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Union. Foto: © CC BY-SA 3.0

Der Aufstieg von Union: Kommerz oder Herz? | [030]-Kommentar

in Sport/Stadtleben

Im 30. Jahr nach dem Mauerfall steigt ein kleiner ehemaliger DDR-Verein auf: In die höchste deutsche Spielklasse. Der FC Union ist dabei nicht der erste Ostverein, der nach oben “rutscht”. Und trotzdem ist er anders. [030]-Autor Johannes Boldt sagt, warum. 

Wer lässt sich nicht vom Westen kaufen?

An der alten Försterei ertönt vor jedem Spiel die von Nina Hagen gesungene Hymne „Eisern Union“. Sofort sticht eine bestimmte Textzeile heraus: „Wer lässt sich nicht vom Westen kaufen?“. Die Antwort aus mehreren tausend Kehlen: „Eisern Union!“.

Die Köpenicker, die sich gerne als den kleinen, klammen Provinzverein sehen, sind stolz auf ihr Image. – meint [030]

Das Maximale rausholen

Den Berlinern ist es gelungen, sich in den letzten zehn Jahren -finanziell und sportlich- im Profifußball zu etablieren. Als eingetragener Verein gelingt es der Führung, das Maximale herauszuholen. Und eine fast schon romantische Bindung zu den Fans aufzubauen. Dinge, die im Business-Fußball selten sind.

Und doch ist eben jenes viel gelobte Image altbackener denn je und der Verein steht vor einem Scheideweg.

Ganz schön stolz

Die Köpenicker, die sich gerne als den kleinen, klammen Provinzverein sehen, sind stolz auf ihr Image. Ein Image, von dem die Konkurrenz aus Westberlin, Hertha BSC, nur träumen kann. Und doch ist eben jenes viel gelobte Image mit dem Aufstuck altbackener denn je. Der Verein steht vor einem Scheideweg.

Der Aufstieg

Um dauerhaft erfolgreich zu sein, muss sich Union Berlin dem „Westen“ öffnen. Und der Öffentlichkeit zeigen, dass er wie jeder andere Verein im deutschen Profifußball jährlich Sponsoreneinnahmen in Millionenhöhe verzeichnet. Der Aufstieg in die Bundesliga war mit 30 Millionen Euro ein Vorgeschmack.

Aus dem provinziellen Bezirksclub wird nun ein Verein, der weit über seinen Bezirk und auch über die Stadtgrenzen hinaus für Aufmerksamkeit sorgt.

Schau(lustig)

Zur nächsten Saison kommt ein neues Thema auf die Berliner zu. Aus dem provinziellen Bezirksclub wird nun ein Verein, der weit über die Stadtgrenzen hinaus für Aufmerksamkeit sorgt. Schaulustige aus aller Welt, Eventpublikum, Fußballtouristen oder zugezogene Hipster wollen an die knappen Eintrittskarten.

Wie bei St. Pauli

Dem Verein droht, dem alteingesessenen Fan zu entwachsen. Der ist seit DDR-Zeiten dabei. Es ist ähnlich wie beim FC St. Pauli. Quasi das westliche Ebenbild zu Union. Die eingefleischte Fanszene bei St. Pauli fällt dem Tourismus immer mehr zum Opfer und das Image alter Tage ist nicht mehr als eine Hülle. Für Union wird dieses Jahr womöglich das wichtigste der Vereinsgeschichte. Warum?

Dem Business öffnen

Dieses Jahr wird darüber entscheiden: Öffnet er sich dem Business? Hält man an seinen Fans und dem familiären Image fest? Oder gelingt dem alten DDR-Verein vielleicht auch hier die gesunde Mischung?

Foto: © CC BY-SA 3.0

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