»Wir leben auf ner Insel mitten in der Stadt!« – Chefboss im Interview

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Straighte Partymucke von zwei Babo-Frauen aus Hamburg: Tänzerin Maike und Vokalistin Alice sind Chefboss. Choreographie und Partystimmung sind hier ebenso wichtig wie die Dancehall- und Electro-Riddims, zu denen sie uns vom Leben für Träume und für den Moment erzählen. Wir quatschen über gar nicht so einsame Inseln.

„Wir leben auf `ner Insel mitten in der Stadt“, heißt es auf der neuen Single. Wie sieht diese Insel aus?

Maike: Die Insel ist unser Umfeld, die Freunde und kreativen Menschen, mit denen wir arbeiten. Es  geht um das Sommergefühl, das wir in Hamburg haben, wenn wir uns mit ihnen treffen und kreative Dinge machen.

Auch musikalisch könnte man euch als insulares Phänomen beschreiben. Muss man dafür ein Genre haben?

Maike: Eigentlich arbeiten wir einfach nach Gefühl und werden erst im Nachhinein gefragt, was das für ein Genre sein soll. Das ist aber nie der Ausgangspunkt und dadurch wird es etwas Eigenes.

Ein Faible für Dancehall und Afrobeats ist aber wahrscheinlich in eurer Musiksozialisierung vorhanden.

Alice: Auf jeden Fall. Das ist die Mucke, zu der Maike und ich uns getroffen haben und dann immer zusammen auf Party gegangen sind. Auch weil Tanz so eine große Rolle spielt, ist diese Mucke unsere Basis. Wir haben aber viele Einflüsse, seien es die Voguing-Elemente oder Songs, die mehr nach HipHop klingen. Das Alles verbinden wir zu einem Chefboss-Sound.

Seitdem geht Alles sehr schnell. Kaum hatte man euren Namen das erste Mal gehört, wart ihr auf großen Festival gebucht.

Alice: Überheftig. Wir versuchen, die kleinen Steps zu sehen, aber eigentlich kann ich gar nicht in Worte fassen, wie glatt das Alles gelaufen ist, von Video zu Video zu EP zu Festival. Dass wir ohne Vorerfahrung und mit nur einer EP vor solchen Crowds gespielt haben, das darf man eigentlich gar nicht erzählen.

Maike: Alice hatte das aber sofort im Blut. Sie ist für die Bühne geboren.

Tanz und Partystimmung nehmen bei euch neben der Musik eine große Rolle ein. Ist der klassische Audio-Langspieler da überhaupt das passende Format?

Alice: Das haben wir uns auch gefragt. Wir hatten auch anfangs nicht damit gerechnet, mal ein Album zu produzieren. Wir haben aber den Prozess dann sehr genoßen, weil er ermöglicht hat, neue Facetten und neue Themen aufzumachen. Das Album funktioniert derbe. Da haben wir uns selbst nochmal neu kennen gelernt.

Als Girlgroup werdet ihr häufig nach genderpolitischen Statements befragt, die sich in euer Mucke verbergen könnten. Ist das intendiert?

Alice: Wir haben uns das nicht explizit auf die Fahne geschrieben. Maike und ich, aber auch die Frauen in unserem Umfeld sind von Haus aus Frauen, die ihr Ding durchziehen, die zum Beispiel ein Kind haben, aber trotzdem noch Poetry Slams machen. Für uns ist es selbstverständlich, dass man seine Ideen umsetzt und dafür einsteht. Erst wenn solche Fragen kommen, merken wir: Vielleicht ist es gar nicht so selbstverständlich.

Sind Style und Outfits Teil eurer Kunst?

Maike: Auf jeden Fall. Die Outfits waren immer schon Teil meiner Kunst, des Tanzens. Abhängig davon, was man trägt, fühlt man sich anders und bewegt sich anders. Auch das ist für uns ein Ausdrucksmittel und wir stecken viele Gedanken da rein.


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Fotos: Frank Egel