Das Singer-Songwriter-Genre ist längst überladen – die Sounds sattsam bekannt. Gar nicht so einfach, da hervorzustechen. Roo Panes zweites Album „Paperweights“ bietet zwar keine neuartigen Klänge an, dafür aber reichlich schöne, die dank idyllischer Wärmer überzeugen. Mit tiefer Stimme, die ihn dreimal so erfahren wirken lässt, als es sein Alter zulässt, singt der freundliche Brite zu Gitarre, Percussion und Streicher Balladen und zaubert melancholisch-verträumten Folk-Pop der Schule Damien Rice hervor. Texte werden dabei zum Spiegelbild seiner Selbst. Mit [030] sprach Roo Panes über Emotionsreisen, Natürlichkeit und Selbstoffenbarungen. Eine kleine Akustik-Session gab es dann auch noch.

Folk-Elemente ergänzen sich bei Dir mit orchestraler Instrumentierung. Wie bist Du zur klassischen Musik gekommen?

Ich habe durch meine Familie schon früh klassische Musik gehört. Aber eher unbewusst. Das lief im Hintergrund oder beim Autofahren. Was ich an klassischer Musik mag, ist, dass sie nicht durch Verse-Chrous-Strukturen eingeschränkt wird. Sie bewegt sich frei, nimmt auf emotionale Reisen mit, geht durch verschiedene Harmonien und Tempi. Als Songwriter inspiriert mich das ungemein. Ich schreibe dann die Harmonien und die anderen spielen es ein.

Wer sind „die anderen“?

Freunde von mir, die ich mit 22 kennengelernt habe. Wir haben von Anfang an gemeinsam Musik gemacht. Die haben alle klassische Musik studiert, allerdings ist das Klassik-College nicht unbedingt der beste Weg, um kreativ zu sein. Deswegen leben sie sich jetzt in meinem Folk aus.

Deine bisherigen Alben hast Du alle zu Hause aufgenommen. Welche Vorteile bietet Dir das?

Die Erfahrung, die ich in Studios gemacht habe, war, dass am Ende alles künstlich klingt. Ich bin und war immer ein großer Fan von Lagerfeuer-Aufnahmen. Ich denke, das gibt dem Ganzen eine natürlichere Atmosphäre. Es muss nicht immer das Studio sein. Spiel mal Geigen in einem komplett verholzten Raum! Das klingt fantastisch – ganz ohne den ganzen Kladderadatsch. 

Textlich bewegst Du Dich auf lyrischer Ebene. Gibt es jemanden, der Dich dafür besonders inspiriert? 

Ja, Thomas Harley! Der ist mein Favorit. Früher habe ich wesentlich mehr gelesen als jetzt, aber wenn ich Lyrik lese, inspiriert mich daran vor allem, dass komplexe Dinge mit nur wenigen Zeilen zum Ausdruck gebracht werden. Dinge, die man eigentlich nicht erklären kann, weil sie so emotional sind. Inzwischen komme ich aber in den „kreativen Modus“, ohne mich auf Vorbilder zu beziehen. Manchmal schneller, manchmal langsamer.

Mit welchem Song musstest Du länger kämpfen?

Das war „Summer Thunder“. Für den habe ich Jahre gebraucht. Ich habe einfach nicht die richtige Balance gefunden. Der erste und zweite Verse waren da, aber ich wusste einfach nicht, was ich damit überhaupt sagen will. Manchmal suche ich nach den perfekten Sätzen.

Roo Panes, Paperweights, Lullaby Love, Singer-Songwriter. Folk, Pop, Klassik, Album, Interview, Berlin, 030 Magazin

Roo Panes © Alexander Indra

Ah, ein Perfektionist.

Gar nicht mal. Ich gewinne dann einfach Abstand und plötzlich kommt dieser eine, entscheidende Moment, in dem es intuitiv aus mir heraussprudelt. Gerade, weil ich die Dinge nicht zerdenken will. „Lullaby Love“ habe ich beispielsweise an einem Morgen geschrieben und gleich danach aufgenommen. Ich war Kajak fahren war und auf einmal waren die Worte einfach da. Ich schriebe nie bewusst. Es muss sich einfach richtig anfühlen.

Wie richtig fühlt es sich auf der Bühne an, persönliche Geschichten zu teilen? Oder anders gefragt: Ist Dir das bisweilen unangenehm? Immerhin offenbarst Du Dich vor Fremden.

Ja, manchmal fühlt sich das echt komisch an. Ich versuche deshalb, das Publikum komplett zu vergessen und an etwas anderes zu denken. Dann kommt es mir so vor, als würde ich mir selber einen Song vorsingen. In anderen Momenten bin ich erschrocken, was ich da gerade mit allen teilen. Die Sache ist: Ich bin kein Performer. Meine Auftritte sind deshalb ungewöhnlich, aber ich versuche eher, meine Gedanken zu universellen Themen in den Vordergrund zu stellen statt Performance – und damit anderen zu helfen oder sie zum Nachdenken zu bringen.

Größere Aufmerksamkeit hast Du als Model für eine Burberry-Kampagne erregt. Seither heißt es überall „Der Sänger, der modelt“ oder „Das Model, das singt“. Mal ehrlich: Wie sehr nervt das?

Stimmt. Ich sag’s mal so: Das kann definitiv anstrengend sein, wenn das ständig zusammengeworfen wird. Immerhin habe ich schon immer Songs geschrieben. Gemodelt habe ich hingegen nur sechs Monate. Deshalb… (lacht), naja, es hat schon Spaß gemacht zu modeln, aber ich denke immer: Leute, es ist nur modeln. Das ist kein großer Deal. Ich bin Musiker. Und genau das will ich für immer sein.

„Paperweights“ erschien letztes Jahr bei Crc Music.

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