seit 1994

Thomas Lindner, Mode, 030 Magazin

Thoas Lindner: Emotionen zwischen Mode und Poesie

in Mode/Stadtleben

Thoas Lindner ist Modedesigner. Seit zwei Jahren entwirft er unter seinem gleichnamigen Label Unisex-Mode. Er schreibt poetische Verse und kreiert Skulpturen aus Gips. Drei unterschiedliche Tätigkeitsfelder, die oft eines sind: persönlich.

Thoas Lindner's Atelier befindet sich in einem Altbau im Prenzlauer Berg. Im Erdgeschoss des Seitenflügels. Es ist nicht sehr groß und gefüllt mit vielen Entwürfen, Schnittmustern, Bildern und ein paar Kisten und Skulpturen. Thoas wurde in Potsdam geboren und kam mit ungefähr 19 Jahren nach Berlin. Er ist groß und schlank und trägt seine Haare sehr kurz. Sein Outfit ist komplett weiß. Das ist es nicht nur heute, sondern seit fünf Jahren. Er sagt, dass die Leute deshalb manchmal komisch gucken und deshalb vielleicht etwas verwirrt sind. Gerade ist er in den finalen Zügen, seine aktuellen Entwürfe fertigzustellen und hat die Näharbeiten fast abgeschlossen. Modedesign hat er nicht studiert. „Den Klamottenfimmel hatte ich schon immer, ich bin eher zufällig zur Mode gekommen“, erinnert sich Thoas. Im ehemaligen Berliner Club Kurvenstar am Hackeschen Markt hat er einige Jahre gearbeitet und wurde dort auf seine Sachen angesprochen. „Zu der Zeit habe ich meine Klamotten selbst bearbeitet und wurde irgendwann angesprochen, ob ich diese nicht mal verkaufen wollen würde“, sagt er. „Kurze Zeit später hatte er dann ein Modelabel an der Backe“.

Thoas Lindner, Mode, 030 Magazin
Der Designer Thoas Lindner © Matze Spohn

Wenig später lernte er seine damalige Lebensgefährtin kennen und gründete 2002 mit ihr Butterflysoulfire. Nach der Trennung und der Insolvenz der Marke designt Thoas Lindner nun unter seinem eigenen Namen. Er entwirft Unisex-Mode und empfindet sich nicht als einen riesigen Designtüftler. „Ich habe oft simple Ideen, die teilweise extrem viel Wirkung haben und dabei will ich nicht vorab entscheiden, für wen ich was mache“, sagt er. Das alles habe sich seiner Meinung nach aber auch von allein so ergeben. Vieles macht er aus dem Bauch heraus und lässt sein Gefühl bestimmen, auch wenn es um seine Mode geht. Das tut er immer noch in Berlin. Weil er es mag, hier zu leben und sich nicht wirklich vorstellen kann, an einem anderen Ort zu sein. „Ich bin hier gestrandet und bin sicher auch durch meine aktuellen Lebensumstände und meine zwei Kinder hier“, stellt er fest. Die Arbeit hier, war nicht immer nur schön. Natürlich musste er in der Vergangenheit bereits Kompromisse eingehen. „Ich glaube, ich habe noch nie eine Kollektion gemacht, die komplett fertig war“, sagt er. Für ihn war es immer eine Art Stoppen an einem bestimmten Punkt. Die Entscheidung den eigenen Laden zuzumachen oder keine kompletten Kollektionen mehr zu fertigen ist ihm schon schwergefallen. In Bezug auf seine Arbeit als Designer kann er nur schwer etwas mit der ganzen Oberflächlichkeit und dem Small Talk anfangen. „Meist gehe ich nur kurz auf Veranstaltungen um Hallo zu sagen“, sagt er.  

