Lieber eine nackte Wahrheit. Als ein Typ im Anzug, der lügt. | Workshop

in Gesellschaft/Stadtleben

Ein Trend aus den USA: Er fordert von uns radikale Ehrlichkeit. Bitte? Ausgerechnet das Land, in dem Donald Trump regiert, will uns Aufrichtigkeit beibringen. Ein Therapeut hat sich das ausgedacht. Ein Kurs nimmt sich in Berlin der Sache an.

Kein Schw… ist so hart, wie die Wahrheit

Bevor ihr eine Hass-Mail schreibt: Dieser Fall ist erfunden, er kommt aber sicher ständig vor. Die Freundin (es kann auch der Freund sein) möchte zum wiederholten Mal eine Meinung zu ihrer Figur hören. Natürlich will sie nicht die Wahrheit, zumindest nicht direkt und ungeschminkt. Eher so ein verbales Trostpflaster vom Freund, der genau weiß, was er antworten muss: “Du bist doch nicht dick!” Das ist nur ein Beispiel von vielen Alltags-Lügen. Mit dem Lügen soll jetzt Schluss sein. Zumindest, wenn es nach den Anhängern des Konzepts der “Radikalen Ehrlichkeit” geht. Diese Methode hat es von den USA zu uns geschafft, weshalb wir uns der Sache widmen. In Berlin könnt ihr das Radikal-Ehrlich-Sein sogar lernen, in einem Kurs nahe Ostkreuz. Auf einem Schiff auf dem Rummelsburger See mit dem schönen Namen “Freibeuter” – nicht gelogen.

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Geh’ mir nicht auf den Glückskeks! Ehrlich! Foto: © CC0 Public Domain

Auch wenn die Idee aus den Vereinigten Staaten kommt: Donald Trump wird sich das Konzept wohl nicht zu Herzen nehmen, er wirft anderen lieber “Fake News” vor. Das ist nicht nur gelogen, sondern soll auch von seinen falschen Behauptungen ablenken. Jetzt aber Butter bei die Fische, sprich: mal ehrlich. Worum es bei dem Kurs geht, der am Montag 24.9. startet und wöchentlich stattfindet, ist folgendes: Radikale Ehrlichkeit oder “Radical Honesty” ist eine Kommunikationskunst. Entwickelt hat sie der Psychologe Brad Blanton in den 90er-Jahren. Der Therapeut ist der Meinung, dass wir immer radikal ehrlich sein sollten – zu uns und anderen. Diese Ehrlichkeit würde uns neue Möglichkeiten eröffnen und mehr Nähe schaffen zwischen den Menschen. Oder Krieg und Chaos auslösen. Je nachdem, ob man Freund oder Gegner der Methode ist, kann man sich das eine oder andere aussuchen. Spannend ist das Konzept in jedem Fall.

»Du bist nicht dick… sondern fett.«

Wie drücke ich besser aus, was ich will und was ich fühle? Wie verstecke ich mich nicht hinter Lügen, Scham und Schuldgefühlen? Und vor allem: Was macht radikale Ehrlichkeit mit meiner Umwelt?  Brad Blanton startete eine Bewegung der Radical Honesty. Das Konzept erklärt er in seinem Buch “Radical Honesty: How To Transform Your Life By Telling The Truth”, das in Deutschland unter dem Titel “Radikal Ehrlich: Verwandle Dein Leben – Sag die Wahrheit” bekannt wurde. Mal “ehrlich”: Wer kann das schon? Dem anderen sagen, was er selbst gerade fühlt, wie es ihm geht und was er darüber denkt? Wo Menschen sich treffen, lösen sie gegenseitig Gefühle aus. Bei der Methode der RE geht es darum, die eigenen Gefühle zu spüren, sich seiner Bewertungen bewusst zu werden und – das ist am schwierigsten – das dem Gegenüber auch zu sagen. Dadurch soll Verbundenheit entstehen, mit sich selbst und dem anderen. In wöchentlichen Sitzungen wird in das Thema auf dem Schiff am Rummelsburger See eingeführt und dann vertieft. Es geht auch darum, zu erkennen, woher Gefühle kommen, welche Auslöser es gibt. Dadurch können Beziehungen zu anderen vertieft werden. “Bin ich zu dick?” Beim nächsten Mal einfach mal sagen: “Klar, was fragst du überhaupt!”.

»Radikal ehrlich, und nun?«
ab 24.9., 18:30 – 21:00
Schiff “Freibeuter”

Kynaststraße 17 10317 Berlin

Hier gibt’s den Tipp.

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