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Zwei Räder für ein Halleluja: Die Husqvarna Svartpilen 401 im Langzeittest

in Mobilität/Stadtleben

«Habt ihr nicht Lust die Husqvarna Svartpilen 401 zu testen,» so die Anfrage eines befreundeten Medienmachers, der ein phänomenal geiles Printmagazin mit Zweirädern zu verantworten hat. Was ‘ne Frage, dachten wir, taten lässig und antworteten ebenso: «Klar, wenn es sein muss!»

Innerlich waren wir da bereits auf Anschlag, denn es war Anfang des Sommers und es gibt nichts, ich wiederhole: NICHTS, was geiler ist, als motorisiertes Zweiradfahren. Ja, auch E-Roller schockt. Nachdem dann in den folgenden Mails der Testzeitraum und Rahmen abgesteckt wurde, das Projekt “[030] testet Motorräder” konkreter wurde, stieg bei uns die Vorfreude. Da es allerdings bis zum vereinbarten Termin noch etwas hin war, mussten wir die Zeit und folglich die Leere irgendwie kompensieren. Somit begannen wir mit der Hintergrundrecherche. «Husqvarna: machen die nicht in Motorsägen», war eine der ersten Reaktionen, wenn wir die Marke und unsere Vorfreude auf die Testung gegenüber jedem, der nicht bei drei auf den Bäumen war, droppten. «Ja, auch, aber…… » kam es uns dann regelmäßig, um in der Folge wissen zu lassen, dass die schwedische Marke seit 1903, bis heute als weltweit zweiter Motorradhersteller mit durchgängiger Produktion (nach Royal Enfield) an den Start ging. Da staunen dann die meisten Zuhörer. Und ja, liebe Ü-60er, auch vor dem US-Hersteller Harley Davidson. Husqvarna war also ein Big Player in der noch jungen Motorradproduktion. In einer Zeit, in der es noch nicht etliche Unterklassen, wie Enduro, Motocross, Supermoto, Tourer, Scrambler oder was weiß ich gab, sondern ein Motorrad noch als Allrounder aus der Fabrik zu seinem Besitzer kam.

Ein Bike für alle Fälle

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Halb Fahrrad. Halb Motor: Das erste Husqvarna Bike von 1903. – Foto: © Husqvarna Motorcycles

Husqvarna Motorräder – okay am Anfang waren es vielmehr Fahrräder mit Motor – waren in der Folge, bis zum ersten kompletten Bike aus eigener Produktion im Jahr 1911, robuste und vor allem sehr zuverlässige Maschinen, die der schwedischen Flachlandweite ebenso gewachsen waren, wie spezielleren Geländeanforderungen. Dies machte die Marke schnell beliebt im aufkommenden Offroadsport. 1916 gab es hier den ersten Titel für die Marke, in dessen Folge man sich in der Produktion – bis heute – verstärkt auf diese Komponente des Zweirradfahrens konzentrierte. Doch für alte Pokale kann man sich in den seltensten Fällen noch etwas kaufen. So geriet Husqvarna Mitte der 1980er in Schwierigkeiten, was mehrere Besitzerwechsel zur Folge hatte, bis 2013 der österreichische KTM-Konzern den Markennamen übernahm. Unter dessen Ägide wurde speziell der Motocross-Geschichte Husqvarnas neues Leben eingehaucht. KTM, seit 2003 Seriensieger der Rally Paris-Dakar, bzw. Dakar Rally, kennt sich in diesem Bereich ganz gut aus. Ähnlich wie bei Autoherstellern, wurde daher die eigene Modellreihe KTM 390 Duke als Basis für die neuen Husqvarna Maschinen (zB. 701) übernommen. Dazu ein eigenwilliges, der modernen Zeit entsprechendes Design und fertig war die Neubelebung der verdienten nordischen Marke.

