Na, heute schon getindert? Nein? Euer Nachbar vielleicht schon. Dessen Profilbild könntet Ihr ab dem 25. Februar als Gemälde im Kunstraum "Ex Berlin." sehen.


Swipen, swipen, swipen. Immer schön der Nächste, bitte. Noch nie gab es mehr Chancen, ein Bettblümchen zu finden. Über die Datingapps unsere große Liebe treffen? Von dieser Idee haben wir uns doch schon längst verabschiedet. Behaupten wir zumindest. Oder ist es nicht viel mehr so, dass wir einfach nicht zugeben wollen, dass wir zwischen den ganzen Duckfaceposern doch auf die eine Person warten? Unser Redakteur und offizieller Dating-App-Tester Mathis hat dazu ja seine eigene Theorie. Aber pscht.

Ich knipse, also bin ich?

Sicher ist hingegen, dass sich noch nie so viel visuell präsentiert wurde. Mit dem Selfie-Upload auf Tinder erhoffen wir uns, uns bestmöglich zur Schau zu stellen (mal mehr, mal weniger erfolgreich), um das Match 132 zu erhalten – und damit  für eine Sekunde die Superdroge Ego-Push. Völlig bescheuert, aber das wissen wir ja selber. Wenn man es so sehen will, explodiert die Porträt-Kultur gerade. Welche Motivationen, Sehnsüchte und Träume wirklich hinter den ganzen Tinder-Bildern stecken, versucht eine Ausstellung im Prenzlauer Berg zu thematisieren.

Gabby, 30 © Jiyeon Kim

Gabby, 30 © Jiyeon Kim

Vom Online-Profil auf die Akrylwand.

DIe große Frage dabei: Darf man sich fremde Gesichter zu eigen machen – das Selbstproträt als malerisches Porträt ausstellen? Jiyeon Kim, der zuletzt seine Ausstellung „Art…Essenz 2016" in der Hauptstadt zeigte, wagt es einfach. 50 verschiedene Akrylzeichnungen à 50x50cm präsentiert er, für die er Individuen auf Tinder verfremdet, unbenannt und – je nachdem – ein wenig älter oder jünger gemacht hat. Aber wer weiß: Vielleicht erblickt man ja doch das eine oder andere bekannte Gesicht. Oder gar sich selbst!?

City of singles — Portraits of Tinder
SA 25.2. – MI 1.3. im Ex Berlin

Titelfoto: © Jiyeon Kim