Kriminalität bei Dunkelheit

Wie sicher ist das Nachtleben in Berlin?

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September 2016: Zwischen den Bahnhöfen Sonnenallee und Treptower Park wird ein Mann von drei Jugendlichen in der Berliner S-Bahn brutal zusammengeschlagen. Mit Hochdruck fahndet die Bundespolizei noch immer nach den Tätern und veröffentlichte jüngst gar Videomaterial.

Es sind diese und ähnliche Vorfälle, die sich in Deutschlands Hauptstadt dem Gefühl nach häufen und immer mehr Menschen in Angst und Schrecken versetzen. Dabei nimmt die Kriminalitätsrate in Berlin in vielen Stadtbezirken ab – eine Gewähr der Sicherheit in Berlin vermögen diese Zahlen dem Einzelnen indes nicht zu gewährleisten.

Allgemeine Sicherheitshinweise für das Nachtleben gelten auch in Berlin

Bevor dezidiert die – zumindest oft empfundene – prekäre Sicherheitslage in der Bundeshauptstadt erörtert wird, ist zunächst festzuhalten: Das Nachtleben in Berlin ist, verglichen mit anderen Großstädten der Welt, sicher. Bis auf kleinere Delikte, die genauso gut in anderen Städten zu verzeichnen sind, passiert hier meist nicht viel, schwere Straftaten sind auch in Berlin die Ausnahme, nicht die Regel. Nicht selten kommt es bei den tatsächlich ausgeübten Straftaten jedoch vor, dass eine als besonders extrem empfundene Impulsivität im Spiel ist. Dies zeigte sich beispielsweise auch neulich, als ein schlechter Verlierer seinen Verlust aus einer Berliner Spielbank durch Diebstahl wieder wettzumachen trachtete. Zuvor hatte der 39-jährige Täter Pech bei den Spielautomaten und schlagartig rot gesehen, als auch das Roulette keinen Gewinn einbrachte. Dass Spieler sich selbst nicht gut unter Kontrolle haben, ist leider ein häufiger anzutreffendes Problem. Glücksspiel an Spielautomaten bleibt eben ein Glücksspiel – auch wenn der in dieser Hinsicht sture Berliner dies nicht wahrhaben möchte. Auch deswegen ist es ratsam, einige grundlegende Regeln zu befolgen, wenn man sich aufmacht, das an und für sich unterhaltsame und friedliche Berliner Nachtleben zu erkunden. Um sich selbst optimal vor etwaigen Übergriffen in Berlin zu schützen, können folgende goldene Regeln behilflich sein: 

  • Nachts nicht unbedingt alleine unterwegs sein
  • Stadtteile, die für hohe Kriminalität bekannt sind, sollten gemieden werden 
  • Das Gleiche gilt auch für einsame Parks und dunkle Gassen sowie Nebenstraßen 
  • Zur Selbstverteidigung können beispielsweise K.O.-Sprays mitgeführt werden 

Wo lebt es sich in Berlin am gefährlichsten?

Alle zwei Jahre veröffentlicht die Polizei den sogenannten Kriminalitätsatlas, der in Zahlen ausdrückt, wie es um Kriminalität und Sicherheit in Deutschlands größten Städten bestellt ist. In der aktuellsten statistischen Erhebung zeigt sich: Gefährlich lebt es sich in Berlin insbesondere in Mitte, wobei die Menschen in Marzahn-Hellersdorf, zumindest was die Zahlen anbelangt, kaum kriminelle Übergriffe zu befürchten haben. Vor allem im Regierungsviertel sowie am Kurfürstendamm und in der Nähe des Alexanderplatzes ist das Risiko am größten, Opfer von Kriminalitätsdelikten zu werden. 2015 wurden im Regierungsviertel erschreckende 90.576 Straftaten auf 100.000 Einwohner registriert. Am Kurfürstendamm, dem zweitgefährlichsten Ort in Berlin, waren es bereits 30.000 weniger. Allerdings handelt es sich im Regelfall nicht um Gewalttaten, sondern um Diebstahlsvergehen. Dies soll der Polizei zufolge an den vielen Touristen liegen, die sich hauptsächlich in jenen Regionen aufhalten. Diese böten Taschendieben und Co. nämlich die größten Chancen, an schützenswertes Hab und Gut zu gelangen. Auch dies kann erklären, weswegen die Aufklärungsquote in Berlin zurückgeht. Mit 43,9 Prozent konnte nicht einmal die Hälfte der registrierten Straftaten aufgeklärt werden, eben weil sich Taschendiebstahl nur schwer verfolgen lässt. Denn sobald den Betroffenen der Diebstahl auffällt, sind die Täter meist bereits längst verschwunden. Insgesamt wurden 2015 in Berlin 569.549 Straftaten zur Anzeige gebracht. Im Vergleich zu 2014 ist dies ein Plus von knapp fünf Prozent. Allerdings macht dies keine Aussage über die Sicherheitslage in der deutschen Hauptstadt, besonders nicht über einen Anstieg von Gewalttaten, die sich auf einem niedrigen Niveau befinden und deren Anzahl in einigen Stadtteilen gar rückläufig sind.

Anzahl der Gewaltdelikte nach Stadtbezirk

Gewaltdelikte, Berlin, Nachtleben

Quelle: Polizei Berlin

Taschendiebe und Hütchenspieler tummeln sich auch in der Hauptstadt

Diebstahl des Portmonees, Berlin, Nachtleben
Wenn man kurz abgelenkt ist, besteht die Gefahr, einem Taschendieb zum Opfer zu fallen.

