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Museum für Urban Contemporary Art: Wo bleibt der Diskurs?

in Kultur/Stadtleben

Es ist soweit: Berlin bekommt am 16. September das Museum für Urban Contemporary Art. Dahinter steht die Initiative Urban Nation, die Künstler nach Berlin lädt, um sich mit Murals im Quartier auszutoben und eine Kunstsammlung im Inneren des Hauses zu schaffen. Zudem eröffnet mit dem Martha-Cooper-Archiv ein Fotoarchiv zur Geschichte von Graffiti und Street Art. Mit der Kuratorin Yasha Young sprachen wir über die Diskussion von Urban Art sowie das Verhältnis zur Bildenden Kunst.

Yasha, warum braucht die Stadt das Museum für Urban Contemporary Art?

Weil wir eine größere Plattform für diese Kunstform benötigen. Sie wird in der Kunsthistorik bisher noch nicht akzeptiert. Klar, es gibt solche wie Andy Warhol, aber die Antwort auf diese Künstler ist immer: »Ach, das sind Ausnahmen.«

Urban Art bleibt im Schatten der übrigen Künste bisher ungeachtet?

Ja, unerkannt, ungefördert und unverstanden. Dabei steht hinter Urban Art eine große Kultur – und das nicht erst seit gestern. Ich habe beschlossen, einen Platz für sie zu schaffen in einem etwas anderen Museum.

Was genau macht das Museum anderes?

Wir kreieren eine lebende Institution als Anlaufstelle für nationale und internationale Künstler. Die Kunst muss atmen – innen wie außen. Wir wollen kein Haus, das Kunst zeigt, die vergangen ist, oder Urban Art reinquetscht. Weil wir insgesamt ein anderes Verständnis von Contemporary Art haben.

Das da wäre?

Für die meisten sind das Künstler, die an der Universität waren. Für mich sind es Künstler, die im Hier und Jetzt leben und arbeiten. Da ist Urban Art und Graffiti einer der demokratischsten und interessantesten Bewegungen. Weil sie traditionelle Abläufe infrage stellen und kunsthistorische und zeitgenössische Aufklärungsarbeit in den Fokus rücken.

Nun meinen viele, Urban Art müsse im öffentlichen Raum leben – also auf der Straße, wo sie im Vorbeigehen aneckt.

Nicht zwingend. Der Urban Artist möchte vielleicht auch in einer Galerie anerkannt und abgebildet werden. Nur gibt es dort die Hürde, dass keine Intuition hinter ihm steht. Die Künstler hier haben Residenzprogramme und werden voll gefördert.

Kurzum: Was muss sich in der öffentlichen Wahrnehmung verändern?

Es muss wissenschaftlich mehr recherchiert werden. Und wir brauchen einen intensiveren Diskurs, der sich mit den Möglichkeiten und dem Verständnis von Urban Art auseinandersetzt. Genau daran arbeiten wir.

Die Initiative Urban Nation wurde 2013 mit der Stiftung Berliner Leben und der Wohnungsbaugesellschaft Gewobag ins Leben gerufen. Seither arbeitet sie unter der Leitung der deutsch-amerikaischen Kuratorin Yasha Young mit jungen Talenten der Urban Art-Szene. Das Museum für Urban Contemporary Art wurde nun mit Hilfe der LOTTO-Stiftung Berlin realisiert. 

URBAN NATION MUSEUM FOR URBAN CONTEMPORARY ART
Eröffnung: „UNique. UNited. UNstoppable.“
16. und 17. September 2017
Bülowstraße 7, 10783 Berlin

schreibt über Musik und Stadtleben, kann alle Morrissey-Songs auswendig und steht auf verzerrte Gitarre. Interessen: Popkultur, Kunst, Graphic Novels und Musiktheater.