Berliner Altbauten haben Charme – hohe Decken, Stuck, breite Dielen. Das Bad allerdings erzählt oft eine andere Geschichte. Winzige Räume, uralte Leitungen und Fliesen aus einer Zeit, als Avocadogrün noch als schick galt. Wer hier sanieren will, braucht mehr als nur einen Fliesenkatalog. Es braucht Planung, Geduld und ein realistisches Budget.
Die Bestandsaufnahme kommt zuerst
Bevor auch nur eine Fliese fällt, lohnt sich der genaue Blick auf das Vorhandene. Wie alt sind die Wasserleitungen? Gibt es Hinweise auf Feuchtigkeit in den Wänden? Wo verlaufen Strom und Abwasserrohre? Bei Gebäuden aus der Gründerzeit oder den 1920er Jahren stecken oft noch Bleileitungen in den Wänden. Die müssen raus – keine Verhandlung möglich. Ein Sanitärprofi sollte sich das Bad anschauen, bevor konkrete Pläne geschmiedet werden. Manche Altbauwände sind so schief, dass eine einfache Duschabtrennung zum geometrischen Alptraum wird. Andere haben Abflüsse an Stellen, die bei modernen Grundrissen überhaupt keinen Sinn ergeben. Diese Realitäten prägen später jeden Kompromiss.
Handwerker finden: Der Knackpunkt
Die Wartezeiten für gute Handwerker in Berlin sind legendär. Sechs Monate für einen Installateur? In manchen Bezirken noch optimistisch. Wer mehrere Gewerke braucht – Sanitär, Fliesen, Elektrik, eventuell Trockenbau – muss geschickt koordinieren. Entweder ein Generalunternehmer übernimmt das Ganze, was teurer ist, oder man jongliert selbst mit verschiedenen Terminen. Der Fachkräftemangel im Handwerk ist real, was sich auch in den aktuellen Handwerkerjobs in Berlin zeigt – die Nachfrage nach qualifizierten Leuten übersteigt das Angebot bei Weitem. Empfehlungen aus dem Bekanntenkreis sind Gold wert. Bewertungsportale helfen, aber am Ende zählt das persönliche Gespräch. Wer gleich beim Erstgespräch merkt, dass die Chemie nicht stimmt, sollte weiterschauen.
Budget realistisch kalkulieren
Eine Badsanierung im Altbau kostet mehr als im Neubau. Die alten Strukturen bringen Überraschungen mit sich. Hinter der Tapete taucht Schimmel auf, die Rohre sind maroder als gedacht, oder der Estrich bröckelt. Ein Puffer von 20 bis 30 Prozent über der ursprünglichen Kalkulation ist keine Übertreibung, sondern Vorsicht. Für ein durchschnittliches Altbau-Bad in Berlin sollte man zwischen 15.000 und 30.000 Euro einplanen – je nach Größe und Ausstattungswünschen. Wer unter 10.000 Euro bleiben will, muss selbst viel Hand anlegen oder auf grundlegende Sanierungen verzichten. Förderungen können helfen: Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle unterstützt energetische Sanierungen von Wohngebäuden, darunter auch Maßnahmen, die in Bädern relevant werden können – etwa bessere Wärmedämmung oder effiziente Heizsysteme.
Die Raumplanung überdenken
Standard-Bäder aus dem Katalog passen selten in Altbauten. Die Raumproportionen sind anders, Fenster sitzen an ungewöhnlichen Stellen, und manchmal ist die Decke so hoch, dass ein normaler Spiegelschrank verloren wirkt. Maßanfertigungen kosten mehr, lösen aber Probleme elegant. Viele unterschätzen die Bedeutung von Stauraum. Altbäder sind oft klein, und ohne durchdachte Ablagen wird das Bad schnell chaotisch. Nischen können zu Regalen werden, der Raum unter dem Waschbecken bietet Platz für Schubladen. Auch vertikale Flächen sollten genutzt werden – Hängeschränke oder offene Regale bis unter die Decke.
Mit der Bausubstanz arbeiten
Altbauwände haben oft keinen geraden Winkel. Das ist frustrierend beim Fliesenlegen, aber auch eine Chance. Wer mit der Schräge arbeitet statt dagegen, spart sich aufwendige Ausgleichsarbeiten. Freistehende Badewannen oder Duschen mit Rahmen aus Glas statt geflieste Nischen können die bessere Lösung sein. Die Deckenhöhe von 3,20 Metern oder mehr kann gestalterisch genutzt werden. Halbhohe Trennwände schaffen Bereiche, ohne den Raum zu verkleinern. Auch bei der Beleuchtung bietet die Höhe Spielraum – indirekte Beleuchtung nach oben statt nur Spots von oben macht das Bad großzügiger.
Typisch Berlin: Die Vermieter-Mieter-Frage
Wer zur Miete wohnt, steckt in der Zwickmühle. Eine umfassende Sanierung ohne Zustimmung des Vermieters ist rechtlich heikel. Gleichzeitig profitiert der Vermieter von der Aufwertung. Klare Absprachen sind Pflicht – am besten schriftlich. Manche Vermieter beteiligen sich an den Kosten, andere erlauben die Sanierung nur gegen Mieterhöhung. In einer Stadt, in der Wohnen zunehmend zur Herausforderung wird und Altbauten begehrt sind, lohnt sich oft die Investition auch für Mieter – wenn die Perspektive stimmt und ein langfristiger Vertrag besteht. Wer nur ein oder zwei Jahre bleiben will, sollte die Kosten-Nutzen-Rechnung kritisch prüfen.
Zeitplanung nicht unterschätzen
Eine Altbau-Badsanierung dauert selten unter vier Wochen. Sechs bis acht Wochen sind realistischer, vor allem wenn verschiedene Gewerke nacheinander arbeiten. Zwischentrocknungszeiten für Estrich oder Putz lassen sich nicht beschleunigen. Ohne Ausweichbad wird diese Zeit zur Geduldsprobe – Fitnessstudio-Duschen oder Freunde mit funktionierendem Bad werden plötzlich sehr wichtig. Pufferzeiten einplanen ist entscheidend. Wenn der Fliesenleger erst zwei Wochen nach dem geplanten Termin kann oder Material nachbestellt werden muss, verschiebt sich alles. Wer unter Zeitdruck steht, trifft schlechte Entscheidungen oder akzeptiert minderwertige Arbeit.
Das Ergebnis genießen
Nach Wochen von Staub, Lärm und provisorischem Zähneputzen über der Küchenspüle ist das erste Bad im frisch sanierten Bad ein besonderer Moment. Der Altbau-Charme bleibt, aber das Bad funktioniert endlich zeitgemäß. Keine tropfenden Wasserhähne, keine muffigen Ecken, keine Kacheln, die sich lösen. Die Investition zahlt sich nicht nur finanziell aus. Ein funktionierendes, ansprechendes Bad erhöht die Wohnqualität enorm – besonders in einer Stadt, in der viele andere Aspekte des Alltags oft kompliziert sind. Und wer weiß: Vielleicht bleibt sogar das Budget-Polster unangetastet. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass es gut investiert wurde in die Überraschungen, die jeder Altbau nun mal bereithält.