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Die Regisseurin Andrina Mračnikar hat ihr Handwerk bei niemand geringerem als Michael Haneke gelernt. Und diesen schulischen Hintergrund sieht man ihrem Regiedebüt deutlich an. Geschickt mischt sie Lovestory, Beziehungsgeflecht und Psychothriller zu einem zwar nicht sonderlich inspirierten, trotzdem nicht unspannenden Stalking-Drama.

Ihre Protagonistin Hanna (Alice Dwyer) verliebt sich darin in Yann (Sabin Tambrea), der seine unsterblich große Liebe durch kleine, selbstgedrehte Filme Ausdruck verleiht, die er ihr mailt. Doch noch größer als Yanns Liebe ist seine Eifersucht. Und so geht die leidenschaftliche Beziehung der beiden schnell wieder in die Brüche. Doch Yann schickt Hanna weiterhin seine kleinen Filme, die nun aber einen stark böse-bedrohlichen Unterton enthalten. Bald darauf deuten weitere, mal kleinere, mal größere Anzeichen darauf hin, dass Yann es nicht beim Versenden der Filmchen belässt, sondern seiner Ex auch in ihrem Alltag nachstellt. So weiß Hanna (und mit ihr der Zuschauer) bald nicht mehr so genau, was nur in ihrer Fantasie passiert und was wirklich geschehen ist. Und ob Hanna ihren eigenen Wahrnehmungen überhaupt noch trauen kann.

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Diese Geschichte einer leidenschaftlichen Liebe, die in zerstörerischen Hass umschlägt, ist leider nur bedingt originell ausgefallen. Denn Regisseurin und Drehbuchautorin Andrina Mračnikar kann ihrem existenzielle Züge tragenden Drama keine wirklich neuartigen Seiten hinzufügen und entlässt einen zudem mit einem unbefriedigenden Schluss aus dem Kino.Die Stärke dieses Paranoia-Thrillers liegt dann auch eher in seiner filmischen Umsetzung. Ohne die Hilfe spektakulärer Effekte oder Schockmomente wird die Abgründigkeit der Geschichte rund um Hanna, die sich verzweifelt an ihren Alltag in Job und Privatleben klammert, während ihr langsam der Boden unter den Füßen weggezogen und sie in den Wahnsinn getrieben wird, nur subtil angedeutet und gestaltet sich deshalb umso wirkungsvoller. Dies liegt nicht zuletzt an der Leistung von Hauptdarstellerin Alice Dwyer, die einmal mehr brilliert und die man sich öfter in solch ausdrucksstarken und vor allem großen Rollen wünscht.

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Zwar merkt man, dass die Regisseurin sich bestens in der Filmgeschichte auskennt, ihre Zitate und Anspielungen wirken jedoch nie aufdringlich. So strahlt ihr in Wien angesiedeltes, abgründiges Melodram dank dieser Referenzen ein wenig den sympathisch-morbiden Charme großer Werke längst vergangener Tage wie „Der dritte Mann“ oder Polanskis „Ekel“ aus, ohne aber zugleich inhaltlich wirklich überzeugen zu können.

Ma Folie

Länge: 99 Minuten

Regie: Andrina Mracnikar

DarstellerInnen: Alice Dwyer, Sabin Tambrea, Gerti Drassl

Kinostart am 21.07.16

ist unsere Frau für das gesunde Miteinander zwischen unserem Magazin und der Konsumwelt. Schreibt aber auch über Mode, Musik und das Leben.