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Foto: Credits Hotel Rocco

[030] Reingehört | Kraftklub-Frontmann Felix Kummer veröffentlicht Soloalbum “Kiox”

in Musik

Als Frontmann der Band Kraftklub kann sich Felix Brummer über mangelnde Bekanntheit nicht beschweren. Die drei Alben der Band gingen durch die Decke. Die Chemnitzer Band füllt riesige Hallen. Und dennoch fehlte etwas. Bis jetzt! Diesen Freitag erscheint unter dem Namen Kummer das Soloalbum des Kraftklub Frontmannes. Wir haben uns ‘Kiox’ bereits angehört.

Um seine persönlichen Gedanken und Gefühle abseits der Band auszudrücken, entschied sich Felix für ein musikalisches Soloprojekt. Für ein physisches Exemplar sollte man dafür allerdings in Chemnitz sein. Sonst wird das nichts mit der eigenen Pressung. Bereits im Juni diesen Jahres schickte Felix unter dem Namen Kummer, was übrigens sein Geburtsname ist, mit dem Song “9010” den ersten Vorboten seines Soloalbums in die Welt hinaus. Es folgten zwei weitere Releases. Nun also das musikalische Komplettpaket verbunden mit der Besonderheit, dass der Verkauf der Platte ausschließlich am Release-Wochenende im “Kiox” in Chemnitz, einem eigens zu diesem Zweck eröffneten Plattenladen, statt. Heimatverbundenheit Galore. Einst führte Felix’ Vater einen solchen Laden selbigen Namens. Hinter der Ladentheke damals übrigens Musikerkollege Trettmann (wie stark ist sein aktueller Track ‘Stolpersteine bitte?’), der ab und an auch als Babysitter bei Familie Kummer im Einsatz war. Aber kommen wir zur Platte.

#Ich mach Rap wieder weich.

Elektronisch angehauchte HipHop-Beats untermalen die Vocals. Mit mehr oder weniger Autotune versetzt. In manchen Liedern wird das Gerappte lediglich von melancholischen Sounds begleitet. In “Es tut wieder weh” und “Ganz genau jetzt” rappt Kummer gänzlich ohne Beat. Interessant klingt das allemal. Produziert wurde das Album von dem Berliner Beatbastler Blvth. Seit 2012 im Produzententeich, belieferte der ehemalige Indie-Rocker bereits Größen wie Casper oder Ahzumjot. Mehr am Puls der Zeit geht aktuell nicht. Auf der inhaltlichen Ebene geht es um Kummer’s persönliche Gefühlswelt. Gleichfalls Hauptimpuls für diese Platte, denn nach eigener Aussage, wollte Kummer seinen Kraftklub Kollegen nicht ständig mit seinen persönlichen Befindlichkeiten auf den Sack gehen. Folglich sind die Lyrics auf “Kiox” auch tiefgründiger und Ironiefreier als bei den Bandreleases. Liebe, Tod, das Leben und gesellschaftliche Themen – hier war Kraftklub immer stark – kommen auf den Gabentisch. Zeit auszupacken.

#Zu alt, um jung zu sterben.

Der Song “Schiff” steht metaphorisch für seine momentane Lage. “Irgendwann wird ein Loch zu einem Leck”. Es scheint für Kummer die Zeit auszubrechen. Aber wohin? Mit 30 ist es zu spät für den Club 27. Wäre langsam auch albern, dem noch angehören zu wollen. Auskunft über seinen Gefühlszustand liefert der Song “Den Rest meines Lebens”, den Kummer gemeinsam mit Max Raabe (?!) singt. “Vielleicht habe ich eine Quarter-Life-Crisis”, rappt Kummer in dem Song. Fragen nach dem weiteren Viertel werden gestellt. Was soll kommen, wenn der erste Teil schon so krass war? Auch Verluste dürfen natürlich nicht fehlen. Sie werden auf “26” und “Es tut wieder weh” zum Thema gemacht. Zwei Songs, die erfüllt sind vom persönlichen Schmerz. Zumindest hört es sich so an. In diesem Moment ist nichts mehr von der provokanten Leichtigkeit einer Kraftklub Platte zu hören. Mit “Kiox” hat Felix Kummer ein Ventil für den Umgang mit seinen persönlichen Problemen gefunden. Für Kraftklub-Fans sicherlich zunächst ein ungewohnter Klang. Auch, da man Kummers Stimme im Dunstkreis von Autotune kaum wiedererkennt. Doch die intimen Songtexte, wie gewohnt treffend formuliert, machen die Platte – trotz des in heutiger Zeit inflationär eingesetzen Autotunes – absolut hörenswert. Das Gefühl, dass sich die Tiefgründigkeit der Platte mit jedem Mal hören, noch etwas steigert, ist vorhanden. Und zum Glück kann man die Platte ab dem 11.10. auch streamen und muss nicht unbedingt nach Chemnitz. Schadet aber nicht, denn Gesicht zeigen, kann nie schaden. #wirsindmehr

‘Kiox’ erscheint am 11. Oktober und ist auf CD und Vinyl ausschließlich über www.kiox-tontraeger.de erhältlich oder vom 11. bis 13. Oktober im Plattenladen “KIOX” in Chemnitz.  

besitzt mehr Festivalbändchen als anderen Schmuck. Studiert in Hannover und überwintert gerade in Berlin, um möglichst viele Konzerte mitzunehmen – und darüber zu schreiben. Kunst findet sie auch ganz cool. Und Katzen.

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