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Gore-Tex, Interview, Bikepacking

Hightech im Freizeitbereich:
Was kann Funktionskleidung? | Interview mit Hannu Haslach (GORE-TEX)

Mit dem Strickpulli auf große Fahrradtour? Natürlich nicht. Wir leben ja nicht in den 1950ern. Heutzutage muss es im Freizeitbereich schon Hightech sein. Nicht nur Profis, auch im Hobby und Amateurbereich geht es ohne die passenden Kleidung nicht. Aber wofür soll man sich entscheiden. Was kann entsprechende Funktionskleidung, welche Vorteile haben Naturprodukte wie Merino und wie pflegt man eigentlich sogenannte Textillaminaten?

Hierfür sprachen wir mit Hannu Haslach von der Marke GORE-TEX, seit den 1970er Jahre führend im Bereich der Funktionskleidung, über die Stärken hochentwickelter Kleidung.

Hallo Hannu, fangen wir von vorne an: Was genau ist eigentlich GORE-TEX? Eine spezielle Textilie oder eine Marke?

Zunächst bezeichnet GORE-TEX eine Marke, kein spezifisches Material. Allerdings hat die Marke vor über 45 Jahren den gesamten Outdoor-Markt mit GORE-TEX Textillaminaten revolutioniert, die gleichzeitig wasserdicht und atmungsaktiv (d. h. dampfdurchlässig) sind. Das gab es bis dahin nicht!

Kannst Du uns das Prinzip hinter GORE-TEX erklären?

Gerne. Möglich wird dies durch eine Membrane aus gerecktem PTFE, die mit einem Textil (Nylon oder Polyester) fest verbunden wird. Der Schichtaufbau aus Textillage und Membranlage nennt sich Laminat. Es gibt im Prinzip 2- oder 3-Lagen Laminate. Die Textillage sorgt vor allem für Stabilität und schützt die Membrane. Diese ist hauchdünn und mikroporös, das heißt, sie besitzt winzige Poren, die 20.000-mal kleiner als ein Wassertropfen sind, aber 700-mal größer als ein Wasserdampfmolekül. Ein Quadratzentimeter der Membrane hat etwa 1,4 Milliarden Poren! Der Nutzen für die Anwender: Man bleibt von außen trocken und Schweiß kann durch das Material hindurch abdampfen. Zudem bleibt der Körper wohl temperiert. Dadurch fühlt man sich wohl und der Körper bleibt länger leistungsfähig.

Gore-Tex, Funktionskleidung, Bikepacking

Hannu Haslach – Foto: Promo

Wo liegen die Vorteile gegenüber anderen Outdoor-Materialien? Beispielsweise im Vergleich zu Naturprodukten, wie Merinowolle?

Die Vorteile liegen in der bestmöglichen Kombination der Eigenschaften Wasserdichtigkeit, Winddichtigkeit und Atmungsaktivität. Um die Leistungsfähigkeit einer wasserdichten GORE-TEX Jacke als oberste Bekleidungsschicht optimal zu nutzen, sollte man auch als erste und zweite Lage funktionelle Materialien verwenden. Seinen vollen Nutzen spielt erst das komplette Bekleidungssystem aus. Zugegeben:

Merinowäsche ist ungeschlagen, wenn es um Tragekomfort, Geruchshemmung und Kuscheligkeit geht. Merino puffert Feuchtigkeit sehr gut und wärmt auch in feuchtem Zustand.

Es ist in vielen Fällen optimal, wohingegen Baumwolle unter einer W-W-A Jacke wenig Sinn macht, da es sich nur vollsaugt, nass bleibt und das Tragegefühl kalt und klamm wird.

Welche Bereiche kann ich als Otto-Normal-Abenteurer mit dem Material abdecken, bzw. wo unterstützt mich Gore-Tex?

Alle. Immer. Außer, es ist trocken, windstill, angenehm warm: Dann wird man den Mehrwert funktioneller GORE-TEX Bekleidung kaum nutzen können. Denn unsere Technologien werden dafür entwickelt, um in potentiell unangenehmen Situationen gut geschützt länger und komfortabler draußen seiner Leidenschaft oder seiner Arbeit nachgehen zu können.

Welche Extreme hält das Material aus?

