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Foto: © Youtube Video / Polizei Berlin

Berliner Polizei: Dein Freund und Rapper | Der [030] Wochenrückblick

in Stadtleben/Wochenrückblick

Berliner Polizisten: Zielscheibe von Hohn und Spott. Mal wieder. Dabei haben sie es nur gut gemeint. Aber wie heißt es: Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert. Bei uns seid ihr jedenfalls in guten Händen. Mit unseren Musik- und Kulturtipps seid ihr gut informiert. Damit ihr aber auch sonst nichts verpasst, gibt’s hier unseren Wochenrückblick.

Rappst du noch oder disst du schon?

Ja, es sind Tanklaster voll Spott, die auf die Berliner Polizei zurollen. Sie ist die Zielscheibe von böser Häme. Der Shitstorm geht auf ein Youtube-Video zurück. Die Polizei Berlin hat es gepostet und ein böses Echo kassiert. “Peinlich” sei das Video, heißt in Kommentaren. Nicht nur das Netz, auch die Berliner Zeitungen schütten über den Beamten kübelweise Unrat aus. Mit dem Vier-Minuten-Clip hatte es die Polizei eigentlich gut gemeint. Das Rap-Video sollte Vorurteile im Problemkiez am Gesundbrunnen im Wedding abbauen. Verständnis zwischen Beamten und Jugendlichen sollte geschaffen werden – sogar um Sympathie für Polizist*innen wirbt das Video. Ist doch eine gute Sache, was kann daran schlecht sein? Die vielen Hater ziehen vor allem über die Art und Weise des Clips her. Die Polizisten zeigen sich als coole Homies, ein Beamter rappt sogar selbst. Mit Sonnenbrille. Cool! Das Rap-Video ist zusammen mit dem KbNa, dem Kiezbezogenen Netzwerkaufbau, entstanden. Es soll besonders betonen, wie sehr sich die Polizei um ein gutes Miteinander mit Jugendlichen bemüht. Symbolisches Abklatschen und Umarmen gehört dazu.

Friede, Freude: Pustekuchen!

Doch vielen Kritikern ist die demonstrierte Einigkeit zu viel. Das Selbstbild der Polizei, das in dem Video gezeigt wird, wirft für viele das Fragen auf. Westen werden umgeschnallt, Waffen in Slow-Motion präsentiert. Das ist aber nicht alles. Der Produzent des Clips ist Tahsin Özkan. Er soll 2016 mit dem Rapper SadiQ ein Musikvideo produziert haben, das Gewalt und Islamismus verherrlichen soll. Ein schwerer Vorwurf. Vor allem, weil es um den Produzenten für ein Polizei-Video geht. Man muss an dieser Stelle aber erwähnen, dass Tahsin Özkan, der im Soldiner Kiez aufwuchs, inzwischen als Sozialarbeiter und Pädagoge arbeitet. Er ist schockiert über das Echo auf sein Video und hat sich gegenüber der Berliner Zeitung von Gewalt und Islamismus distanziert. [030] Fazit: Der PR-Coup ging nach hinten los. Aber die Heerscharen an selbstgefälligen Kritikern  – egal ob Journalisten oder Netz-Hater – sollten nicht vergessen, dass es der Polizei mit dem Video darum geht, in sozialen Problemkiezen Vorurteile ab- und Verständnis aufzubauen. Und zwar in unser aller Interesse. Es hilft nichts, selbstgerecht Häme über die Beamten zu schütten. Denn die haben in solchen Kiezen schon genug Probleme, ihre Arbeit zu machen.

Peng! Wir beobachten euch!

