Rolf Lange, Weltenreise, Buch
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Buchkritik: ‘Weltenreise’ von Rolf Lange

in Mobilität/Reisen/Stadtleben

Rolf Lange hatte irgendwann die Schnauze voll von seinem auf Perfomance und Zeitdruck ausgelegten Alltag als Geschäftsführer einer Münchner Werbeagentur. Termine. Termine. Termine. Outlook bestimmte den Takt seines Tagesablaufs und bestimmte damit den Großteil seines Lebens. Ein Entrinnen war nicht in Sicht. Oder doch?

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Rolf Lange ‘Weltenreise’ erschienen bei National Geographic

Richtig der Traveler war Rolf Lange nicht. Erst spät fing er mit kurzen mehrwöchige Touren an. Wie es der Urlaubskalender eben gerade so hergab. Zusammen mit seinem Freund Jochen aka Joe unternahm Touren durch die USA. Schöne kleine Abenteuer, aber eben auch endlich. Jeder kennt das aus seinem Urlaub. Am Anfang denkt man, die Welt läge offen vor einem, doch nach ein paar Tagen beginnt bereits der Rückflugtermin immer stärker in den Fokus zu drängen. Jeden Abend, beim Buffet, fällt dann der Satz: ‘Schade, dass es bald vorbei ist.’ Warum eigentlich? Warum muss es so schnell zu Ende gehen? Muss es nicht. Und so kam es, das die beiden Freunde beschlossen fortan neue und vor allem ferne Wege zu beschreiten. Dies war der Anfang einer 16 Monate dauernde Reise, die sie 65.000 Kilometer um die Welt führte. Seine Erlebnisse auf dieser Tour hat Rolf Lange auf insgesamt neun Kapitel heruntergebrochen, in denen er nicht chronologisch zwingend vorgeht, sondern vielmehr die für ihn prägendsten Erlebnisse zu kurzweiligen Geschichten verdichtet.

Werbekampagne oder Motorradtour?

Ich brauchte nur etwas über einen Tag um den knapp 200 Seiten Reisebericht von vorne bis hinten durchzulesen. Ein gutes Zeichen? Mitnichten. Vergleicht man Rolf Lange’s ‘Weltenreise’ beispielsweise mit der Reisebibel von Ted Simon ‘Jupiters Reise’ bekommt man recht schnell das Gefühl, dass hier jemand unterwegs war, der nichts dem Zufall überlassen wollte. Der ganze Trip scheint wie eine Werbekampagne organisiert worden zu sein. BMW, weil die mal Werbekunde waren, Social Media Seiten, Homepage und was es heutzutage noch so braucht, um seine Freiheit maximal zu bebildern. Diese Punkte lesen sich jetzt nicht unbedingt in jeder Zeile, aber der Mann kann scheinbar nicht aus seiner Haut, und will am Ende immer das für ihn perfekte Bild abgegeben. Dazu paßt die Anmerkung eines Besuchers zu seinem Vortag:

Das Publikum, wie auch ich, begrüßten die authentische, begeisternde und durchdachte Rhetorik.

– Michael Martin
Vortragsreferent und 1. Vorsitzender der Gesellschaft für Bild und Vortrag e.V.

Na Holla, ……«begeisternde und durchdachte Rhetorik». Willkommen zurück in der Businesswelt Herr Lange. Mal abgesehen von den Nebenwirkungen eines Medikaments gegen Malaria, dem Hin und Her mit seiner On/Off Beziehung, findet man wenig Abgründe oder Geschichten des Scheiterns. Ich bin mir sicher, diese hätte dem Buch gut getan. Für mich sind das immer Punkte, bei denen ich als Leser andocken kann. Hier will mir das nicht wirklich gelingen. Weitergelesen habe ich trotzdem. Aber eben eher, weil es nicht weh tut und man gerade nichts besseres zur Hand hat. Zumal habe ich dieses Buch ja auch gekauft. Das muss sich lohnen.

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Schöne Bilder gibt es zuhauf. Leider wirkt es eher wie ein Werbekatalog für ferne Ländern, statt Motorradtourbericht.

Keine Ecken und Kanten

Für mich ist das Buch, welches im National Geographic Buchverlag erschienen ist, über einige sehr schöne Bilder verfügt, die in jedem Stock-Archiv Verwendung finden werden, etwas zu aalglatt. Keine Ecken und Kanten. Zumal der Autor immer wieder dazu neigt, die Welt zu erklären, statt das man das Gefühl hat, er erlebt sie auch wirklich. Ted Simon habe ich das Interesse an den Menschen abgenommen. Der steckte mittendrin. Bei Lange wirkt eher dieses große ‘Einmal um die Welt’ – Ziel als einziger Maßstab. Die Details einer solchen Reise eher weniger. Das wirkt zuweilen wie ein solider Vortrag – den er ja nach seiner Reise zu dem Thema auch hält – der ohne große Überraschungen auskommt. Nimmt man mit, aber hätte man gefühlt auch durch googeln hinbekommen.

Schlussendlich ist es wie mit einer neuen BMW 1200GS, die Lange für seinen Trip auch verwendet hat. Macht keine Zicken, sondern gleitet zuverlässig und unspektakulär dahin.

Am Ende steht er dann da, der Abenteurer (& Vortragsredner). Fertig ist die neue Corporate Identity. Nun will ich dem Mann aber nicht Unrecht tun. Jeder, der eine solche Reise auf sich nimmt und egal mit was für einem Gefährt, hat meinen vollsten Respekt verdient und mir bekanntlich einiges voraus. Deshalb wäre, Seitens des Autors, ein müdes Lächeln gegenüber meiner Kritik auch völlig berechtigt, denn er hat diese Reise gemacht und ich nicht. Aber es ist eben wie mit Motorrädern: Es sind oft die Details an denen wir festmachen, ob der Funke überspringt, uns eine Maschine gefällt und wir ihr verfallen. In diesem Fall hat es nicht geschadet das Buch zu lesen, aber gekickt, den Drang sofort loszufahren und selber die Welt zu erkunden, hat es mich nicht. Mal sehen, wie das mit meiner eigenen Tour wird. Und dem Vlog. Und dem Buch. Und der TV-Serie. Und den Vorträgen. Bis dahin, gute Fahrt!

Hier noch ein Interview mit Rolf Lange:

WELTENREISE
Mit dem Motorrad ins Abenteuer und zurück.

Hardcover, 192 Seiten, über 100 Fotos
24,99 Euro
National Geographic Buchverlag

Foto: © Tim Schäfer

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