Alle, die in der Praxis vorkommen. Bei jeder Diskussion über Bekleidung sollte man Produkteigenschaften auf die angestrebte Nutzung abstimmen. Oder anders herum, sich immer die Frage stellen: Wie mache ich mir die Produkteigenschaften optimal zunutze? Das neue GORE-TEX PRO Dreilagenlaminat, das jetzt neu in den Handel kam, wurde beispielsweise explizit für die härtesten Bedingungen entwickelt, wie sie beim Bergsteigen, auf Expeditionen oder beim mehrwöchigen Trekking zu erwarten sind. Nässeschutz ist hier eine der wichtigsten Eigenschaften. Mollie Hughes hat die herausragende Atmungsaktivität und absolute Winddichtigkeit des GORE-TEX PRO Materials für ihre Antarktisexpedition zunutze gemacht. Auf Wasserdichtigkeit kommt es in der Antarktis wahrlich nicht an, aber das Material schützt eben auch vor Stürmen bei -50°C und bleibt auch bei extremer Anstrengung atmungsaktiv. Dies ermöglichte Mollie, 2020 als jüngste Frau mit Skiern in 58 Tagen alleine von der Küste zum Südpol zu laufen. Weltrekord.

Kann Gore-Tex seine Leistungsfähigkeit verlieren?

Solange das Laminat samt Membrane keine Löcher hat, ist sie dauerhaft wasserdicht, winddicht und atmungsaktiv. Allerdings ist die Performance auch von weiteren Faktoren abhängig: Verschmutzungsgrad und Imprägnierung. Um die volle Leistungsfähigkeit dauerhaft zu erhalten und das Bekleidungsteil möglichst lange am Leben zu halten, ist gute Pflege ratsam. Das heißt: regelmäßig waschen, die Imprägnierung auffrischen oder ggf. nachimprägnieren. Das geht ganz einfach: Schonwaschgang, 30 oder 40°C, am besten mit Flüssigwaschmittel, ein- bis zweimal klar nachspülen, nicht oder wenig schleudern, anschließend im Trockner trocknen, um die vorhandene Imprägnierung durch die Wärme wieder zu reaktivieren. That’s it. Generell gilt natürlich: Pflegehinweise des Herstellers beachten.

Wie nachhaltig ist Gore-Tex? 

Bei Gore steht bei allen seinen Entwicklungen ein nachhaltiges Handeln ganz vorne: Die Produkte sollen möglichst lange das leisten, was von ihnen erwartet wird. Eine lange Produktlebensdauer ist ein Schlüsselfaktor, um nachhaltige Produkte herzustellen. Gore forscht an allen Enden, um als Technologieführer immer die neuesten und bestmöglichen Prozesse und Materialien einsetzen zu können. Jedes Jahr veröffentlich Gore einen Nachhaltigkeitsbericht, der über alle Fortschritte und Ziele informiert. Auch alle anderen Informationen rund um das Thema ökologische und soziale Verantwortung publiziert Gore mitsamt den zugrundeliegenden wissenschaftlichen Studien transparent und nachprüfbar auf der Website.

Gore-Tex, Bikepacking, Kleidung

Alle meine Kleider. Bike Ausstattung von Gore-Tex. – Foto: Promo


Ein paar Fakten zum
Thema Nachhaltigkeit:
  • Ein zentrales Instrument bei Gore ist das Life Cycle Assessment (LCA; DIN EN ISO 14040), um herauszufinden, wie der ökologische Fußabdruck am effektivsten reduziert werden kann.
  • Alle Gore Produktionsstätten weltweit sind nach ISO 14001 zertifiziert.
  • Seit dem Jahr 2010 sind alle Gore Fabrics Produktionsstätten nach den bluesign® Standard zertifiziert.
  • Alle Endverbraucherbekleidung ist OEKO-Tex® Standard 100 zertifiziert. Bereits seit 1996 arbeitet Gore mit diesem Standard.
  • Gore arbeitet noch mit weiteren Organisationen zusammen, um das eigene Handeln zu überprüfen, zu verbessern, zu standardisieren und transparent zu kommunizieren (Higg Index, McArthur Foundation, Sustainable Apparel Coalition u.a.).
  • 2020 stellte Gore das Sustaiability Framework vor, um gemäß dem Pariser Klimaabkommen bis 2050 klimaneutral zu werden.
  • Die Marke GRE-TEX stellt Laminate (>150) aus recycelten Materialien her und setzt alternative Färbemethoden ein (Spinndüsenfärbung etwa spart 90% Wasser)
  • Kontinuierliche Forschung und Entwicklung, um umweltfreundlichere Produkte und Imprägnierungen mit gleicher Leistungsfähigkeit zu finden. Ein Großteil der Endverbraucherbekleidung besitzt beispielsweise eine PFCEC freie Imprägnierung.

All dies kommuniziert die Marke GORE-TEX auf ihrer Nachhaltigkeitsplattform bzw. (hier finden sich auch die Nachhaltigkeitsberichte).

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