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Wer braucht schon eine Straße: die 550ccm von Husqvarna. – Foto: © Husqvarna Motorcycles

Von Off the Road zu On the Road

2017 der nächste Schritt. Mit der Vitpilen 401 und 701, sowie der Svartpilen 401 auf Basis der KTM Duke, stellten die Österreicher eine neue Produktlinie vor, die nicht nur vom Namen her an alte Husqvarna-Maschinen der 1960er Jahre erinnern soll. Ausgestattet mit modernster Technik versteht sich. Eben eine solche – genauer die Svartpilen – konnten wir nun die vergangenen drei Monate ausgiebig testen.

Husqvarna-Werbeclip für die Svartpilen 401

Bereits die Anlieferung durch einen Spediteur machte bei uns mächtig Eindruck, kam doch kein kompakter Sprinter, sondern ein ausgewachsener LKW mit anhängendem Gabelstapler vor unser Büro gefahren. Was für ein Knalleffekt. Nachdem der Fahrer die Maschine aus seinem Anhänger bugsiert hatte und der Papierkram erledigt war, ging es an die Erstbesichtigung. Das Design ist schon außergewöhnlich. Muss man sie sicherlich mögen. Uns gefiel sie auf Anhieb. Gerade das scheinbar freischwebende Heck macht ordentlich was her.

Klein aber Oho!

Die erste Befürchtung, anhand der Bilder und Videos im Netz, dass die Maschine für Menschen mit 183 cm Körpergröße zu klein geraten sein könnte, bestätigten sich nicht. Die Sitzhaltung auf der Svartpilen ist angenehm aufrecht und verleitet eher zum entspannten Cruisen, denn zum Racen. Entspricht unserem Fahrstil. Wie schon im Werbevideo zu erkennen, zielt Husqvarna mit der Svartpilen auf ein urbanes Publikum ab. Die Maschine – vom Hersteller auch als ‘Street Explorer’ vermarktet – kommt als einzylindriger Viertakter mit rund 373 ccm Hubraum daher. 44 PS bei einem Gewicht von 139 Kilogramm sind nicht viel, geben der Maschine auf den ersten Metern aber einen gehörigen Wumms. Auch die Zugkraft, wenn es vom dritten Gang in den vierten geht, läßt mindestens frohlocken. Klar, nicht zu vergleichen mit einem Supermoto oder meiner XJR 1200 SP mit 132 PS, aber Spaß macht die Beschleunigung der Svartpilen allemal.

Ankunft des Testbikes vor der [030] Redaktion

Rauf und los – Kompliziert geht anders

Das bekam ich auch bei der ersten Probefahrt zu spüren, die mich gleich am Abend der Lieferung über zwei Stunden lang durch den Berliner Verkehr trieb. Mein erster Gedanke: Das Bike ist unglaublich kompakt und wendig. Mega-unkompliziert. Man gleitet förmlich dahin. Als ich an der East Side Gallery entlang düste, war ich aber dann für einen Moment etwas erschrocken. Wer hat denn hier so laut geschrien? Bis ich feststellte, dass ich es selber war, der vor lauter Fahrspaß die Freude in den Helm hinein brüllte. Ich muss zugeben, ich war etwas peinlich berührt und schaute mich reflexhaft erst einmal um, ob irgendjemand mich und meine Begeisterung vernommen hatte. Keiner. Okay, Gas geben und ab dafür. Was für ein unglaublicher Sommerabend. Es gibt eh nichts Besseres, als Zweiradfahren mit Motor. Der Kopf fährt runter und man ist nur im Hier und Jetzt. Draußen und mit der Natur. Besser geht’s nicht. Wobei gerade dieser Satz natürlich, wie in vielen Dingen, auch beim Motorradfahren von Geschmacksfragen geprägt ist. Meinen hat Husqvarna mit der Svartpilen getroffen. Freunde von mir bemängelten allerdings die Kennzeichenaufhängung. In unserem Fall nicht, weil unser Testbike mit einem österreichischem Nummernschild ausgestattet war, sondern weil diese etwas komisch am Hinterrad wie angeklebt wirkt. Mich hat das nicht gestört. Zumal die Option besteht, dieses auch unterhalb des Sozius zu montieren.

