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8. mai

Vor 75 Jahren, am 8. Mai 1945, zwangen die Alliierten und ihre Soldat*innen die faschistische Wehrmacht zur Kapitulation. Vor 75 Jahren wurden die Überlenden aus den Konzentrationslagern befreit. Juden und Jüdinnen, Roma und Sinti, Schwule und Lesben, behinderte Menschen, „Lumpenproletarier“, linkspolitische Menschen aus den verschiedensten Organisationen. Verschleppte Zwangsarbeiter*innen aus den überfallenen Ländern, im Untergrund-Lebende und viele mehr wurden am 8. Mai 1945 durch die langerwarterte Befreiung gerettet. Wir feiern die Kapitulation des Hitlerregimes, die Mühseligkeit der Soldat*innen und Partisan*innen und danken den Befreier*innen an diesem Jubiläum! 

 

Die Sache mit dem Feiertag…

Einmalig ist der 8. Mai dieses Jahr ein gesetzlicher Feiertag in Berlin: Doch noch heute gilt dieser als ein viel diskutiertes Thema. Der 8. Mai 1945 war für viele Deutsche, die – im Vergleich zu den Widerstandsgruppierungen in anderen Ländern der EU – dem Nazi-Regime recht loyal waren, eine Niederlage. So äußerte sich auch erst neulich Gauland, Fraktionschef der AfD, zum Thema wie folgend: Für die KZ-Insassen sei es ein Tag der Befreiung gewesen, aber es sei auch „ein Tag der absoluten Niederlage, ein Tag des Verlustes von großen Teilen Deutschlands und des Verlustes von Gestaltungsmöglichkeit“. Wenn Gauland eins gut kann, dann ist es offen faschistische Gedanken aussprechen. Wer den Fall vom faschistischen NS-Regime als „Verlust von Gestaltungsmöglichkeiten“ bezeichnet, weiß genau was er macht. Aber so trifft er wenigstens den Zeitgeist von vielen der Deutschen an jenem Tag in 1945 ganz gut.

Innerhalb Deutschlands und Österreichs herrschte kein Wunsch nach Demokratie oder ‚Befreiung‘; sie wurde ihnen von Außen auferlegt. Der Gedanke daran, in dieses militärische Verhängnis geraten zu sein, ist ein großer Teil der neonazistischen, geschichtsrevisionistischen Denke. Und jedes Jahr das Gleiche: Ehrengräber werden mit Hakenkreuzen geschändet (siehe Spremberg letztes Jahr), sowjetische Ehrendenkmäler mit Farbe beschmiert (letztens die „Mutter Heimat ruft!“-Statue im Treptower) und das nicht nur in Berlin, sondern auch in – wen wundert’s – in Brandenburg an der Havel oder Eisenhüttenstadt. Sich an Erinnerungsstätten der gefallenen sowjetischen Soldat*innen auszulassen ist zur neonazistischen Tradition geworden: Insbesondere am Tag des Sieges über das NS-Regime und der Befreiung der Betroffenen. So viel zum Thema Denazifizierung.

„Ich habe viel Glück in meinem Leben gehabt, ein ganz großes Glück, ein unheimliches Glück“ -Esther Bejarno

Esther Bejarano, Bild: © Axel Heimken

Am 9. Mai 1945 wurde das letzte Konzentrationslager, in Stutthof, befreit. 6 Millionen Juden und Jüdinnen sind im Holocaust umgebracht worden. Esther Bejarno, eine saarländische Jüdin, war 21 am Tag der Befreiung – und Überlebende der Auschwitz- und Ravensbrück-Vernichtungslager. Eltern, Schwester, deren Ehemann und viele weitere Verwandte und Freund*innen wurden ihr durch die Verbrechen im NS-Regime genommen. Sie wanderte im September 1945 nach Israel aus, um 15 Jahre später in die Bundesrepublik zurückzukehren. Seither engagiert sich die nun 95-Jährige gegen Faschismus und Neonazis. Im Januar dieses Jahres appelierte sie mit einem offenen Brief an „die Regierenden und alle Menschen, die aus der Geschichte lernen wollen“ und sprach davon, dass es für Überlebende unertärglich sei, dass Antisemitismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit eine Rückkehr machen.

Ein Zeichen des konsequenten Antifaschismus!

„Achter Mai – arbeitsfrei! Zeit für Antifaschismus!“ heißt es in der Unterschriften-Petition von Esther Bejarno, die fordert, dass der 8. Mai ein gesetzlicher Feiertag werden soll – nicht nur für ein Jahr, sondern langfristig gesehen. Außerdem sei dies „überfällig seit sieben Jahrzehnten“. Die Holocaust-Überlebende spricht sich gegen rechte Hetze und Waffenlieferungen aus, fordert das Aufdecken und -lösen von rechten Netzwerken innerhalb der Polizei und Bundeswehr und fordert die Aufnahme von geflüchteten Personen in Deutschland. Zudem soll die Diffarmierung von antifaschistischen und demokratischen Aktivist*innen durch Geheimdienste und Finanzämter beendet werden. 

„Sonntagsreden, die Betroffenheit zeigen, reichen nicht. Es muss gestritten werden für die neue Welt des Friedens und der Freiheit, die die befreiten Häftlinge im Schwur von Buchenwald als Auftrag hinterlassen haben.“ -Esther Bejarno

Aufgrund der aktuellen Pandemie, liegt es nahe, dass viele historisch-wichtige Veranstaltungen abmoderiert werden. Die Demonstrationen zum Arbeiter*innenkampftag am 1. Mai dieses Jahr. Der zentrale Staatsakt, der am 8. Mai am Platz der Republik stattfinden und der Befreiung vom Faschismus, sowie dem Kriegsende in Europa gedenken sollte. Das bedeutet jedoch noch lange nicht, dass der Tag der Befreiung nicht gefeiert und den Opfern NS-Deutschlands nicht gedacht werden sollte – jetzt sollte man es mehr, denn je. Der 8. Mai wird, ob gesetzlicher Feiertag oder nicht, für immer der Tag der bedingungslosen Kapitulation des faschistische NS-Regimes bleiben.

Die Verhältnisse, die Massenvernichtung und Faschismus hervorbrachten, sind nicht für immer besiegt und, wie die letzten 75 Jahre über, bedanken wir uns bei den tapferen Soldat*innen, Widerstandskämpfer*innen und denen, die sich im Anbetracht der Vernichtung wehrten als Held*innen.

Thank you, Merci & Cпасибо!

 

 

ehemalige Philosophie-Studentin, Musikliebhaberin sowie Namensvetterin der Ehefrau Lenins.