Berlin bekommt ein Museum für Urban Contemporary Art. Dahinter steht die Initiative Urban Nation, die internationale Künstler nach Berlin lädt, um Murals zu malen und Ausstellungen zu realisieren. Mit der Kuratorin Yasha Young sprachen wir über die Diskussion der Kunstform und die Wechselwirkung von Urban Art und öffentlichem Raum.

Yasha, warum braucht die Stadt das Museum für Urban Contemporary Art?

Weil wir eine größere Plattform für diese Kunstform benötigen. Sie wird in der Kunsthistorik bisher noch nicht akzeptiert. Klar, es gibt Simon Perry und Andy Warhol, aber die Antwort auf diese Künstler ist immer: »Ach, das sind Ausnahmen.«

Urban Art bleibt im Schatten der übrigen Künste bisher ungeachtet?

Ja, unerkannt, ungefördert und unverstanden. Dabei steht hinter Urban Art eine große Kultur – und das nicht erst seit gestern. Ich habe beschlossen, einen Platz für sie zu schaffen in einem etwas anderen Museum.

Was genau macht das geplante Museum anderes?

Wir kreieren eine lebende Institution als Anlaufstelle für nationale und internationale Künstler. Die Kunst muss atmen – innen wie außen. Wir wollen kein Haus, das Kunst zeigt, die vergangen ist, oder Urban Art reinquetscht. Weil wir insgesamt ein anderes Verständnis von Contemporary Art haben.

Das da wäre?

Für die meisten sind das Künstler, die an der Universität waren. Für mich sind es Künstler, die im Hier und Jetzt leben und arbeiten. Da ist Urban Art und Graffiti einer der demokratischsten und interessantesten Bewegungen. Weil sie traditionelle Abläufe infrage stellen und kunsthistorische und zeitgenössische Aufklärungsarbeit in den Fokus rücken. 

Nun lebt Urban Art der Definition nach ja eigentlich im öffentlichen Raum – also auf der Straße. 

Nicht zwingend. Der Urban Artist möchte vielleicht auch in einer Galerie anerkannt und abgebildet werden. Nur gibt es dort die Hürde, dass keine Intuition hinter ihm steht. Die Künstler hier haben Residenzprogramme und werden voll gefördert.

Kurzum: Was muss sich in der öffentlichen Wahrnehmung verändern?

Es muss wissenschaftlich mehr recherchiert werden. Und wir brauchen einen intensiveren Diskurs, der sich mit den Möglichkeiten und dem Verständnis von Urban Art auseinandersetzt. Genau daran arbeiten wir. 


Urban Nation arbeitet unter der Leitung von Yasha Young seit 2013 mit der internationalen Szene der Urban Contemporary Art.  Bis Herbst 2017 soll das Museum entstehen. Aktuell ist im Projekt-Büro in der Bülowstraße die Ausstellung „Radius“ zu sehen.