Erst die Live-Reunion,  dann ein neues Album und nun steht am 3. Oktober erneut ein Konzert bevor: Slowdive, die britischen Pioniere des Shoegazing, haben mit „Star Roving“ und „Sugar for the Pill“ Anfang des Jahres die ersten neuen Songs seit „Pygmalion“ vor 22 Jahren veröffentlicht. Wir sprachen mit Sängerin und Gitarristin Rachel Goswell über Fortschrittsgedanken und das Shoegaze-Revival.


Wie klar war Euch bei der Reunion 2014, dass es ein neues Album geben wird?

Das war die erste Sache, über die wir uns unterhalten haben. Wir wollten nicht einfach nur zurückkommen und uns auf unserem Erbe ausruhen, indem wir alte Songs spielen.

Trotzdem vergingen bis zur Fertigstellung Jahre?

2014 war einfach zu viel los. Wir haben gar nicht aufge­hört, Gigs zu spielen. Die nächsten zwei Jahre haben wir uns Zeit genommen, um konzentriert an Songs zu arbei­ten. Am Anfang haben wir einfach los gegejammt.

Welche Herausforderungen gab es?

Alle zur gleichen Zeit ins Studio zu kriegen! Inzwischen leben wir alle verstreut im Land.

Es muss eine sehr persönliche Erfahrung gewesen sein, nach all der Zeit wieder zusammen aufzunehmen.

Absolut. 2016 war intensiv, weil wir wieder in den Court­yard Studios aufgenommen haben, in denen alle anderen Alben entstanden sind. Das hatte ein bisschen was von „back to the roots“.

Der klassische Slowdive-Sound ist in jedem Fall unverkennbar herauszuhören, auch wenn „Star Roving“ das Tempo anzieht.

Ja, Slowdive hat auf jeden Fall etwas Zeitloses, aber unser Shoegaze ist mehr als Nostalgie. Neil hatte viele Vi­sionen, wie wir uns weiterentwickeln können. Etwas mehr Tempo gehörte da definitiv dazu.

Hast Du das Gefühl, es kommt neben den alten Fans auch ein jüngeres Publikum zu den Gigs, das Shoegazing für sich entdeckt?

Tatsächlich sehe ich sehr viele junge Leute. Über die letzten zehn bis fünfzehn Jahre konnte über das Internet jeder auf Slowdive zugreifen.

Erst My Bloody Valentine, dann Swervedriver, nun auch Ride – stehen wir mit all den Reunions nicht vielmehr vor einem echten Shoegaze-Revival?

Das hat mich echt fast schon ein bisschen genervt. »Warum kommen all diese ganzen Bands gerade jetzt wieder?« (lacht) Ich glaube, Swervedriver wären so oder so gekommen, Ride haben ja lange mit sich gehadert und für uns ist es einfach zur richtigen Zeit passiert. Aber vielleicht ist das gerade echt ein Revival.

Zur Band:
Slowdive ist neben My Bloody Valentine und Lush eine der bekanntesten Bands des Shoegaze­-Genres, die zwischen 1989 und 1995 aktiv war. 2014 folgte die Wiedervereinigung. Ihr zweiter Longplayer „Souvlaki“ von 1993 gilt bis heute als Klassiker der Bewegung.

Am 3. Oktober ab 19 Uhr live im Huxley’s.