»Wir sind nicht mehr Anti gegen Alles« – Digitalism

in Interviews/Musik

Mit dem 2007 erschienenen Debüt-Album »Idealism« hatten Digitalism zunächst in Großbritannien bei den Nu Rave Kids Erfolg. Inzwischen rockt das Hamburger Duo als Deutscher Electro-Exportschlager die Clubs und Festivals weltweit.

Digitalism mischen Indie-Rock mit Electro und Techno. Diesen fetten Abfahrt-Sound produzieren die zwei Hamburger Jungs Ismail »Isi« Tüfekci und Jens »Jence« Moelle in einem Bunker. [030] hat nachgefragt. 

Produziert ihr eure Tracks immer noch zwischen dicken Betonwänden und schusssicheren Türen? 

Jens Moelle: Feuerfest sind sie auch. Ja, das ist schön abgeschottet und immer noch derselbe Bunker. Er sieht aber inzwischen ein bisschen besser aus, zumindest von innen, weil wir dachten, dass es mal an der Zeit war, die Wände zu streichen und solche Sachen. Wir haben auch neue Geräte geholt, und jetzt ist dort alles etwas Aufgeräumter. 

Braucht ihr diese Bunker-Atmosphäre für euren Abfahrt-Sound? 

Ismail Tuefekci: Das erste Album haben wir nachts produziert und am zweiten Album haben wir tagsüber gearbeitet. Wir haben uns an den Bunker gewöhnt, sodass wir vielleicht für eine längere Zeit irgendwohin fliegen, um das dritte Album mal woanders zu machen. Das Gute an dem Bunker ist allerdings: Er ist zeitlos und wir sind dort nicht abgelenkt, es gibt keine Fenster, und man weiß nicht, was draußen abgeht.

Digitalism02

Die Kompressoren sind beim neuen Album jedenfalls wieder voll auf Anschlag gedreht. 

Jens Moelle: Ich weiß nicht, ob das am Bunker liegt. Wir finden das einfach cool. Das ist unsere Soundästhetik. Der Bunker ist schon wichtig für unsere Musik. Wenn wir woanders mit einer schönen Panoramasicht produzieren würden, könnte vielleicht etwas Anderes bei unserer Musik herauskommen – wir haben es noch nicht ausprobiert. 

Das britische IDJ-Mag hat euch 2007 als »Disco Party Pogo Punks« bezeichnet. Passt das immer noch? 

Jens Moelle: Das klingt irgendwie nach Kinder-Disco oder Spaßgesellschaft und trifft es inzwischen nicht mehr. Wir sind jetzt nicht mehr wie beim ersten Album anti alles und weltverbesserisch, sondern etwas entspannter und menschlicher drauf. Thematisch geht’s beim neuen Album um Freundschaften und zwischenmenschliche Beziehungen. Als wir angefangen haben, wollten wir zeigen, wo es in Sachen Abfahrt lang geht. Das wollen wir zwar immer noch, haben inzwischen aber auch andere Sachen zu erzählen. 

Das Interview mit Digitalism führte Stefan im Spätsommer 2011

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