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Armdrücken ist wie Wetten in Spandau

Wer in letzter Zeit in Spandau war, dem wird nicht entgangen sein, dass es gerade in diesem Teil der Stadt besonders viele Wettbüros gibt. Allein in der Wilhelmstraße befinden sich derzeit fünf Wetthallen, die zu beinahe jeden Tag – aber vor allem auch Nachts – viele Kunden anlocken. Viele Nachbarn sagen: Die Wettbüros ziehen zwielichtige Personen an und verschlechtern das Stadtbild.

Wie bereits berichtet hat die Stadtverwaltung bereits den Spielhallen Berlins den Kampf angesagt und beinahe 80% der aktiven Spielotheken der Stadt zum Schließen gezwungen. Viele Berliner befürchten nun, dass die leer gewordenen Spielhallen nun als günstige Gewerbeflächen von ortsansässigen Wettbüros angemietet werden. Diese Befürchtung bestätigt sich leider bereits: Seit 2018 ist die Anzahl der Wettbüros in Berlin von 389 auf 409 gestiegen, denn die neu eingeführten Regelungen für Spielhallen beziehen sich nicht auf Wettbüros. Im Gegenteil: Die Betreiber der Spielotheken suchen nun nach neuen Geschäftsfeldern – und da liegen die Sportwetten natürlich sehr nahe. Zudem können bereits existierende Wettbüros nun neue Flächen anmieten. Man kann bereits erkennen, dass sich das Spielhallen-Problem einfach in die Welt der Sportwetten verlagert. Das Ziel des Senats, mit den Regelungen für die Spielhallen ein schöneres Stadtbild zu erzeugen, droht zu scheitern, wenn die Lokalpolitiker keine Lösung für dieses Problem finden. Aufgrund der Corona-Pandemie müssen bereits heute alle Sportwetten-Liebhaber auf Online Wettanbieter umsteigen, wenn sie ihrem Hobby weiterhin treu bleiben möchten. Auch in den Stadien und den Fußballübertragungen der Bundesliga wird praktisch jede zweite Werbefläche von Wettanbietern eingenommen – einen Zustand den sich die Anwohner Berlins nicht für ihre eigene Stadt wünschen.

Große Errungenschaft der Berliner Politik

Gerade in Spandau gelten die Gartenfelder Straße und die Pichelsdorfer Straße als besonders betroffen. Diese Gegenden haben bereits heute einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Wettbüros, gepaart mit einer Nachbarschaft in denen sozial Schwächere von der Eröffnung weiterer Wettbüros besonders gefährdet werden. Die Spandauer Abgeordneten im Berliner Abgeordnetenhaus möchten dieser Gefahr entgegenkommen und pochen auf eine Ausweitung der Glücksspielgesetze auf den Sportwetten-Bereich. Bereits jetzt hat Berlin das strengste Glücksspielgesetz in ganz Deutschland. Als das Gesetz 2016 verabschiedet wurde, galt es als eines der größten Errungenschaften der Berliner Politik gegen die Beschädigung des Stadtbildes durch Spielstätten und für mehr Spielerschutz. Die Politiker versprachen sich eine deutliche Verbesserung für das Stadtbild und attraktive Wohnlagen für die Berliner Kieze – auch Spandau sollte von den Regelungen profitieren. Die konkrete Hoffnung der Politiker ist, dass durch das Einschränken von Wettbüros und Spielhallen die Mietkosten für Gewerbetreibende sinken, was es erlauben würde, dass mehr Cafés und lokale Geschäfte in die Gewerbeflächen einziehen. Dieser Plan wird allerdings nur aufgehen, wenn die Verantwortlichen im Senat und dem Abgeordnetenhaus nachhaltig die Ausbreitung der Wettbüros in der Stadt aufzuhalten. In der folgenden Legislaturperiode wollen sich besonders Politiker der Berliner SPD für eine strengere Auslegung der Gesetze und vor allem für einheitliche Regelung der Glücksspielregelung einsetzen.

Spandau, S-Bahn

Alle Wege führen nach Spandau. – Foto: Pixabay

Der Grund, weshalb Wettbüros nicht von den strengen Berliner Glücksspielgesetzen betroffen sind, ist, dass die Gesetze für Sportwetten nicht auf Landesebene, sondern vom Bund beschlossen werden. Alle 16 Bundesländer für eine so strenge Regelung ins gleiche Boot zu bekommen gleicht einer Mammutaufgabe. Genau deshalb hat sich der Berliner Senat auch dafür entschieden neue Geschütze gegen das Wachstum der Wettbüros aufzufahren. Es besteht die Möglichkeit die bestehenden Abstandsregelungen für Spielotheken auch für Wettbüros anzuwenden. Allerdings müssen die Mittel für diesen Schritt noch geprüft werden und verschiedenen juristische Instanzen durchlaufen. Trotzdem geben sich viele Berliner Politiker zuversichtlich, dass es zu einer Verschärfung und Ausweitung der Gesetze kommen kann. Das Ziel, Kieze wie Spandau lebenswerter und attraktiver zu machen, ist noch nicht aufgegeben. Wenn die Regelung durchkommt, wird erwartet, dass 70-80% der heutigen Wettbüros in Berlin den Betrieb einstellen müssten und damit Platz für Geschäfte machen, die das Stadtbild attraktiver und lebenswerter machen.