Blue Moon, Film, Berlinale
Margaret Qualley, Ethan Hawke in Blue Moon von Richard Linklater.Foto ©: Sabrina Lantos / Sony Pictures Classics

Berlinale Beitrag: „Blue Moon“ | Ethan Hawke und die Tragik des Liedtexters

„Blue Moon“ ist ein intensives Charakterdrama des renommierten Regisseurs Richard Linklater, das auf der 75. Berlinale 2025 im Wettbewerb präsentiert wurde. Der Film zeichnet ein eindringliches Porträt des legendären Liedtexters Lorenz Hart und beleuchtet die Herausforderungen seines persönlichen und beruflichen Lebens.

Die Erzählung beginnt mit einer düsteren Szene: Lorenz „Larry“ Hart (verkörpert von Ethan Hawke) wird im November 1943 in einer kalten Nacht in Manhattan bewusstlos auf der Straße gefunden. Wenige Tage später stirbt er im Krankenhaus an den Folgen einer Lungenentzündung. Von diesem tragischen Ereignis springt die Handlung sechs Monate zurück zum Premierenabend des Musicals „Oklahoma!“ im März 1943. Dieses Werk markiert den ersten großen Erfolg von Harts ehemaligem Partner Richard Rodgers in Zusammenarbeit mit Oscar Hammerstein II. Während die Theaterwelt den Triumph feiert, verbringt Hart den Abend in einer Bar, konfrontiert mit seinen inneren Dämonen und der Realität, dass sein kreativer Partner ohne ihn erfolgreich ist. Im Verlauf des Abends reflektiert Hart über seine Karriere, seine persönlichen Beziehungen und die Kämpfe mit seiner eigenen Identität.

Wie wir es fanden

Richard Linklater gelingt es meisterhaft, die komplexe Persönlichkeit von Lorenz Hart in den Mittelpunkt zu stellen. Der Film spielt fast ausschließlich in Echtzeit und an einem einzigen Schauplatz – der Bar –, was eine intensive und intime Atmosphäre schafft. Diese Inszenierung erinnert an ein Kammerspiel und ermöglicht es dem Publikum, tief in Harts Gedankenwelt einzutauchen. Ethan Hawke liefert eine beeindruckende Darstellung des Lorenz Hart. Er verkörpert die innere Zerrissenheit und den Schmerz des Charakters mit großer Authentizität. Hawkes Fähigkeit, die Verletzlichkeit und zugleich die Brillanz Harts darzustellen, verleiht dem Film eine besondere Tiefe. Seine Performance wurde von Kritikern als herausragend gelobt und gilt als ein Höhepunkt seiner Karriere.

Richard Linklater, Director
„Blue Moon“ Regisseur Richard Linklater. Foto: David Rice

Die Dialoge sind ein zentrales Element des Films. Sie sind dicht und voller rhetorischer Feinheiten, was sowohl die Brillanz Harts als auch seine inneren Konflikte widerspiegelt. Allerdings kann diese Intensität für das Publikum mitunter ermüdend wirken, da die Fülle an Informationen und Emotionen kaum Pausen zulässt. Visuell setzt Linklater auf eine zurückhaltende, aber effektive Inszenierung. Die begrenzte Kulisse der Bar wird durch geschickte Kameraführung und Beleuchtung dynamisch gestaltet, wodurch die emotionale Stimmung jeder Szene unterstrichen wird. Die Entscheidung, den Film in Echtzeit ablaufen zu lassen, verstärkt das Gefühl der Unmittelbarkeit und lässt das Publikum die Dringlichkeit von Harts innerem Konflikt spüren. Einige Kritiker bemängeln, dass der Film trotz seiner starken schauspielerischen Leistungen und der intensiven Atmosphäre stellenweise langatmig wirkt. Die Konzentration auf einen einzigen Schauplatz und die dialoglastige Erzählweise könnten für einige Zuschauer monoton erscheinen. Dennoch überwiegt die Anerkennung für die tiefgründige Charakterstudie und die mutige Inszenierung.

Was bleibt?

„Blue Moon“ ist ein eindrucksvolles Porträt eines Künstlers am Scheideweg seines Lebens. Richard Linklater und Ethan Hawke schaffen es, die Komplexität und Tragik von Lorenz Hart authentisch darzustellen. Trotz kleinerer Längen überzeugt der Film durch seine intensive Atmosphäre, brillante Dialoge und herausragende schauspielerische Leistungen. Für Liebhaber tiefgründiger Charakterstudien und theaterähnlicher Inszenierungen ist „Blue Moon“ ein absolutes Muss.

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