Die Welt steht in Flammen – findet der britische Singer-Songwriter Ed Harcourt und bezieht mit „Furnaces“, eine apokalyptische Indie-Rock-Platte über Fracking-Politik, Öl-Geschäfte, lügende Politiker und Fanatismus, Stellung. Am 17.2. präsentiert er das gute Stück in Berlin. Vorab sprachen wir ihn einen Tag nach seinem Geburtstag am Telefon. Harcourt spaziert gerade durch London und sinniert über Exzesse, Geschlechterunterschiede und das Weltgeschehen.

Alles Gute nachträglich, Ed!

Danke! Das war eine Nacht. Ich war mit meinem Cousin in einer mexikanischen Bar und habe einen Wurm in meinem Tequila gegessen. Autsch.

Stichwort Kopfschmerzen: Die hast du offenbar auch, wenn du die Zeitung aufschlägst. „Furnaces“ steckt voller Sozial- und Politikkritik. 

Yeah! Es ist so: Wenn du Kinder in die Welt setzt, bekommst du eine neue Perspektive. Die Welt erscheint wie ein absurder Comic. Wo ist das Bewusstsein geblieben? Eine Katastrophe nach der anderen.

Welchen Song hast du aus diesem Gefühl heraus als erstes geschrieben? 

„The World is on Fire“! Mit einer Glasharmonika, von der im 19. Jahrhundert alle epileptische Anfälle bekommen haben. Danach kam „Immoral“. Weil ich von meinem Geschlecht enttäuscht war.

Warum? Was ist mit den Männern los?

Schau doch mal, was wir in der Welt angerichtet haben. Keine Frau hat das gemacht.

Hatten in der Weltgeschichte ja auch nicht allzu häufig die Gelegenheit dazu. 

Sagst du, dass Frauen noch nicht die Chance hatten, so böse wie Männer zu sein?

Ich sage, dass Frauen das gleiche Potential dazu haben, allerdings seltener an den Schalthebeln der Macht sitzen.

Ich glaube schon, dass es grundlegende Unterschiede im Charakter gibt. Wenn ich meine Frau nicht hätte, wäre ich tot.

Exzesse?

Ohne Ende! Es ist Zeit, dass Frauen an die Macht kommen. Wir würden auf einem sicheren Planeten leben. (Sirenen ertönen

Hast du nebenbei eine Bank überfallen?

London, Baby, London! Und dann frage ich mich immer: Wann gibt es mal einen Politiker, der nicht lügt? Kein Fracking? Theresa May trägt Fracking auf ein neues Level. Und dann auch noch das ganze Ölgeschäft. So ein Bullshit.

Da du so am Schimpfen bist: Ist „Furnaces“ ein negatives Album?

Eher ein spirituelles. Kennst du das, wenn du im Kino sitzt und in der Dunkelheit ganz konzentriert bist? „Furnaces“ soll der Film sein. Danach hätte ich gern, dass allen mehr klar ist, was in der Welt vor sich geht.

Ed Harcourt live: FR 17.02. ab 20 Uhr im silent green Kulturquartier

Furnaces erschien am 19. Augusr über Caroline / Universal Music

Titelfoto: © Mike Hughes