[030] Filmkritik: Lolo – Drei ist einer zuviel

in Filmkritik/Kino

Julie Delpy kennt man in erster Linie als Schauspielerin, doch seit einigen Jahren führt sie auch regelmäßig Regie. „Lolo“ ist nun bereits ihre fünfte Arbeit als Filmemacherin und erneut ist die Französin darin in einer Hauptrolle auch vor der Kamera zu sehen.

Sie spielt die Pariserin Violette, die sich bei einem Südfrankreich-Urlaub in den dort lebenden Jean-René (Dany Boon) verguckt. Obwohl die schicke Hauptstädterin und der biedere Provinzler auf den ersten Blick nicht so recht zueinander passen wollen, entwickelt sich aus dem Urlaubsflirt eine echte Liebe und schon wenig später zieht der Informatiker nach Paris. Und damit beginnen die Probleme: Violettes 19-jähriger Sohn Lolo (Vincent Lacoste) hat sich nämlich vor kurzem von seiner Freundin getrennt, ist wieder zurück ins Hotel Mama gezogen und sieht durch den Neuen sein sorgenfreies Leben bedroht. Und so tut der eifersüchtige Sohnemann alles, um sein angestammtes Revier zu verteidigen und den Eindringling wieder zurück in die Provinz, vor allem aber aus dem Leben seiner Mama zu verscheuchen.

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Mamas Neuer gespielt von Dany Boon. Beobachtet unter dem kritischen Blick des Sohnes Lolo.

Der Charme von Delpys früheren Regiearbeiten wie „2 Tage Paris“ oder „Familientreffen mit Hindernissen“ findet sich in dieser Komödie viel zu selten. Und auch inhaltlich bleibt der von seiner Ausgangskonstellation noch recht witzig klingende Plot erschreckend austauschbar. Lolos verzweifelte Sabotageversuche der neuen Beziehung seiner Mutter werden zum Ende hin zwar immer spektakulärer, aber letztlich auch durchschaubarer und unglaubwürdiger und sind allesamt so originell wie ein Rotwein trinkender Franzose. Dies gilt auch für die unausgegorenen Charaktere, die mit ihren nervigen Neurosen an bereits gut durchgekauten Klischees kleben. Und selbst schauspielerisch werden hier allenfalls solide Durchschnittsleistungen geboten: Julie Delpy bleibt blass und Dany Boon spielt einmal mehr den gutmütigen Trottel, wie er ihn schon (zu) oft gegeben hat.

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Selfie mit Karl Lagerfeld als Karl Lagerfeld.

Zwar wird Delpys Erzählstil oft mit dem von Woody Allen verglichen, doch davon ist diesmal so gut wie nichts zu sehen. So liefert das französische Multitalent in ihrer Dreifachrolle als Drehbuchautorin, Regisseurin und Schauspielerin hier eine viel zu alberne und zu selten wirklich witzige Komödie ab. Vor zehn oder 15 Jahren hätte man damit noch den Nerv der Zeit getroffen, doch mittlerweile wirkt solch ein uninspirierter Beziehungsreigen mit Hindernissen viel zu altbacken, nicht zuletzt weil es bis ins Detail vorhersehbar abgespult wird. Französische Fließbandware ohne Pfiff.

Lolo – Drei ist einer zuviel

Länge: 100 min.

Regie: Julie Delpy

Darsteller: Vincent Lacoste, Dany Boon, Julie Delpy

Wo und wann der Film läuft, erfahrt ihr hier!

 

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