Wolfgang Müller, Wolfgang, Die sicherste Art zu reisen, Fressmann

Wolfgang Müller: Nichts für die breite Masse. Schade eigentlich!

in Podcast

In unserer heutigen [030] Podcastfolge sprechen wir mit Wolfgang Müller über seinen Weg zur Musik, die Berufung Musiker als Nebenjob, die Familie als Kritiker Nummer Eins und stellen die Frage nach der besten Platte, die er jemals gemacht hat. 

«Pippi Langstrumpf hat mich zur Musik gebracht,» so Wolfgang Müller auf die Frage nach seiner frühmusikalischen Erweckung. In der Betrachtung seiner rhythmischen Schlägereien erahnten seine Eltern alsbald das musikalische Talent des heute zweifachen Familienvaters. Das muss gefördert werden. Die Gitarre als Mittel der Wahl schnell gefunden. Doch irgendwann stand der gebürtige Limburger, der seit über 20 Jahren in Hamburg lebt, vor der essenziellen Frage: Weitermachen oder aufhören und etwas Richtiges machen?

Doch vorher will er noch ein Versuch wagen: 2006 die Bewerbung für den Popkurs an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Seine Rettung. Hier gab es erstmals positives Feedback zu seiner künstlerischen Arbeit. Von Profis. Und von Kommilitonen und Mitstreitern wie Gisbert zu Knyphausen mit dem Wolfgang schon früh auf Tour ging und mit dem er bis heute immer mal wieder musiziert. Doch am Wichtigsten: Der Glaube an die eigene Karriere als Musiker war wieder da. Das Feuer brannte lichterloh. Sein Debütalbum ‘In der Zwischenzeit’ erschien 2007. Mit dessen Hilfe steckte Müller alsbald auch andere Menschen mit seiner Leidenschaft an. Tino Hanekamp, Autor und Übel & Gefährlich Clubbetreiber, schrieb über den zugezogenen Hamburger Wolfgang Müller: «Das war der Selbstgebrannte, den der Plattenhändler unterm Tresen hervorgeholt hat, wenn der Kunde so weit war – die Sinne geschärft, die Geschmacksnerven voll entwickelt und bereit für das Große im Kleinen, das Komplexe im Feinen, für die besonderen Lieder und Geschichten.» Müller selbst bringt es, trotz oder gerade wegen seines unglaublichen Talentes aus einzelnen Worten einprägsame und einzigartige Bilder zu erschaffen, etwas einfacher auf den Punkt: Er sei halt nichts für die breite Masse. Das wisse er. Damit könne er leben. Wir irgendwie nicht, denn wer sich sein aktuelles Album “Die sicherste Art zu reisen” anhört, welches am 6. April auf Müllers eigenem Label Fressmann erschienen ist, der wird sich der Leichtigkeit, welche die Müller’sche Lyrik durchzieht, nicht verschliessen können.

Das große Ganze übernimmt den Ton

Dabei singt der 42-Jährige nicht etwa von Blumen, Bienen und dem Blabla dieser Welt, sondern benennt Ross und Reiter des aktuellen gesellschaftlichen Untergangs (“Flieger”). Der Unterschied zu anderen Kollegen ist allerdings, dass  seine Musik nicht verzweifelt oder kapitulierend daher kommt, sondern sich, trotz aller Schwere, bei der Betrachtung auf die positiven Aspekte des Lebens konzentriert. Und etwas Neues ist auf dem nunmehr sechsten Werk auch hinzugekommen: Erstmals versuchte der klassisch ausgebildete Gitarrist, sich und sein unbestrittenes Talent an dem Instrument nicht allzu sehr in den Vordergrund zu stellen. Stattdessen dominiert auf der Platte, die übrigens als schickes, rotes Vinyl in die Läden kommt, das große Ganze. Klavier, Streicher, Querflöten, Saxofon, Orgeln und Chören geben dem einstigen Alleinunterhalter einen wunderbaren Rahmen, der “Die sicherste Art zu reisen” zu einem wunderbar stimmigen und hörenswerten Album macht. Doch wir wollen nicht zu viel verraten. Alles Weitere kann euch Wolfgang selber erzählen. Hört mal rein!