[030] Filmkritik: Stolz und Vorurteil & Zombies

in Filmkritik/Kino

„Anything goes!“ Der Leitspruch der Postmoderne trifft auch auf den Roman „Stolz und Vorurteil & Zombies“ zu, der 2009 die Bestsellerliste der New York Times eroberte. Seth Grahame-Smith präsentierte seiner Leserschaft ein Buch, das die Geschichte aus Jane Austens Literaturklassiker „Stolz und Vorurteil“ um ironische Horrorelemente anreichert.

Oscar-Preisträgerin Natalie Portman konnte sich für den kuriosen Stoff begeistern und wollte ursprünglich sogar die Hauptrolle übernehmen, brachte die von Burr Steers („17 Again“, „Wie durch ein Wunder“) verantwortete Leinwandadaption schlussendlich aber „nur“ als Produzentin mit auf den Weg.

Stolz und Vorurteil und Zombies. Sam Riley
Fünf Damen für ein Halleluja.

England zu Beginn des 19. Jahrhunderts: Während im Königreich eine Zombie-Epidemie wütet, setzt die zum verarmten Landadel gehörende Mrs. Bennet (Sally Phillips) alles daran, ihre Töchter mit potenziellen Ehemännern aus der vornehmen Gesellschaft bekannt zu machen. Elizabeth (Lily James), die Zweiälteste im Bunde, sperrt sich jedoch gegen eine wirtschaftlich motivierte Vermählung und ist stattdessen wild entschlossen, auf eigenen Füßen zu stehen. Erst recht, als sie bei einem Ball auf den Aristokraten Mr. Darcy (Sam Riley) trifft, dessen unterkühlt-hochnäsiges Verhalten ihr übel aufstößt. Noch dazu bringt er seinen Freund Mr. Bingley (Douglas Booth) dazu, Elizabeths Schwester Jane (Bella Heathcote) zu verlassen. Unterdessen nimmt die Bedrohung durch die marodierenden Untoten weiter zu. Inhaltlich wurden Grahame-Smiths Roman und seine Verfilmung nicht bloß von Austens weltbekanntem Werk inspiriert. Vielmehr orientieren sich die Mashups konsequent an ihrer Vorlage und schmücken diese um Zombie-Elemente und parodistische Einlagen aus. In einer schön gestalteten Prologsequenz lernen wir die Hintergründe der Seuche kennen und können uns nur wenig später davon überzeugen, dass auch in adeligen Kreisen unkonventionelle Maßnahmen getroffen werden, um mögliche Angriffe abzuwehren. Elizabeth und ihre Schwestern sind bewandert in der Kampfkunst der Shaolin und zögern nicht davor zurück, bei Gefahr die Schwerter zu gebrauchen, die sie unter ihren hübschen Kleidern tragen. Ein bizarrer, aber amüsanter Einfall, wo doch im Horrorfilm weibliche Figuren häufig auf die Rolle passiver Opfer reduziert werden.

Hier gehts zum Interview mit Sam Riley!

Sam Riley, Stolz und Vorurteil und Zombies
Sam Riley spielt den miesepetrigen Mister Darcy.

Trotz einiger gelungener Action-Choreografien und kleinerer Splatter-Anflüge dürften hartgesottene Genrefreunde bei „Stolz und Vorurteil & Zombies“ wohl nicht auf ihre Kosten kommen, da die Inszenierung eher zurückhaltend ausfällt. Dass die eigenwillige Mischung aus Romanze, Horror-Komödie und Gesellschaftsstudie etwas willkürlich zusammengebastelt ist, zeigt sich vor allem in der zweiten Hälfte, die dramaturgisch ein ums andere Mal ins Holpern kommt. Dank beherzt auftretender Darsteller kann man dem Geschehen allerdings einen gewissen Unterhaltungswert nicht absprechen, selbst wenn die recht bescheidenen Computer-Effekte bei den finalen Auseinandersetzungen das Seherlebnis schmälern.

Stolz und Vorurteil und Zombies

Länge: 108 Min.

Regie: Burr Steers

Darsteller: Lily James, Sam Riley, Jack Huston, Bella Heathcote, Douglas Booth, Matt Smith, Sally Phillips, Charles Dance, Lena Headey

Kinostart: 09.06.2016

ist unsere Frau für das gesunde Miteinander zwischen unserem Magazin und der Konsumwelt. Schreibt aber auch über Mode, Musik und das Leben.