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Ein bisschen Plastik hat noch niemandem geschadet, oder? – Foto: © [030] Magazin

It’s a Plastik-Welt

Ein weiterer Kritikpunkt, der in einigen Kommentaren im Netz und bei den diversen Tests zu vernehmen war, ist die runde Digitalanzeige aus Plastik. Fans der Technik wird das nicht stören, viel mehr werden sie Gefallen daran finden, wenn sich die Einstellungen beim Drehen des Zündschlüssel justieren.

KTM Duke, svartpilen,
Diente der Svartpilen als Grundlage: die KTM Duke 390. – Foto: © KTM

Allerdings kann man den Hinweis, dass diese eben auch ein wenig billig aussieht, ebenfalls nachvollziehen. Etwas puristischere Elemente höherer Qualität wären sicherlich nicht schlecht gewesen. Das gilt auch für die Überproportionierung der Plastikapplikationen links und rechts der Griffe. Dafür, dass da nur Licht, Blinker – ergo Start- und Stopp-Tasten zu finden sind – erscheint es doch recht mächtig. Geschmackssache. Viel mehr finde ich die Tankhalterung – ebenfalls aus Plastik, und sofern man gerade keine stylishe Ledertasche zur Hand hat – eher etwas störend. Kann man abmachen, aber auch hier wären Metallelemente, trotz des höheren Gewichts, sicherlich die hochwertigere Wahl. Allerdings – und das sollte man an dieser Stelle erwähnen – zählt die Svartpilen mit 6690 € Ladenpreis sicherlich nicht zu den hochpreisigsten Motorrädern. Klar, nicht wenig Geld, aber ähnlich urban ausgelegte Street-Bikes, wie die extrem erfolgreiche Ducati Scrambler, liegen auf einem ähnlichen Preisniveau. Dass die basisspendende KTM 390 Duke knapp 1500 € unter der Svartpilen liegt, ist aufgrund des unterschiedlichen Designkonzeptes, wie anhand des 2018er Modells rechts im Bild, gut zu erkennen. Nur am Rande erwähnt.

Was bleibt?

Leider nicht das Testbike, welches heute von dem netten Mann mit dem großen LKW wieder abgeholt wurde. Wehmütig schauen meine Kollegen und ich der Svartpilen 401 hinterher. Speziell für die Stadt habe ich die Maschine wirklich lieben gelernt. Ein so kompaktes, leicht zu händelndes Motorrad habe ich selten erlebt. Klar, dass muss man mögen und ich liebe auch den Kickstart mit meiner XT600 oder die brachiale Last der XJR, aber für den täglichen Bedarf, für kurze Strecken in der Stadt von einem Termin zum nächsten oder eben einfach mal der Sonne entgegen durch die Stadt cruisen: dafür ist die Svartpilen perfekt. Zeit ein paar Scheine beiseite zu legen. Die neue Saison steht vor der Tür. Ich hoffe, bis dahin steht die Svartpilen vor meiner.

VIDEO: Impressionen unserer Testfahrt mit der Husqvarna Svartpilen 401

 

Was haltet ihr von der Husqvarna Svartpilen 401? Kommt sie für Euch infrage?
Schreibt uns eure Meinung gerne in den Kommentaren.

Zur Händlerseite:
www.husqvarna-motorcycles.com

* Für den Testzeitraum haben wir vom Hersteller die Maschine kostenlos gestellt bekommen. Dazu einen Helm und Handschuhe. Alles geht an den Absender zurück, bzw. wenn etwas gefällt wird es von uns erworben. Kein Sponsoring. Keine Bezahlung. Keine Beeinflussung des Testergebnisses.

1 Comment

  1. […] Ein Beitrag in eigener Sache betrifft: die Kunst der schönen und wilden Gefährte. Genauer gesagt der Motorräder, und zwar der Husqvarna Svartpilen 401. Die hat unser Herausgeber Tim ausgiebig testen dürfen – und damit die Stadt unsicher gemacht. Dabei entwickelte er viel Zuneigung für das wendige Zweirad. Den Testbericht inklusive einiger sehenswerter Fotos in nächtlichem Stadtraum könnt ihr euch hier durchlesen. […]

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