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Vatertag, Herrentag, Bollerwagen

Alle Jahre wieder… kommt die besoffene Männertruppe mit ihrem Bollerwagen in den Park und erfreut sich dem alkoholischen Exzess. Willkommen beim Herrentag! Oder Vatertag? Oder Christi Himmelfahrt? Was ist denn nun richtig? Und warum wird da eigentlich gefeiert? Wir klären auf!

Beginen wir mit Religionsunterricht. Christi Himmelfahrt wird jedes Jahr genau 39 Tage nach dem Ostersonntag gefeiert. Der Grund: Jesus Christus hat nach seiner Auferstehung noch 40 Tage mit seinen Jüngern gesprochen (wie es die Apostelgeschichte im neuen Testament wiedergibt) und dann ist er zu seinem Vater in den Himmel aufgestiegen. Hier kommt also der Vater ins Spiel, und somit eine von mehreren Entstehungsgeschichten des Vatertags. Denn diese Geschichte beschreibt im christlichen Glauben die wichtigste Rückkehr eines Sohnes zu seinem Vater. 

Das Mittelalter ist Schuld!

Im 16. Jahrhundert gab es zu Christi Himmelfahrt den feierlichen Umzug von Geistlichen und Gemeinde auf die Felder, um für eine gute Ernte zu beten. Danach wurde gefeiert und getrunken, okay, maßlos gesoffen bis die Krüge zerbrachen. Der christliche Ursprung des Festes ging im 19. Jahrhundert dann mehr und mehr verloren. So blieb am Ende der Vater- und Herrentag, wie wir ihn heute kennen: eine Sauftour mit Bollerwagen, der so viel kühle Getränke wie möglich tragen kann. Die Natur spielt nur noch eine Nebenrolle, denn die feuchtfröhliche Herrenpartie findet in der Regel an der frischen Luft im Grünen statt, sofern das Wetter es zulässt.

Herrentag im Osten und Vatertag im Westen? 

Aber was hat es mit den beiden Begriffen Vater- oder Herrentag auf sich. In Ostdeutschland ist die Bezeichnung Herrentag üblich. In Thüringen und Sachsen spricht man wiederum auch vom Männertag. Wenn wunderts. Seinen Ursprung hat das Spektakel des Herrentages übrigens in Berlin. So weiß der Berliner Ethnologe Wolfgang Kaschuba, dass im 19. Jahrhundert viele alleinstehende Männer in schlechten Unterkünften in Berlin lebten. Da auch samstags gearbeitet wurde, war jeder Feiertag mehr als kostbar.

Man ging unter Leute, um nicht in der schäbigen Wohnung zu vergammeln.

Da sich viele den Besuch einer Gaststätte nicht leisten konnten, traf man sich draußen in der Stadt zum geselligen Trinken aka exzessiven Saufen. Um 1900 ging es dann von der Stadt in die Natur. Schuld war die neueste Mode: das Wandern. Für die Arbeiter diente das Wandern aber eher dem – ihr könnt es euch denken – gepflegtem Kaltgetränk. Wie aus den schwadronierenden Saufkumpanen, Entschuldigung, den jungen unverheirateten Arbeitern, dann Herren wurden? Tja, die Zeit macht aus Hallodris Helden. 

Like a Boss: Vatertag lehrt den Sohn zu trinken

Es gibt aber noch eine andere Herleitung für die Entstehung des Herrentages: die Einführung der Söhne durch ihren Väter in die Sitten und Unsitten der Männlichkeit. Dazu gehörte eben auch der Alkoholkonsum. Ihr vermutet es schon, auch hier war Berlin, als Epizentrum dieser Bewegung, was sich damit erklären lässt, dass die vielen Brauer der stetig wachsenden Metropolen Absatzmärkte schaffen mussten, Spitze.

Deswegen kann man den Vatertag auch als eine Art PR-Kampagne für die Volksdroge Nummer 1, den Alkohol, betrachten.

Väter kauften Alk für ihre Söhne, und natürlich auch für sich selbst. Im Grunde ist der Vatertag also mit dem Valentinstag vergleichbar, an dem „unbedingt“ Blumen und Pralinen (mit oder ohne Schnaps) gekauft werden müssen. In Bezug auf den Begriffsursprung im Osten Deutschlands wird gemutmaßt, dass auch Nicht-Väter an dem ganzen alkoholischem Wanderspektakel teilnehmen und ihren Spaß haben wollten. So wurde dann aus dem Vatertag der Herrentag, ein passendes Pendant zum Frauentag zu DDR-Zeiten.

Father’s Day in Amerika: Nochmal ganz anders!

In den USA geht der „Father’s Day“ (der nicht auf Christi Himmelfahrt fällt) auf die Frau Sonora Louise Smart Dodd aus dem US-Bundesstaat Washington zurück. Die Geschichte dahinter ist, dass ihr Vater nach dem Tod der Ehefrau/ihrer Mutter die sechs Kinder allein großzog. Inspiriert vom Muttertag wollte sie auch ihren Vater ehren und so machte sie sich an die Überzeugungsarbeit – erst bei den örtlichen Behörden, die dann zum ersten Mal 1910 den dritten Sonntag im Juni zum offiziellen „Father’s Day“ erklärten. Sechs Jahre später feierte auch Präsident Woodrow Wilson den Vatertag im Weißen Haus, doch erst 1972 wurde der Vatertag dann von Präsident Nixon zu einem offiziellen Feiertag am dritten Sonntag im Juni in den ganzen USA erklärt. Vielleicht um von seiner Watergate Affäre abzulenken? 

2020 hat keinen Bock auf Herrentag! 

Diese Jahr ist aber alles anders. Corona macht diesem feucht-fröhlichen Tag einen Strich durch die Rechnung. Abstand einhalten, statt Hüch die Tassen. Vielleicht ist das die Möglichkeit den Vater- bzw. Herrentag mal auf eine neue Art und Weise zu feiern. Abseits des Abschusses. Die Familie wird es euch danken und der Kater am nächsten Tag ist ja nun auch kein Must Have.

In diesem Sinne: Cheers! und macht euch einen schönen Tag!

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ist in Tempelhof geboren und ging auf die gleiche Schule wie Bushido. Emotionen, Posthumanismus und spekulative Fiktion faszinieren sie. Und am schönsten ist es immer noch auf dem Rücken der Pferde.