Wenn Dating auf digitaler Ebene abläuft, kann es ganz schön gruselig werden.

“Deine Augenfarbe passt perfekt zu meiner Dusche!”- Glanzmomente des Berliner Datingmarktes

in Stadtleben

Ach, Berlin. Hoffe dir ist bewusst, dass du mit deinen unendlichen Reizen den Titel für die Stadt mit dem größten Junggesell*innen-Anteil Deutschlands trägst. In dir wimmeln die Kreativen, die Verlorenen, die Eisamen, die auf Ewig Junggebliebenen. Egal, ob hetero, homo, poly, oder offen, du bist doch die Stadt in der kein Beziehungsmodel verurteilt wird und in der jede sexuelle Praktik ihren gar nicht mal so kleinen Kreis der Liebhaber*innen am Fliesentisch versammelt, oder im Keller, oder im KitKat. Da müsste man doch denken, dass selbst der seltsamste Single-Arsch einen passenden Single-Eimer findet, doch Pustekuchen!

Hier steh ich: zugezogen und ledig. Vielleicht liegt es gerade an den vielen Möglichkeiten sich auszuleben, an dem in Stein gemeiselten “Beziehungsstatus: es ist kompliziert”, den die Mehrheit bei facebook angeben würde, wenn es noch cool wäre. Kann auch gut sein, dass an dem Mythos der Generation “beziehungsunfähig”, in die ich laut Überlieferung alterstechnisch reinrutsche, mehr dran ist als gedacht. Denn nicht nur ich bin ungebunden, sondern locker achtzig Prozent meines Umkreises.

Zwischen Trauerspiel und Komödie

Es ist leider nicht wie in den kitschigen Hollywood-Romanzen. Die Liebe meines Lebens rennt nicht mit einem enkoffeinierten Matcha Soja-Latte in mich hinein und führt mich als Entschuldigung für den gesund-grünen Fleck auf meiner Bluse zu einem Abendessen aus. Wie ein guter Vorzeige- Millenial entschied ich mich daher die Digitalisierung zu meinem Amor zu erkühren, meldete mich bei mehreren Dating-Apps an und schaute mir all die Fische im Meer an, von denen Mamas so erzählen. Und hier kommen wir zum eigentlichen Thema: Liebes Berlin, das sind keine schillernden Fische! Das sind Guppys, die im Kaulquappen-Garten gehänselt wurden. Sie schwimmen rückwärts, oder knabbern sabbernd an ihren Artgenossen. Doch etwas Gutes bringt diese Einsicht mit sich: all die seltsamen Nachrichten, die ich in diesem Dating-Game erhalte, liefern den perfekten Nährboden für den ein oder anderen Lacher. Feierlich präsentiere ich nun die Vollpfosten des Monats:

 1.Die, die es gar nicht erst versuchen:

Diese Kategorie der Dating-Vollpfosten ist recht harmlos. Darunter fallen all jene, die glauben sie könnten sich jemanden mit der einfallslosesten Nachricht überhaupt angeln. Mit einem “Hi”. Optional gibt es noch die Upgrates “Hey” und “Hallo”, welche jedoch nicht überzeugender sind. Gerne wird auch mal der Name falsch geschrieben, was ziemlich verwunderlich ist, da dieser direkt über dem Chat steht. Ansich gar nicht dramatisch, aber ein bisschen umworben möchte man schon werden. An dieser Stelle verdient allerdings eine erste Nachricht die Aufmerksamkeit aller Leser*innen:

Wir dürfen ganz stolz sein. Ethon, 33, beherrscht selbstständig alle Buchstaben des Alphabets. Inklusive Umlaute ! Foto: ©

2. Die Notgeilen

Dass viele solche Dating-Apps verwenden, um sich jemanden für eine Nacht zu suchen, ist allgegenwärtig bekannt. Letzendlich ist es egal, worauf es bei dem Treffen hinauslaufen soll, denn der Grundsatz “man möchte ja schon ein bisschen umworben werden”, gilt auch hier. Leider wandert bei vielen das Blut in Areale, die nicht für die Enstehung kreativer Texte zuständig sind. Das Ergebnis? Sprüche, die kaum plumper sein könnten. Den Satz: “Deine Augenfarbe passt perfekt zu meiner Dusche!”, habe ich tatsächlich mal erhalten. Auf ähnlichem Level bewegen sich diese Beispiele:

Direkt zehn Schritte übersprungen. Da hat es jemand eilig Speichel auszutauschen.
Foto:
Sex machen? Gierig kommt der Neandertaler, die Keule schwingend, aus seiner Höhle gekrochen.
Foto:

3.Die Weirdos

Die Weirdos finden sich massenweise auf Datingplattformen. Unter dieser Bezeichnung bündele ich alle, die seltsames Zeug von sich geben, das sich nicht genauer kategorisieren lässt. Auf der harmlosesten Ebene erhalten ich Nachrichten, bei denen man dem Absender einen Stock operativ aus seinem Allwertesten entfernen muss, weill er sich bereits den Körper aufwärts bewegt. Kurz darauf flattert jedoch eine Anmache in meinen Posteingang, der die geistigen Ergüsse dieser Wortfetischisten vom Thron stößt:

Oh holder Erik, dein Antlitz wird der Öffentlichkeit verborgen bleiben, doch unsere werten Leser*innen sollen sich an deiner lieblichen Nachricht ergötzen können!
Magst du Buntstifte? Selbstverständlich lässt sich mein Herz am schnellsten mit einem 100- teiligen Faber Castell Set erobern, du mysteriöser Unbekannter.
Foto:

4. Die Sexisten

Traurig aber wahr, sehr sehr sehr viele Sexisten sind auf Tinder und Co. unterwegs. Sie sind im Endeffekt eine verschärfte Version der Notgeilen, suchen jemanden für eine Nacht, fühlen sich allerdings zusätzlich in ihrer männlichen Rolle schon an Hybris grenzend mächtig und verstecken das auch nicht. Sie strotzen vor Narzissmus, glauben sie haben die Weisheit mit Löffeln gefressen und degradieren das weibliche Geschlecht: 

“Ich bin Schwerkraft” – Was möchte uns dieser Mann damit sagen? Leidet er unter Wahnvorstellungen, oder ist das reiner Sexismus? Trotz 91 Prozent “Übereinstimmung” , kribbelt es in den Fingern den “Benutzer melden”-Button zu drücken.
Hier möchte man einfach nur zuschlagen. Vielleicht sollen diese ganzen ätzenden Aussagen nur “Spaß” sein. Wie auch immer das Ganze gemeint ist, es stellt sich die große Frage, ob dieser junge Mann jemals mit dieser  Profilbeschreibung erfolgreich war.

 

5. Die Creeps 

Nachdem ihr eine Nachricht von solchen Typen erhaltet, möchtet ihr das Dating für immer an den Nagel hängen. Die Creeps waren höchst wahrscheinlich früher nur weird, aber sind im Laufe der Zeit immer verzweifelter geworden. Sie glauben euch durch “romantische” und “einfallsreiche” Texte um den Finger wickeln zu können, stattdessen wollt ihr als Schutzreaktion eher ein zweites Schloss an eurer Tür anbringen lassen. Klingt übertrieben? Seht selbst:

Diese Situation hätte ich gerne live mit angesehen. Auf einer Blumenwiese versammeln sich ein Mann, ein kleiner Junge, ein NEUES Hundebaby und eine handvoll Obdachloser, um einen Tag voller gegenseitiger Hilfe und Spiele zu verbringen. Bei dieser Vorstellung wird doch jede Frau ganz wuschig.
Da fehlen mir die Worte. Der Antrag auf Einstweilige Verfügung ist zumindest raus.

 

trägt am liebsten Schwarz und ist damit eine absolute Rarität in Berlin. Sie mag keinen Techno, erfreut stattdessen ihre Freunde mit russischer 90’s Musik und hat ein glückliches Händchen bei der Wahl der nächsten Bar.

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.