«Ich schäme mich für Berlin.» | Anti-Gewalt-Trainer im [030] Interview

in Gesellschaft/Soziales/Stadtleben

Der Tod eines 11-jährigen Mädchens bewegt Berlin. Nach vier Wochen ist die Todesursache noch immer nicht offiziell bekanntgegeben worden. Im [030] Interview äußert Anti-Gewalt-Trainer Carsten Stahl schwere Vorwürfe gegen Schule und Politik. Das ganze Interview seht ihr im Video.  

Skandal

An diesem Donnerstag ist Anti-Gewalt-Trainer Carsten Stahl im Berliner Abgeordnetenhaus. Zu einer Sondersitzung des Bildungsausschusses. Im Gespräch mit [030]-Redakteur Felix Frerichs erhebt Anti-Gewalt-Trainer Carsten Stahl schwere Vorwürfe. Es geht um den Tod eines 11-jährigen Mädchens vor vier Wochen. Er wirft Schule und Politik vor, wegzuschauen und zu verharmlosen. Die Schülerin soll sich das Leben genommen haben – weil sie in der Schule gemobbt wurde.

Wenn ein 11-jähriges Mädchen freiwillig aus dem Leben scheidet, dann ist das ein Skandal: dass es soweit kommen konnte.

Unabhängig ermitteln

Vier Wochen nach dem Tod steht die offizielle Todesursache noch nicht fest. Carsten Stahl findet das merkwürdig. Für ihn steht fest, dass das Mädchen Opfer von Mobbing war – und sich deshalb das Leben nahm. “Ein totes 11-jähriges Mädchen – und viele offene Fragen”, so hatte [030] Anfang Februar getitelt. Noch immer gibt es viele offene Fragen und die wichtigsten sind noch nicht beantwortet. Vor allem zwei Fragen stehen im Raum: Woran starb das Mädchen? Und: Wurde es Opfer von Mobbing?

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Trauer um das 11-jährige Mädchen aus Reinickendorf. Foto: © Wikimedia

Es ist erschütternd und unglaublich zugleich.

Es ist erschütternd und unglaublich zugleich: dass eine 11-jährige Grundschülerin sich offenbar das Leben nimmt. Mit Ratlosigkeit hört man diese Nachricht und fragt sich: Wie konnte es dazu kommen, was hat zu dieser Tat geführt? Laut Tagesspiegel hatten erst Anti-Mobbing-Trainer Carsten Stahl und der SPD-Abgeordnete Thorsten Karge den Tod des Mädchens bekannt gemacht. Im Interview mit [030] korrigiert Carsten Stahl allerdings: der Elternbeirat habe den Fall öffentlich gemacht.

Schon länger bekannt

Carsten Stahl und Thorsten Karge hatten von massiven Mobbingangriffen auf das Kind berichtet. Mobbing an der Reinickendorfer Grundschule ist schon länger als Problem bekannt. Für viele Eltern stellt sich jetzt die Frage, ob die Schule nicht konsequent gehandelt hat. Das 11-jährige Mädchen soll sich vermutlich nach der Schule in seinem Zimmer so schwer verletzt haben, dass es im Krankenhaus an den Folgen der Verletzungen starb.

Das muss aufgeklärt werden. So ein Tod sollte wachrütteln.

Wenn ein 11-jähriges Mädchen durch eigene Hand aus dem Leben scheidet, dann ist es ein Skandal: dass es soweit kommen konnte. Das muss aufgeklärt werden. So ein Tod sollte wachrütteln. Es muss konsequent untersucht werden, wie stark das System Mobbing an der Schule verbreitet ist und ob es mit die Ursache für diesen Tod war. Diese Schule wird leider nicht die einzige in Berlin und auch nicht in Deutschland sein, an der es systematisches Mobbing gibt.

Auf den Grund gehen

Deswegen muss eine unabhängige Stelle der Sache auf den Grund gehen. Es gilt herauszufinden, wie es zu diesem Tod kommen konnte. Es geht hier nicht um voreilige Schlüsse, sondern darum, dass der Tod des Mädchens nicht umsonst war.

HINWEIS:
Hast Du dunkle Gedanken, fühlst Du dich oft traurig oder denkst an Suizid?

Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar.
Die Telefonnummern sind 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222.

Wie ist eure Meinung – habt ihr auch schon Mobbing erlebt?
Hier geht es zu [030] Forum.

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