Kunst als Trauerbewältigung

In all den Jahren, in denen er nun dabei ist, hat sich seine Arbeit verändert, wie er feststellt. „Ich glaube, ich bin ein bisschen exzentrischer geworden. Schon bei Butterflysoulfire war ich viel für die Showpieces zuständig und glaube, dass das meine Nische ist“, erklärt er. Früher schaute er schon mehr darauf, was kommerzieller war. Was ihn für diese Arbeiten inspiriert, kann er schlecht sagen. Er versucht es, bewusst von sich zu halten. Ungern schaut er nach links oder rechts, weil er dann nie sicher ist, ob er fremd inspiriert wurde. „Ich lese allerdings sehr viel und lasse mich davon schon ab und an inspirieren“, sagt er. Das gilt für alle Bereiche, in denen er tätig ist. Diese sind oft entstanden, da er ein Ventil brauchte, um sich abzulenken. So wie vor vier Jahren, als sein Vater starb. In dieser Zeit begann er, Skulpturen zu kreieren. Oft bestehend aus kleinen Puppenköpfen, die aus Gips gegossen werden. „Ich versuche mich möglichst wenig Druck auszusetzen und schaue, wie fühlt es sich gerade an“, sagt er. Die ersten Formen für seine Kunst fand er vor vielen Jahren auf einem Flohmarkt. „Irgendwann sagte dann meine Tochter zu mir, ob ich nicht mal etwas damit machen will“, denkt er zurück. Im Moment recycelt er viel und verarbeitet Sachen, die er findet. Oder benutzt persönliche Gegenstände wie Lamettareste von einer Party, Mitbringsel aus Indien oder alte Spielzeuge. Die fertigen Objekte selbst hat er schon für seine Mode benutzt und somit beide Bereiche miteinander gemischt.

  • Foto ©: Sebastian Pielles
  • Foto ©: Sebastian Pielles
  • Foto ©: Sebastian Pielles
  • Foto ©: Sebastian Pielles
  • Foto ©: Sebastian Pielles
  • Foto ©: Sebastian Pielles
  • Foto ©: Sebastian Pielles

Poesie gestempelt auf Shirts

Zukünftig plant er das wieder. Diesmal aber mit Poesie und Klamotten. Sofern er sich erinnern kann, hat er schon immer viel geschrieben und auch gelesen. So richtig intensiv mit dem Schreiben angefangen hat er aber im Jahr 2013. „Ich habe das Schreiben als Ventil genutzt", erinnert er sich. In dieser Zeit, ging es ihm persönlich nicht so gut. "Durch das Schreiben habe ich mich irgendwie wiedergefunden“, stellt er fest. Er schrieb viel. So viel, dass daraus sein erstes Buch mit dem Titel „Gedanken pro Sekunde“ entstanden ist. Die Gedanken darin sind persönlich, ebenso wie das Fertigen dieser Bücher. Diese stempelt er alle selbst und versieht sie mit Nummern. „Das ist sicher sehr persönlich, aber gleichzeitig hat das auch finanzielle Gründe, weil ich mir nicht extra eine Druckerei suchen muss und mehr improvisieren kann, um die Bücher zu aktualisieren, bis es zu einer endgültigen Version kommt“, sagt er. Denn oft ändert er etwas in den Büchern, weil er die Texte dann nicht mehr als so stark empfindet. Was er feststellen kann, ist, dass er gerade in der Melancholie gut arbeiten kann, gerade wenn es um das Schreiben geht. Seine Gedanken will er zukünftig auf Shirts drucken. „Ich weiß noch nicht, wie das Label heißen soll, aber so ein bisschen will es letzten Endes ein Brand For A Better World sein“, wie er es selbst umschreibt. Bei diesem Projekt arbeitet er aktuell mit Bio-Baumwolle und Bio-Siebdruckfarben. Außerdem spendet er einen Teil des Erlöses verschiedenen karitativen Zwecken. „Wichtig ist es mir, alles verständlich zu halten und ich will einfach sehen, wo das alles hinführt“, sagt er. Er kann sich vorstellen, diese Basics relativ kommerziell anzubieten. „Die Message auf den Shirts ist positiv und das würde ich gerne verbreiten“, erklärt er.

  • Foto ©: Nadine Elfenbein
  • Foto ©: Nadine Elfenbein
  • Foto ©: Nadine Elfenbein
  • Foto ©: Nadine Elfenbein

Für die Zukunft wünscht er sich, dass er irgendwann komplett unabhängig ist. Das bedeutet, dass er nicht mehr auf Einkäufer und Händler angewiesen ist, sondern seine Sachen über seinen eignen Onlineshop vertreiben kann. Auch will er sich ein wenig von den strikten Kollektionen wegbewegen. „Gerade zuletzt habe ich zehn Outfits gemacht, die im Prinzip Wandteppiche sind, die man anziehen kann“, sagt er. In den letzten zwei Jahren hat ihn das klassische Modebusiness doch ein bisschen frustriert, angeödet und gelangweilt. „Die Moral ist am Boden und man muss seinem Geld hinterherrennen“, resümiert er. Dieser freie und kreative Beruf ist letztendlich für ihn auch mit Termindruck belastet. Zum Sommer hin würde er gerne drei vier Outfits anbieten, die auf Wunsch sofort bestellt werden können. „Am Ende gucke ich aber, wie alles zusammenkommt und das macht eigentlich auch Spaß“, sagt er abschließend.  

Latest from Mode

Go to Top