Sportplatz, Lilli-Henoch-Sportplatz, Berlin

Lilli-Henoch-Sportplatz: Rollende Bälle statt fahrender Züge

in Sport/Unterhaltung

Wo sich einst der monumentale Anhalter Bahnhof erstreckte, befindet sich heute einer der jüngsten Fußballplätze Berlins. Eine charmante Berliner Spotanlage, weitab vom großen Fussball wie er derzeit in Polen bei der U21-EM und beim Confed Cup in Russland gespielt wird.

Als der neu erbaute Kopfbahnhof in Richtung Halle an der Saale im Herzogtum Anhalt 1880 eröffnet wurde, war der Kaiser persönlich anwesend, um die größte freischwebende Bahnhofshalle Europas zu sehen. Heute, mehr als 130 Jahre und zwei Weltkriege später, erinnert an das mächtige Bauwerk nur noch der Überrest des Eingangsportals am Askanischen Platz. Im Zweiten Weltkrieg schwer zerstört, fuhren ab 1952 keine Züge mehr und der Bahnhof wurde gesprengt. Der Eingangsbereich blieb nur auf Grund eines Bürgerprotestes stehen. Erst im dritten Jahrtausend allerdings wurde der Anhalter Bahnhof endwidmet und die Nutzung der Flächen konnte beginnen. Am hinteren Ende wurde ein festes Zelt gebaut, das Tempodrom. Und dort, wo einst tausende Menschen pro Tag ihre Zugreisen begannen oder beendeten, und somit eingerahmt vom Eingangsportal-Rest und dem Tempodrom, entstand 2002 ein Fußballplatz.

Lilli-Henoch-Sportplatz_1

Benannt nach der jüdischen Leichtathletin und mehrfachen Weltrekord-Halterin Lilli Henoch, feierte der Berliner SV Al-Dersimspor auf dem Platz fortan seine Erfolge. Besonders die (nicht mehr existente) Frauenabteilung machte seitdem von sich reden, spielte sie doch in der Regionalliga und dem DFB-Pokal. Die Männer des BSV stiegen jüngst in die höchste Spielklasse des Verbandes auf, die Berlin-Liga. Die Stehtraversen am abgesenkten und eingezäunten Kunstrasen-Platz böten 1.500 Menschen Platz. Für größere Wettbewerbe, wie die U21 EM dürfte dieses Fassungsvermögen, dennoch etwas zu klein geraten sein. Wer es dennoch größer mag, der kann sich hier seinen Online Sport Bonus abholen. Mal abgesehen von Kunstrasen als Untergrund, der maximal in Russland und Island als Belag der ersten Wahl eine Rolle spielt. Dennoch, für die fußballerische Kiezkultur sind Plätze wie dieser Gold wert. Hier trifft sich die Nachbarschaft. Hier begegnen sich Menschen über ihre Kiezgrenzen hinaus. Ein Miteinander, welches die Gemeinschaft fördert und die Sinne für andere Menschen und Kulturen schärft.

Miteinander statt Gegeneinander

Natürlich ist Fußball ein Wettkampfsport. Zwei Mannschaften treten gegeneinander an und jede von Ihnen möchte gewinnen. Wichtig ist aber, trotz erbitterten Kampfes auf dem Platz während der 90 Minuten des Spiels, dass sich nach dem Spiel die Hände geschüttelt werden und man als Sportsmänner zusammenkommt. Als Verlierer die Niederlage fair hinnimmt und als Sieger dem Verlierer, ob seines Kampfes und Engagement seinen Respekt erweist. So kann am Ende die dritte Halbzeit, in der man zusammensitzt, über das Spiel redet, ein Getränk miteinander teilt, wichtiger werden, als es die Bedeutung des Spieles war. Ist dem so, sind am Ende alle die Gewinner.

Adresse:

Lilli-Henoch-Sportplatz, Schöneberger Str. 34, 10963 Berlin

Text & Fotos: Johannes Brattke

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