Besonders schwierig ist der Schutz vor Taschendieben, die im Berliner Nachtleben ihr Unwesen treiben. Prädestiniert für die Aktivität derartiger Krimineller ist die Berliner U-Bahn. Hier finden die Täter ein optimales Klima vor, um unbemerkt Wertgegenstände der nichts ahnenden Passagiere zu entwenden. Im dichten Gedränge nutzen sie die meist unübersichtliche Situation aus, die vor allem während des Ein- und Aussteigens gegeben ist. Deshalb gilt für solche Szenarien, dass Wertgegenstände nicht außerhalb, sondern innerhalb der Kleidung, beispielsweise in Innentaschen, verstaut werden sollten. Abgesehen haben es Taschendiebe – wen wundert es – vor allem auf Handys und Portmonees oder, kurz gesagt, auf alles, was sich relativ einfach zu Geld machen lässt. Schon seltener wird direkt Bargeld entwendet, was aber auch damit zu tun hat, dass weitaus weniger Menschen dieses einfach so in der Tasche mitführen. Etwas anders stellt sich die Lage bei den Hütchenspielern da, die in Berlin ebenso anzutreffen sind. Hier kann man sich selbst am besten gegen Betrug und finanzielle Einbußen schützen, indem man erst gar nicht an entsprechenden Spielen teilnimmt. Denn auch wenn kleine Glücksspiele am Straßenrand gewissermaßen auch zum Berliner Flair gehören, dass es hier nichts zu gewinnen gibt, sollte jedem bewusst sein.

Masche mit falschen Polizeibeamten ist perfide Form des Betrugs 

Richtige und falsche Beamte, Berlin
Während in Berlin jede Menge richtige Polizisten täglich ihre Arbeit verrichten, gibt es auch ein paar falsche.

Mit am schwersten kann man sich in Berlin vor falschen Polizeibeamten schützen, wobei diese Gefahr insbesondere deshalb so tückisch ist, weil es sich bei diesen Staatsdienern eigentlich um Personen handelt, die einem nur Gutes wollen und nicht selbst kriminell aktiv werden. Diesen Vertrauensvorschuss, den Polizeibeamte von den Bürgern eingeräumt bekommen, machen sich jedoch explizit die falschen Polizisten zunutze. Sie scheuen dabei keinen direkten Kontakt mit Touristen, sondern halten sich sogar genau dort auf, wo jede Menge auswärtige Personen versammelt sind. Hier ist die Chance für Kriminelle nämlich größer, potenzielle Opfer zu finden. Im Schilde führen die falschen Polizisten den Diebstahl von Bargeld und Kreditkarten, sie sind also letztlich ebenso Taschendiebe, wie die im vorherigen Absatz schon erörterte Klientel. Ein recht effektives und probates Mittel, sich gegen falsche Polizisten zur Wehr zu setzen, ist, sich den Dienstausweis zeigen zu lassen. In Deutschland sind alle Polizisten gesetzlich verpflichtet, ihren Ausweis auf Verlangen vorzuzeigen. Die Polizei selbst gibt ebenfalls Tipps, wie man sich gegen falsche Beamte schützen kann:

  • Wird man von Polizisten zum Verlassen des Autos aufgefordert, dann unbedingt den Schlüssel abziehen. Häufig agieren die falschen Polizisten mit mehreren Personen, um den Wagen zu stehlen.
  • Ist man sich unsicher, kann der Notruf gewählt werden. Auch wenn sich ein falscher Verdacht nicht bestätigen sollte, ist man auf der sicheren Seite. Dieser wird nämlich nicht zur Rechenschaft gezogen.
  • Im Regelfall genügt bereits beharrliches Nachfragen, wenn man sich den Dienstausweis zeigen lässt. Es sollten Foto und Person, Ausweisnummer und Namen kontrolliert werden.

Verhalten bei Straftaten hängt von der Art der Tat und der Situation ab 

Gefahr von Kriminalität, Berlin
Die Anzahl von Straftaten in Berlin ist in letzter Zeit wieder gestiegen.

Eine etwas andere Frage, die allerdings in der Praxis ebenso von enormer Wichtigkeit ist, soll abschließend noch geklärt werden: Wie verhält man sich, wird man Opfer einer Straftat, die sich nicht mehr verhindern lässt? Diese Differenzierung ist vor allem deshalb von so elementarer Bedeutung, weil sich die optimale Vorgehensweise hiernach richtet. Ist man selbst Opfer einer Straftat, kommt es darauf an, um welche Art von Kriminalität es sich dabei handelt. 

  • Ist Gewalt im Spiel, so ist es ratsam, sich selbst zu verteidigen oder aber bei mehreren Tätern die Flucht zu ergreifen. Hier gilt: Bloß nicht den Helden spielen, wenn womöglich gar das Leben auf dem Spiel steht.
  • Handelt es sich um einen Diebstahlversuch, so sollte man selbstverständlich versuchen, diesen rechtzeitig zu verhindern und sich in jedem Fall an die Polizei wenden. 
  • Ist man hingegen nur Zeuge, sollte man immer abwägen, ob man selbst in das Geschehen eingreift oder nicht. Vor Zivilcourage sollte allerdings keiner zurückschrecken, wenn er nicht sein eigenes Leben riskieren muss. 
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