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[030] Musiktipps mit Fat Freddy’s Drop, Suede, Andre Bratten, Anchorsong, James Hunter

In abwechselnder Reihenfolge stellen unsere Autoren aktuelle Platten vor, die man sich mal mehr und mal weniger oft anhören sollte. Für etwaige Geschmacksverirrungen übernimmt die [030] Redaktion keine Verantwortung. Wir lassen uns aber natürlich immer gerne für die hochwertige Auswahl loben.

Fat Freddy's Drop – Bays (The Drop/Rough Trade)

FFD

Die Neuseeländer sind ihren eingeschlagenen Weg konsequent weiter geschritten, mit ihrer Mischung aus Dub, Elektronik, souliger Stimme, Reggae und Hiphop sind sie schon lange ihre eigene Marke und spielen vor ausverkauften Häusern. Joe Dukie am Mikro allein ist vielen Musikliebhabern schon das Geld wert, diese Band live zu sehen. Aber auch ihre Alben bestechen durch eine faszinierende Art, wie sie einen durch treibende Beats und knackige Bläser in ihren Bann ziehen. In dieser Mischung verschiedener Genres und mit der Ausnahmestimme Joe Dukies geadelt ist diese Band kaum zu stoppen, was sich auch an erweiterten Touraktivitäten hierzuland ablesen lässt. Einziges Manko dieses Albums: die wirklich unschöne Covergestaltung mit billig wirkendem Neonschriftzug. Aber irgendwas gibt es ja immer auszusetzen.

Suede – Night Thoughts (Rhino/Warner)

Suede

Die Briten sind mit einem Paukenschlag zurück, „Night Thoughts“ folgt einem Konzept und wird von einem Film begleitet, der dem Tonträger als DVD beiliegt. Mitte November wurde das Material inklusive Film im Londoner Roundhouse uraufgeführt. Mastermind Brett Anderson hat es geschafft, zu alter Stärke zurück zu finden, und das ohne seinen kongenialen Partner Bernard Butler, mit dem er die ersten beiden Suede Alben komponierte, die bis heute ihren exzellenten Ruf begründen. Das neue Werk ist aus einem Guß und erzählt die Geschichte eines Selbstmords und verfolgt die Stationen des Protagonisten auf dem Weg dorthin. Die Musik kann auch ohne die Bilder bestehen, doch es war sinnvoll, das Album komplett in Bilder umzusetzen. Ein anachronistischer Schritt in Zeiten, in denen die Aufmerksamkeitspanne angeblich immer kürzer ist. Doch dieses Werk voller Pathos und  schmerzerfüllter Poesie ist eben nur als Gesamtwerk nachzuvollziehen. Suede sind auf eine neue Stufe gelangt, ein komplexes Werk ist entstanden, das ihren Reifeprozess dokumentiert.

Andre Bratten – Gode (Smalltown Supersound/Rough Trade)

Andre Bratten

Andre Bratten ist Norweger und mit seinem neuen Album „Gode“ bei Smalltown Supersound gelandet. Sein Debüt war bei Full Pupp erschienen. Einer seiner Jobs war Soundengineer an Oslos „Black Box“ Performancetheater. Seinen Sinn für Dramaturgie hat er dort sicher schärfen können. Früher produzierte er viel mit Synthies, Drummachines und Computer, aktuell hat er auf Tapes aufgenommen, benutzt Field Recordings, ein modifiziertes Klavier und String Arrangements.  Sein Ambient verträgt auch Vocals von Susanne Sundför. Der Grundsound ist dann auch angenehm warm und grenzt sich von den üblichen kalten Sounds des Genres angenehm ab, ohne die Kanten dabei auszulassen. Der Titel hat gleich zwei unterschiedliche Bedeutungen, zum einen die Viehzucht und zum anderen das Privileg, diese durchzuführen. Das Album reflektiert die düsteren Tage von Norwegens Vergangenheit mit weitverbreiteter Armut in akustischer Form. 

Anchorsong – Ceremonial (Truthoughts/Groove Attack)

Anchorsong_Jonathan-Chater

Der Japaner Masaaki Yoshida lebt in London und folgerichtig veröffentlicht er auch auf einem britischen Label. Auf seinem neuen Werk „Ceremonial“ liess er sich unter anderem von afrikanischer Musik beeinflussen, er nennt das Orchestre Polyrhythmo und Fela Kuti sowie das Highlife Genre als Einflüsse. Die Polyrhythmik bringt neue Dynamik und ein gesteigertes Tempo mit sich. War das Vorgänger Album eher im Downbeatbereich angesiedelt, sind die neuen Tunes schon recht clubtauglich vereinzelt. Yoshida hat auch schon Sets für den Boiler Room gespielt, weiß also, wie man Tanzflächen unterhält. Abwechslungsreichtum ist die große Stärke des Japaners, hier hat er viele perkussive Elemente verwendet und orientalische Melodien eingebaut. Bei allen Einflüssen anderer Kulturen bleibt es doch eine britisch klingende Elektronikproduktion, die sich bei Rhythmen Afrikas Inspiration holt, um sie zu etwas Einzigartigem zu verwenden, dass sowohl Wärme ausstrahlt als auch die Füße nicht stillstehen lässt.

James Hunter Six – Hold On (Daptone Records)

 

James Hunter Six ist schon bei seinem vierten Album angelangt, und dieses Mal ist er tatsächlich bei Daptone unter Vertrag und von Bosco Man alias Gabriel Roth, dem Chef des Labels produziert. Das Label weiß, warum, denn James verkörpert wie kein zweiter den Geist der alten Soul und Rhythm & Blues Zeit mit seiner unverwechselbaren Stimme. Die Kompositionen haben Kante und sind mitreissend, so dass man dazu kaum still sitzen kann. Es ist ein vielfältiges Werk, dass einen an keiner Stelle langweilt. Man fühlt sich bisweilen an Klassiker von Sam Cooke erinnert. 

Foto ©: 1. & 3. Rough Trade / 2. Warner Music / 4. Jonathan Chater / 5. Daptone Records

Unter dem [030] Redaktionsprofil schreiben alle Autoren, die gerade Dienst haben. Klingt bürokratisch, ist es nicht.