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Nach der weltbekannten Verhüllung des Reichstagsgebäudes 1995 kommen Christo und Jeanne-Claude erneut nach Berlin zurück. Dieses Mal in Form einer Ausstellung der Kunst des Ehepaares. Zahlreiche Großprojekte des wohl bekanntesten künstlerischen Duos von 1963 bis 2020 werden bis zum 17. August des Jahres ausgestellt. Eine Möglichkeit, in Großprojekte einzutauchen, wie man sie davor nicht kannte.

Mit viel Liebe zur Kunst…

Jeanne-Claude und Christo lernten sich bei einem Auftrag Christos 1958 kennen. Er, ein verarmter Künstler, wurde angestellt, um Porträts der Mutter Jean-Claudes anzufertigen. Dann verliebte er sich in die bereits verlobte Jeanne-Claude. Nachdem Jeanne-Claude von Christo schwanger geworden ist, trennte sie sich von ihrem Ehemann nach den Flitterwochen. In einem Interview mit der Zeitschrift Avenue, 1990, sagte die Französin: ‚Ich könnte natürlich behaupten, die Kunst sei das ausschlagende Moment gewesen, doch tatsächlich war er ein teuflisch guter Liebhaber.‘ Eine Bilderbuch-Liebesgeschichte, von Anfang bis Ende.

 

Christo und Jeanne-Claude an The Gates, @ Christo, 2005

… und viel Kritik an den Umständen

Ihr erstes gemeinsames Projekt gestaltete das Paar 1961. Als Reaktion auf den Bau der Berliner Mauer blockierten Jeanne-Claude und Christo die Rue Visconti illegalerweise mit 89 Ölfässern. Obwohl Jeanne-Claude die Polizisten von dem Kunstwerk kurz fernhielt, wurden beide später trotzdessen verhört. 1962 heiratete das Paar. Jeanna-Claude wird auch noch Jahre nach ihrem Tod als „nur“ die Muse, beziehungsweise Organisatorin hinter Christos künstlerischem Genie betrachtet. Ein Problem, das viele andere Duos mit einem weiblichen und männlichen Counterpart haben oder hatten. Zu den atemberaubenden Großinstalationen Jeanne-Claude und Christos gehören beispielsweise die Surrounded Islands (1983), The Pont Neuf Wrapped (1985) und natürlich die Verhüllung des Reichstags (1995). Bei den Surrounded Islands handelte es sich um ca. 600.000 qm pinken Polenpropylen-Stoff, der rund 11 Inseln Floridas umgab. Die kontraste Farbgebung, das Pink zum waldgrün, und selbstverständlich die Größe des Projekts haben es weltbekannt gemacht. Die verhüllte Pont Neuf in Paris folgte zwei Jahre später – die Brücke, inklusive der Bordsteine und Gehwege, sowie Straßenlaternen, umhüllte ca. 40.000 qm Polyamidgewebe. Der Anschein von Seide, der von insgesamt 13 km langem Seil gehalten wurde, fesselte sowohl den Betrachter mit künstlerischem Blick, als auch den Fußgänger auf dem Weg zur Arbeit. Und zuletzt: Der verhüllte Reichstag. Wem Christo und Jeanne-Claude kein Begriff sind, wird spätestens beim verhüllten Reichstag ein „Ahh!“ ausstoßen. 100.000 qm Stoff, 15 km Seil und seit 1976 geplant. 

Niemand kann diese Projekte kaufen, niemand sie besitzen, niemand kommerzialisieren, niemand kann Eintritt für ihre Besichtigung verlangen – nicht einmal uns gehören diese Werke. Unser Werk handelt von Freiheit, und Freiheit ist der Feind allen Besitzanspruchs, und Besitz ist gleichbedeutend mit Dauer. Darum kann das Werk nicht dauern.

Der 2009 verstorbenen Jeanne Claude ist dieses Jahr im Mai nun auch Christo gefolgt. Wer also noch keine Kunst des Christo/Jeanne-Claude -Duos kennt, sollte sich schnellstens auf der Website zum Palais Populaire (bis zum 17. Juli!) kostenlose Tickets besorgen. Ganz im Sinne des Künstlerpaares.


Christo und Jeanne-Claude - Projects 1963–2020
Montag, Mittwoch, Freitag, Samstag & Sonntag: 11–18 Uhr
Donnerstag: 11–21 Uhr
 Dienstag geschlossen. 
Tickets auf: https://www.db-palaispopulaire.de/

Foto: © Friso Gentsch/dpa

ehemalige Philosophie-Studentin, Musikliebhaberin sowie Namensvetterin der Ehefrau Lenins.