Sébastien Tellier gehört zu den faszinierendsten Popfiguren Frankreichs. Ein Musiker, der nie vorhersehbar wird, weil er sich selbst ständig neu erfindet. Nun kündigt er für Ende Januar 2026 sein neues Album „Kiss The Beast“ an – und liefert mit „Thrill Of The Night“ eine Rückkehr, die zugleich nostalgisch, überhöht und ganz typisch Tellier ist.
Disco-Track voller Sehnsucht nach der Nacht
„Thrill Of The Night“ markiert einen deutlichen Kontrast zur leisen Ballade „Naïf de Cœur“. Statt Introspektion gibt es hier Disco in Reinform – schillernd, schweißig, mit französischem Understatement und dem Wunsch, vergessene Clubnächte wieder fühlbar zu machen. Tellier beschreibt den Song als Versuch, jene idealisierte Nacht zurückzuholen, in der alles möglich scheint. Und mit Nile Rodgers an der Gitarre und Slayyyter am Mikro gelingt das erstaunlich mühelos. Die Produktion von Oscar Holter und SebastiAn verleiht dem Ganzen eine moderne Strahlkraft, ohne die nostalgische Wärme zu verlieren. Es ist ein Track, der die Tanzfläche sucht – und gleichzeitig versteht, warum man sie manchmal vermisst.
„Kiss The Beast“ – 20 Jahre Musik Mosaik
Das kommende Album entstand zwischen Paris und London und vereint eine beeindruckende Liste an Mitwirkenden: Victor Le Masne, Daniel Stricker, Oscar Holter und erneut SebastiAn. Dazu Streicher von Owen Pallett, Gastauftritte von Kid Cudi und Slayyyter sowie weitere Beiträge von Nile Rodgers.
„Kiss The Beast“ wirkt wie ein Blick auf die vergangenen zwei Jahrzehnte Tellier – die Synth-Balladen, die überdrehten Disco-Momente, die cineastischen Pop-Fantasien.
Gleichzeitig ist es eine Verdichtung seiner künstlerischen Handschrift: verspielt, erotisiert, ironisch gebrochen und dennoch emotional. Ein Album, das sich nach Größe sehnt und dabei nie die Intimität verliert.

Ein Künstler, der die Popkultur nicht nur bespielt, sondern erweitert
Seit „Domesticated“ (2020) war Tellier alles andere als untätig. Er schrieb Filmscores, veröffentlichte zwei EPs, produzierte für andere Artists und schuf mit „La Ritournelle“ bei der Paralympics-Eröffnung 2024 einen der eindrucksvollsten Live-Momente des Jahres. Tellier ist längst mehr als ein Musiker. Eine Figur zwischen Mode, Kunst und Performance – ein moderner französischer Dandy, der seine Rolle nie ganz ernst nimmt und gleichzeitig völlig beherrscht.
2026 geht Tellier auf Tour – und kommt endlich wieder nach Berlin
Mit der Veröffentlichung von „Kiss The Beast“ kehrt Tellier auch auf die Bühnen Europas zurück. Viele Termine in Frankreich sind schon jetzt fast ausverkauft, die beiden Olympia-Shows in Paris längst dicht. Umso erfreulicher für Berlin: Am 30. März 2026 spielt Tellier im Theater des Westens. Ein wunderbar passender Ort für jemanden, der Musik oft wie ein überdrehtes, barockes Pop-Schauspiel inszeniert.