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Koikate: Wenn Kommerz die Kunst ernährt

in Stadtleben

Das Künstlerduo Koikate aus Lea Walloschke und Sebastian König inszeniert seit 2012 Theaterstücke, Performances und Installationen. Mit ihrem selbst gestalteten Raum bei The Haus zeigen sie nun eine neue Seite von sich. Im Interview sprechen sie über ihre Motivationen und erklären, warum sie nichts gegen einen Zusammenschluss von Kunst und Kommerz haben.

Welchen Anspruch habt Ihr an Eure Kunst?

Lea: Wir wollen mit unserer Kunst sichtbar machen, was sonst unsichtbar bleibt. In unserem Raum bei The Haus geht es um Krieg und dessen gesellschaftliche und politische Hintergründe.

Würdet ihr The Haus als ein politisches Projekt bezeichnen?

Sebastian: Es lässt sich zwar nicht parteipolitisch verordnen, aber die Sachen darin sind von Menschen gemacht, die sich über gesellschaftliche Vorgänge Gedanken machen und sich klar dazu positionieren. Die politischen Statements sind oft erst auf den zweiten Blick zu erkennen.

Wie seid ihr auf das Projekt aufmerksam geworden?

Sebastian: Eine Freundin von mir ist schon länger mit den Organisatoren befreundet und hat uns letztes Jahr gefragt, ob wir nicht Lust hätten, mitzumachen.

Ihr bekommt bei The Haus kein Honorar. Was hat euch motiviert, mitzuwirken?

Lea: Zum einen, dass wir uns künstlerisch frei ausleben können und mit vielen verschiedenen Künstlern an einem gemeinsamen Projekt arbeiten. Außerdem wollten wir unsere Kunst gerne einmal in einem Raum ausstellen, in dem die Leute sie in Ruhe erfahren und anschauen können.

Am Ende weicht The Haus 75 schicken Eigentumswohnungen. Scheint fast so, als würde der Kommerz über die Kunst siegen.

Lea: Das ist tatsächlich ein großes Problem. Für Street Art bietet Berlin nur wenig Platz. Deswegen ist es toll, dass sie sich ein so riesiges Haus zurückerobert hat. Schon klar, dass es am Ende die gleichen Räume sind, die der Kunst und Stadt weggenommen werden. 

Sebastian: Die Sponsoren von The Haus haben natürlich auch was davon. Dass die sich mit dem funky Street Art Schild schmücken dürfen, passt in deren Werbekatalog. Klar, dass wir uns da mitverkaufen. Solange uns inhaltlich nicht reingeredet wird, habe ich aber nichts gegen eine Zusammenkunft von Kunst und Kommerz.

Koikate ist eine Plattform für bildende und darstellende Kunst. Mit ihrem The Haus-Projekt #We make Europe Great again wollten sie den Besucher nach eigener Aussage dazu zu veranlassen, vorgefertigte Realitätsmuster zu hinterfragen.

schreibt über Musik und Stadtleben, kann alle Morrissey-Songs auswendig und steht auf verzerrte Gitarre. Interessen: Popkultur, Kunst, Graphic Novels und Musiktheater.