[030] Filmkritik: 7 Göttinnen

in Filmkritik/Kino

Diskriminierung und sexuelle Gewalt gegen Frauen sind in Indien nach wie vor ein großes Problem, auch wenn emanzipatorische Tendenzen deutlich auszumachen sind. Vor diesem Hintergrund spricht sich Filmemacher Pan Nalin mit seiner Tragikomödie „7 Göttinnen“ energisch für weibliche Selbstbestimmung aus, findet in seiner episodisch-sprunghaften Erzählung aber keine klare Linie und verwässert damit immer wieder die angeschnittenen Themen.

Als die Freundinnen der Modefotografin Freida (Sarah-Jane Dias) einer Einladung ins malerische Goa folgen, staunen sie nicht schlecht über den Grund für ihre Zusammenkunft. Immerhin eröffnet die Hausherrin ihren Gästen, dass sie in Kürze heiraten wird und die Zeit vor der Zeremonie gemeinsam mit ihren engsten Vertrauten verbringen möchte. Freidas Ankündigung sorgt für große Freude. Doch schon bald wird das ausgelassene Beisammensein von den Sorgen und Problemen bestimmt, die alle Anwesenden mit sich herumschleppen.

7 Göttinnen, kino, 030

In einer dynamischen, rasant geschnittenen Auftaktsequenz stellt Nalin den Großteil seiner Protagonistinnen vor und zeigt, dass die Frauen im Berufsleben und im Alltag systematisch unterdrückt und gedemütigt werden. Dabei betont der Film jedoch, dass sie das männliche Überlegenheitsdenken nicht einfach hinnehmen, sondern entschieden gegen die Ungerechtigkeiten aufbegehren. Keine Frage, hier haben wir es – anders als in vielen Bollywood-Produktionen – mit mutigen Heldinnen zu tun.

7 Göttinnen, kino, 030
Buntes Bild. Wildes Leben.

Nach dem schwungvollen Einstieg entwickelt sich „7 Göttinnen“ erst einmal zu einem weiblichen Buddy-Movie, dessen laute, aufgekratzte Heiterkeit nicht immer ansteckend wirkt. Wendet sich der Regisseur dann den Nöten der Frauen zu, mutiert die Tragikomödie zu einem rasanten Themenritt, der jeder Figur stellvertretend einen konkreten Missstand zuweist. Fröhliche Stimmungen gehen beinahe ansatzlos in dramatische Bekenntnisse über, während es dem Drehbuch nicht gelingt, Freida und ihre Freundinnen sonderlich plastisch zu zeichnen. Aufgrund der Motiv-Fülle bleibt vieles an der Oberfläche. Und mit zunehmender Dauer fällt eine emotionale Involvierung immer schwerer.

7 Göttinnen, kino, 030
Auf die Freundschaft.

Überraschend und mutig ist sicherlich die tragische Wendung, die der Film im letzten Drittel nimmt, als alles nach heimeligem Kuschelkino aussieht. Plötzlich schlagen Nalin und seine Koautoren einen erstaunlich düsteren Tonfall an und greifen damit ein schon früher anvisiertes Problem der indischen Gesellschaft auf. Ähnlich wie zuvor wird die neue Entwicklung allerdings im Stechschritt abgehandelt, weshalb sich die Wirkung trotz einer denkwürdig-zweifelhaften Schlusspointe nur bedingt entfalten kann. Was bleibt, ist ein unbefriedigendes Gefühl, da dem thematisch lobenswerten Film wohl schon mit etwas mehr Struktur und einer inhaltlichen Reduktion geholfen gewesen wäre.

7 Göttinnen

Länge: 104 Min.

Regie: Pan Nalin

Darsteller: Sarah-Jane Dias, Anushka Manchanda, Pavleen Gujral, Amrit Maghera, Sandhya Mridul, Rajshri Deshpande, Tannishtha Chatterjee

Kinostart: 16.06.2016

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