bock

Vom 6. Bis 8. Mai findet sie bereits zum 13. Mal statt: die re:publica. Wie im letzten Jahr ist auch diesmal die STATION Berlin der place to be für alle Internetnerds- und nerdinnen. Dieses Jahr unter dem Motto «tl;dr» – das ist Internetsprech für „too long; didn’t read“. Wer kennt das nicht? Mal eben durch den Nachrichtenfeed scrollen, Überschriften lesen, Text anklicken: zu lang, keine Zeit, zwei Absätze lesen. Dann lässt die Aufmerksamkeit auch schon wieder nach. Es scheint, als hätte die Mehrheit der Menschen die Aufmerksamkeitsspanne eines Kleinkindes. Es wird vom Einen zum Anderen gehopst und selten etwas zu Ende gebracht. Am Ende bleibt das altbekannte und zuweilen gefährliche Halbwissen. Auf dessen wackligen Füßen man ernsthaft glaubt, sinnreiche Diskussionen führen zu können. Oder gar Politik zu betreiben. In diesem Jahr will die re:publica einen Gegenpol dazu bilden. Sie will der „long read“ sein. Im 13. Jahr ist es nun an der Zeit, sich wie Erwachsene zu benehmen – auch im Internet.

tl;dr – Das Motto auf der re:publica 2019 – Foto: © Jan Michalko/re:publica

Ein Klick – Verantwortung weg

Es soll um Slogans und Parolen gehen, die die Gesellschaft spalten. Oder die Demokratie gefährden und Hass streuen. Aber auch um das, was vereint. Es soll um das Kleingedruckte gehen. Um die Recherche, um die Kraft des Wissens und der Kontroverse. Darum, warum Verkürzungen und Vereinfachungen gefährlich sind. In einer Welt, die nun eben mal komplex ist und sich nicht in Schwarz und Weiß einteilen lässt. So wie es die Hassparolen-Trolle in den Kommentarspalten immer noch hoffen. Auch unter den politischen Akteuren der Welt hofft man doch vergebens auf ein angehendes Licht. Der große Fokus liegt damit hauptsächlich auf der „Digitalen Öffentlichkeit“ und der Kultur der faulen Akzeptanz. Dinge die wir prüfen sollten, werden mit einem „Ok“ weggeklickt und anschließend wird das Beste gehofft. Reißerische Überschriften werden überflogen. Textanfang und Textende mit gefühltem Wissen gefüllt. Weil zu komplex.

Endlich wieder Festivalbändchen. Foto: © Jan Michalko/re:publica

Du hast nicht so viel Kontrolle, wie du denkst

Auch zu Themen wie „Allgemeine Netzpolitik“ und „Urheberrecht“ wird gesprochen. Es geht also viel um die Frage nach einem freien Internet. Wo sind die Grenzen, die Konsequenzen? Stichwort Uploadfilter: Darf man Urheberrechte für ein freies Internet ignorieren? Weil alles andere zu komplex wäre? Man müsste ja Menschen fragen, ob sie wollen, dass ihre Inhalte benutzt werden. Oder noch schlimmer: man müsste sie bezahlen. Viel zu anstrengend. Unter dem Themenbereich „Künstliche Intelligenz“ werden Fragen nach einer Algorithmen-Ethik aufgeworfen. Wer entscheidet, wie ich am schnellsten von A nach B komme? Was passiert, wenn uns diese Entscheidungen dauerhaft abgenommen werden? Und wer steckt hinter diesen Algorithmen? „Datenschutz und Datennutzung“ stehen ebenfalls auf der To-do-List: Wem gehören unsere Daten? Was passiert, wenn wir die Datenschutzerklärung nicht lesen und doch auf „OK“ klicken? Keiner braucht mehr einen Überwachungsstaat in Zeiten von Social Media. Wer glaubt denn noch, dass wir die Nutzer „kostenloser“ Online-Dienste sind? Wir geben unsere Stimme freiwillig ab. Was bedeutet das für uns? Kann man die Kontrolle zurückgewinnen?

Foto: © Jan Michalko/re:publica

Gib mir Inhalt Baby

Man könnte meinen, es geht im weitesten Sinne um einen irgendwie „nachhaltigen“ Umgang mit dem Netz. Was auch immer das im Grunde bedeutet. Hoffentlich nicht nur das Umlagern von Verantwortung; Gewissenshygiene und das Wechseln zu grünen Suchmaschinen. Für schlappe 200 Euro pro Ticket darf man doch das knallige Platzen von Filterblasen erhoffen. In diesem Jahr werden über 1000 Sprecher*innen erwartet, die in 600 Sessions zu all diesen Themen viel zu sagen haben. Darunter bekannte Gesichter wie die Autorin Sybille Berg, der Journalist Stefan Niggemeier, Christoph Amend, Autorin Sophie Passmann, Aktivistin Luisa Neubauer, EU-Kommissarin Margrethe Vestager und viele viele mehr.

re:publica | STATION Berlin
6.-8. Mai
Luckenwalder Str. 4-6,
10963 Berlin

Alle Infos findet ihr hier.

Foto: © Jan Michalko/re:publica

 

ist Berlinerin (ja, Köpenick gehört tatsächlich zu Berlin). Sie wollte mal Artistin werden. Das Einrad verstaubt im Keller. Nun schreibt Sie. Immer am Suchen, Lernen und Hinterfragen, aber bitte mit Humor. Zitat: „Den erhobenen Zeigefinger lass zu Hause. Lass mal cool sein jetzt.“

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.