Blamage hin oder her. Natürlich darf man die Polizei auch kritisch hinterfragen. Die neueste Aktion des Peng-Kollektivs setzt da an und liefert ein Projekt, das in Berlin für Aufregung sorgt. Die “Cop Map” – eine interaktive Karte im Netz, auf der in Echtzeit Einsätze der Berliner Polizei gezeigt werden. Mit der “Cop Map” soll sichtbar werden, an welchem Ort sich gerade Polizisten befinden und einen Einsatz durchführen. Die “Cop Map” soll vor Polizeigewalt und -willkür warnen. Vorbild für diese Karte ist auch die “Polizeiklasse München”, die das Handeln von Polizisten kritisch hinterfragt und besonders im neuen Polizeiaufgabengesetz eine Bedrohung sieht. In München kann die Polizei eingreifen, sobald eine “drohende Gefahr” besteht. Was genau dieser Begriff bedeutet, ist nicht weiter erklärt und lässt viel Spielraum. Die Berliner Karte soll die Möglichkeit eröffnen, sich vor Polizeigewalt zu schützen. Viel Kritik gab es von Seiten der Polizei, die befürchtet, dass Beamte unter Generalverdacht gestellt werden. Zumindest regt die Aktion zur Diskussion an. Wie wir es vom Peng-Kollektiv gewohnt sind. Diskussion ist immer gut.

AfD-Portal gestartet

Die AfD hat ein scharf kritisiertes Portal eröffnet, auf dem Schüler*innen und deren Eltern sich über Lehrer beschweren können. Nämlich über Leute, die schlecht über die AfD reden. Und davon gibt es nach unseren Infos sehr viele. Der Ansatz liegt dabei im Neutralitätsgesetz, das für Lehrer*innen gilt und eine ausgewogene politische Bildung sicherstellen soll. Das AfD-Portal war für den Bereich Berlin allerdings schon einen Tag nach der Freischaltung nicht mehr erreichbar, da es technische Probleme gab. Ist dann allerdings auch wieder online gegangen. Das Portal wird sehr kritisch aufgenommen, da eine Bloßstellung von Pädagogen vorangetrieben wird. Eine Selbstanzeige von Lehrern der Lina-Morgenstern Schule gab es, wie im Tweet oben zu sehen ist, allerdings auch schon, und sie zeigt, dass viele Lehrer für ihre demokratischen Positionen einstehen werden – und sich gegen die AfD wehren. Gut so!

Doch kein Google-Campus

 
 
 
 
 
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Ein Beitrag geteilt von Marissa Rae Niederhauser (@josiesecho) am

Überraschung! Lange war schon angekündigt, dass Google im Umspannwerk in Kreuzberg einen Campus errichten würde. Bauarbeiten fanden schon statt. Nun wurde überraschend angekündigt, dass das Projekt doch nicht umgesetzt werden soll. Stattdessen soll der Raum in Zukunft für soziale Projekte genutzt werden. Das liegt höchstwahrscheinlich daran, dass es gegen die geplanten Start-Ups im Campus immer wieder Proteste gegeben hatte, sogar eine kurze Besetzung des Geländes gab es. Der noch stärkere Anstieg von Mieten im Kiez sollte damit erst einmal abgewendet sein. Mit sozialen Projekten wird die Nutzung des Geländes für einen guten Zweck ermöglicht. Insofern darf der Rückzug von Google durchaus als ein kleiner Erfolg gegen die fortschreitende Gentrifizierung in den Szenebezirken gefeiert werden.

David Sedaris im Interview

David Sedaris, Autor, USA
Foto: © Ingrid Christie

Unsere Autorin Viola Heeger hat den amerikanischen Autoren David Sedaris zu einem Interview getroffen. Der hat sein neues Buch “Calypso” veröffentlicht und beschränkt sich dabei auf den Bereich des Häuslichen, die Familie und setzt diese Themen in Geschichten um. Im Interview erzählt er, wie er an hin- und herspringende Erzählstränge herangeht, wie sich sein Schreibstil entwickelt hat und warum es auch im Alter nie zu spät ist, mit etwas Neuem anzufangen. Lest euch das Interview hier auf unserer Seite durch und besorgt euch, wenn ihr Bock habt, auch das neue Buch!

Bis nächsten Freitag!

Eure [030] Redaktion

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