M.A.N.D.Y., Double Fantasy, Get Physical

»Wir waren selbst unsere größten Fans.« – M.A.N.D.Y. im Interview

in Interviews/Musik

Die Kindheitsfreunde Philipp Jung und Patrick Bommer bilden das DJ- und Produzentenduo M.A.N.D.Y.. Seit 2002 betreiben das Label Get Physical, haben 2005 mit „Body Language“ eines der meistgecharteten Elektronika-Anthems gebastelt und sind überhaupt ein großes Ding. Nachdem die gebürtigen Saarländer vergangenen November das erste Mal eigene Produktionen im Langspielformat veröffentlichten, eröffnen sie am 4. Februar im Watergate die „Double Fantasy“ – Tour. 

Ihr habt euch als Jugendliche auf dem Tennisplatz kennen gelernt. Wer spielt besser Tennis?

Philipp: Schwer zu sagen. Patrick schlägt harter, aber auch mehr ins Aus. Wir hatten einen ähnlichen Musikgeschmack und haben uns dann gegenseitig Tapes aufgenommen. Er war etwas rockiger und ich auch früher schon sehr elektronisch. Aber deshalb funktioniert M.A.N.D.Y. so gut, weil wir die gegenseitige Musiksozialisierung kennen und wissen, wo der Andere herkommt und wo er hinwill.

Andere DJs haben nach einem Jahr im Geschäft schon das Gefühl, das erste Album produzieren zu müssen. Bei euch war dem offensichtlich nicht so.

Philipp: Wir haben es einfach genossen, die Welt zu bereisen. Die ganzen Eindrücke, die man dabei sammelt, finden sich natürlich auch auf Produktionen wieder. Oft hat man aber zwischen Gigs kaum frei und kommt gar nicht dazu. Jetzt haben wir viele andere Sachen mal zur Ruhe gelegt und uns wirklich ein Jahr Zeit genommen.

Patrick: Platten auflegen ist wo wir herkommen und das haben wir auch erstmal jahrelang gemacht. Wir hatten am Anfang auch schon Projekte mit Booka Shade, das war aber nie zielgerichtet und mit dem Albumformat im Kopf, sondern eher ein Ausprobieren. Und wenn wir einen Sound gefunden hatten, dann war der für uns auch immer mit drei, vier Tracks abgefertigt.

Trotz Hits wie „Body Language“?

Patrick: Auch die Melody Bassline haben wir in drei, vier Tracks benutzt und einer davon war eben „Body Language“. Dann haben alle geschrien: Wow, Electro House! Eine Melody Bassline in einem House Track, das ist das neue Ding! Für uns war es aber in dem Moment eigentlich schon vorbei. Ich erinnere mich an die nächste Studiosession, die war danach hatten. Wenn wir da über die Zweiton-Bassline hinausgegangen sind, hat schon einer Stop geschrieen. Die Suche nach neuen Formen und neuen Sounds war immer unser Antrieb und deshalb wäre ein Album eigentlich viel zu konservativ für uns gewesen.

Wieso war die Zeit jetzt reif?

Philipp: Es war notwendig, ein Kapitel abzuschließen, auch das Body Language-Thema. Wir wollten eine Werkschau haben. Body Language ist noch einmal drauf, aber in einer ganz anderen, fast ironischen Version. Die Melodie ist nachgepfiffen, weil sie halt jeder kennt. Es durfte auch nicht clubtauglich klingen. Natürlich ist dieser Song ein ganz wichtiger Teil unserer Karriere und deshalb mussten wir auch damit abschließen. Wir wollen uns aber nicht wiederholen.

Ist es schwieriger, in der Albumform einen roten Faden zu finden, wenn man über die Jahre so viele verschiedene Einflussgrößen gehabt hat?

Patrick: Das war irgendwie relativ einfach. Selbst wenn die Inspiration einmal Herbie Hancock ist und einmal The Doors, wo man eigentlich denkt, das ist Kraut und Rüben. Wenn das durch unseren Filter gelaufen ist, ist es halt doch beides wieder Deep House. In unserem Kopf ist Alles sehr weit und offen, sobald man es rauslässt, ist es scheinbar doch stark formatiert und es gibt den M.A.N.D.Y.-Sound.

Der Moment, in dem man jedes Wochenende internationale Bookings hat und merkt, das ist ein Fulltime Job, ist bei euch nun schon eine Weile her. Kann man den festmachen?

Philipp: Das erste London Booking war The Key im King’s Kross und ich bin im Nachhinein schon überrascht, wie cool wir geblieben sind. Dort waren damals alle wichtigen Leute: Der Booker von der Fabric, alle möglichen Journalisten und Radiomoderatoren, weil das halt der neue Sound war. Irgendwie hat Alles wie am Schnürchen geklappt. Wir waren aber auch schon lange genug im Musikbusiness und selbstbewusst genug, zu wissen, dass wir gut sind und ganz authentisch auftreten können. Mit Booka Shade und T. hatten wir die Sachen im Monza in Frankfurt schon ewig getestet, und wussten, dass sie funktionieren und dass es etwas Neues, Frisches ist, das uns total begeistert. Wir waren selbst unsere größten Fans.

In der Personalabteilung fällt neben langjährigen Kooperationspartnern vor Allem BAM von den Jungle Brothers auf.

Patrick: Wir wollten unbedingt einen Hip-Hop-Track haben, weil wir mit Hip-Hop damals angefangen haben, aufzulegen. Über einen Kontakt sind wir dann tatsächlich an BAM gekommen. Der arbeitet inzwischen hauptsächlich als Schauspieler, hat aber das Thema Dance auch 20 Jahre lang miterlebt. Was man da im Laufe der Zeit alles mitmacht, durch welche schäbigen Keller man steigt und wo man am Ende wieder ausgespült wird, das war ein schönes gemeinsames Thema und das hat er in Worte gefasst. Er hat sich richtig intensiv mit uns und dem Thema beschäftigt und wir sind mit dem Ergebnis super zufrieden und auch mit dem musikalischen Spagat zwischen House und Techno.

Nun da ihr also euer langjähriges Schaffen im Albumformat abgebildet habt, müsst ihr da überhaupt noch weiter produzieren?

Philipp: Ich glaube sogar, wird sind jetzt erst Recht angefixt. Diese Arbeitsweise ist ein Tunnel und plötzlich hat man unheimlich viele Songs, die man fertig machen könnte. Das ist das Schöne an einem Albumprozess, dass ganz viel entsteht, das jetzt wartet.

Patrick: Am Anfang steht dieses Album wie ein riesiger Berg vor dir, den du erklimmen musst und eigentlich auf der Hälfte der Strecke aufgeben möchtest. Im Laufe des Jahres habe ich aber gemerkt, dass es gar nicht wichtig ist, oben anzukommen. Der Weg ist das Ziel und wenn etwas in diesem Track nicht gesagt wird, dann wird es halt im nächsten Track gesagt. Diese fortwährende Prozesshaftigkeit ist total befreiend.

Philipp: Man hat ja irgendwann einmal angefangen, Musik zu machen, weil man einfach Bock hatte, sich auszudrücken, ohne das Gefühl zu haben, sie muss erfolgreich sein oder bestimmten Leuten gefallen. Die ersten Jahre hat man nur sich selbst Musik vorgespielt und das waren die schönsten Jahre, dieses Amateursein im besten Sinne ist total schön. So gesehen kann man nie nichts mehr zu sagen haben.


M.A.N.D.Y. spielen am 4. Februar im Watergate.
Ihr Album "Double Fantasy" ist bei Get Physical erhältlich.