Goldrausch 2017: Mehr Sichtbarkeit für Künstlerinnen

in Kultur/Stadtleben

Seit 27 Jahren fördert das "Goldrausch Künstlerinnenprojekt" Frauen in der Kunstszene. Im Kunsthaus Bethanien ist nun vom 8. bis 23. September die diesjährige Ausstellung zu sehen.


Einst gründete sich in Berlin die Initiative Goldrausch aus dem Anliege heraus, Künstlerinnen in Deutschland mit einem Postgraduiertenseminar aus der Benachteiligung in der Kunstszene herauszuhelfen. Richtig viel schient sich seither nicht geädert zu haben. 2016 zeigte die letzte Studie des deutschen Kulturrats: Frauen verdienen in den Bereichen Kultur und Medien immer noch 24 % weniger als ihre männlichen Kollegen. Hinzukommt, dass die Mehrzahl der großen Museen und Ausstellungen immer noch von Männern geleitet werden.

Anleitung zum Erfolg

Doch kein Grund, aufzugeben. Weitermachen und sich durchsetzen, lautet die Devise. Auch in diesem Jahr wurden deshalb wieder 15 internatioanle Künstlerinnen (ausgewählt von einer Jury) in einem zwölfmonatigen Seminar unverzichtbare Instrumente und berufsspezifische Kenntnisse vermittelt, um sich individuelle Karrierewege zu erschließen und auf dem Kunstmarkt sichtbar zu werden. Heißt konkret: Vermarktung der eigenen Kunst, das Knüpfen von Netzwerken sowie selbst Steuer- und Urheberrecht – das alles lernt man hier. Und das Konzept geht in vielen Fällen scheinbar auf: Äußerst prominente Ex-Teilnehmerinnen und Beispiele sind Monica Bonvicini, Friederike Feldmann und Maria Eichhorn. 

© Lisa Premke

Interdisziplinäre Abschlussausstellung

Höhepunkt ist am Ende die gemeinsame Ausstellung mit je einem eigenen Katalog, der als eine Art "Visitenkarte" von Goldrausch an Galerien, Kunstvereine und Museen verschickt wird. Der Schwerpunkt der diesjährigen Goldrausch-Ausstellung liegt auf aktuellen Arbeiten, die im Rahmen des diesjährigen Stipendiums geschaffen oder erweitert wurden – von Malerei, Skulptur und Fotografie über Sound- und Videokunst bis hin zu Performances. So reflektiert María León die Wahrnehmung massenmedialer Bilder, indem sie Zeitungen mit Objekten kombiniert und damit neu kodiert, während Laura Link mit ihren Malerin Körperempfinden untersucht und Lisa Premke Material und Klang zusammenführt. Zusätzlich runden Artist Talks zu den Themen Vergänglichkeit und Kontrolle sowie intersektionaler Feminismus das Programm ab.

Goldrausch 2017
Fr 8. – Sa 23. Sepzember
Studio 1 / Kunstquartier Bethanien, Mariannenplatz 2, Kreuzberg

Teilnehmende Künstler:
Laure Catugier
Nuray Demir
Elisa Duca
Fernanda Figueiredo
Anneke Kleimann
María Léon
Laura Link
Sophia Mix
Azar Pajuhandeh
Lisa Premke
Julia Schramm
Hanna Stiegeler
Laia Ventayol
Saskia Wendland
Maja Wirkus

schreibt über Musik und Stadtleben, kann alle Morrissey-Songs auswendig und steht auf verzerrte Gitarre. Interessen: Popkultur, Kunst, Graphic Novels und Musiktheater.