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Porches

Wer Liebeskummer oder mit jemanden mit Herzschmerz zutun hatte, der wird wissen, wie anstrengend es ist nüchtern zu bleiben, keine ehemaligen Pärchenbilder anzuglotzen oder sich davon abzuhalten, den/die Ex anzurufen. Der perfekt Modus um sich mit Porches neuem Album ‚Ricky Music‘ anzufreunden. 

90s Alt-Rock oder Bedroom Synthie-Pop?

Aaron Maine, Foto: © Clare Gillen

Aaron Maine – Foto: © Clare Gillen

Eine kurze Einführung bevor wir zum Album kommen: ‚Porches‘ ist der Solo-Alias des New Yorkers Aaron Maine. Seinen Anfang fand das Projekt 2010. Der anfängliche 90s Alt-Rock-Stil bestach mit Maines melancholischer Stimme und der Verwendung elektronischer Elemente. Die folgenden Releases hatten eher Synth-Pop mit Homerecording Charme. Bis zu dem  aktuellen Synth- und Electro-Pop -Sound kam es erst später, genauer, mit dem zweiten Release von Porches: Pool (2016). Der Zweitling repräsentierte die Veränderung von Maines musikalischem Output. Hin zu Indie-Electronica, getragen von einer aufwendigen Produktion und einem ganz neuem Soundappeal. Seitdem haben sich die jüngsten Releases ‚The House‘ (2018) und natürlich ‚Ricky Music‘ (2020) um emotionale Ebenen und eine spannende Komplexität gesteigert.

Im Hier und Jetzt

‚Ricky Music‘ entstand mit Musiker*innen wie Mitski und Devonté Hynes. Zudem wurde es von Jacob Portrait co-produziert. Mit insgesamt elf Songs ist es das kürzeste Album seit 2016. Tiefgehende Lyrics und ein popiger Vibe inklusive. Das Album kann man mit einem Tagebuch vergleichen so hat Maine niedergeschrieben, was er seinen Engsten wohl niemals direkt hätte sagen können. In einem Interview sagt Maine selber: 

Like any other type of diary, when you open up an old one you can feel all sorts of things: proud, ashamed, excited, mortified, humbled, out of your mind, smart, idiotic. I feel all of these things about Porches.

Mit dem Song ‚Patience‘ steigt der Zuhörer in das Album ein. Die Thematik wird sogleich klar: Maine wünscht sich seine ehemalige Partnerschaft zurück. Im vierten Song ‚PFB‘, so fern man einen 33 Sekunden kurzen musikalischen Abriss so nennen möchte, singt er „It’s looking bad / It’s looking pretty fucking bad“ – ein Satz, der in den meisten Tagebüchern auf die ein oder andere Art vorkommen dürfte. ‚Ricky Music‘ hat schwarzen Humor, Ironie und klingt angenehm ungewohnt. Eine Platte, die nicht jeden gefallen wird, aber die es lohnt, gehört zu werden.

 

Foto: © Paley Fairman

ehemalige Philosophie-Studentin, Musikliebhaberin sowie Namensvetterin der Ehefrau Lenins.