The First Avenger: Civil War – Interview mit Daniel Brühl

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Mit „Good Bye, Lenin!“ erlebte Daniel Brühl seinen Durchbruch. Es folgten Filme wie „Die fetten Jahre sind vorbei“, „Krabat“ oder „John Rabe“. Auch international steht der 34-Jährige regelmäßig vor der Kamera: Ob mit Judi Dench in „Der Duft von Lavendel“, mit Julie Delpy in „2 Tage Paris“ oder mit Brad Pitt in Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“.

Nach seinem Auftritt als Rennfahrer-Legende Niki Lauda in „Rush“ und dem Politthriller „Colonia Dignidad“ von Oscar-Preisträger Florian Gallenberger kommt er nun an der Seite von Robert Downey Jr. und Scarlett Johansson in der Verfilmung des Marvel-Comics „The First Avenger: Civil War“ in die Kinos.

Herr Brühl, als Kind wurden Sie von Ihrer Mutter „Schmeißfliege“ genannt – wie kommt man zu einem solchen netten Namen?

Brühl: (Lacht) Ich war als Kind ein bisschen penetrant. Von Sachen, die mich interessierten, konnte man mich nur schwierig losbekommen – und so kam ich zu diesem Spitznamen Schmeißfliege.

Waren Sie ein Comicfan als Kind?

Brühl: Ich war natürlich ein Comicfan. Vor allem haben mich die Klassiker begeistert, von „Tim und Struppi“ über „Gaston“ bis zu„Asterix“. Auch Moebius fand ich eine Zeitlang spannend, ebenso wie einige der Marvel-Comics – allerdings war ich dabei bislang nicht der große Experte. Erst mit diesem Film habe ich begonnen, dieses faszinierende Universum von Marvel richtig zu entdecken.

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Daniel Brühl als Baron Zemo. Foto ©: Marvel 2016

Fällt die Figur in einem Comic-Film nicht eher eindimensional aus?

Brühl: Keineswegs. Ich habe versucht, meiner Figur eine menschliche Komponente zu verleihen und sie transparent zu machen, damit das Publikum einen Zugang zu ihr bekommt. Das ist kein eindimensionaler Bösewicht, der einfach nur böse ist. Er ist ein geheimnisvoller Typ, bei dem man sich fragt, was er da überhaupt macht. Erst ganz zum Schluss erfährt man, was seine Motivation war.

Endet man nach einem Auftritt in einem Comic-Film anschließend automatisch in einem Computerspiel?

Brühl: Das ist durchaus denkbar, bislang habe ich jedoch noch nichts Konkretes dazu gehört. In einem Computerspiel aufzutreten klingt doch ziemlich cool – und wer denn noch als Spielzeug-Figur in der Junior-Tüte landet, der hat es mit der Karriere wohl geschafft! (Lacht)

Welche Souvenirs nimmt man von den Dreharbeiten solch einer Comicverfilmung mit?

Brühl: Das war schon ein bisschen wie Kindergeburtstag, unter anderem gab es die ganzen vorigen Verfilmungen auf Blu-Ray. Ein ganz besonderes Erinnerungsstück ist der Schlüsselanhänger von Robert Downey Jr., den er selbst entworfen hat, und den er nur ganz wenigen geschenkt hat.

Comic-Verfilmungen machen traditionell enorme Gewinne, bekommt man als Schauspieler ein Stück vom großen Kuchen ab?

Brühl: An den Einnahmen bin ich nicht beteiligt. Dennoch gibt es kein Grund zu klagen: Ich wurde schon sehr fair behandelt.

Wie kommt man überhaupt an eine Rolle in solch einem Film?

Brühl: Kevin Feige, der Chef der Marvel-Studios, kannte meine Filme und wollte mich in London treffen. Bei dieser Begegnung hat er dann gleich ganz konkret über das Projekt und meine Rolle gesprochen – und drei Tage später kam der Anruf, dass mich dabei haben möchte. Bei der Größenordnung des Projektes sowie der Top-Besetzung war das natürlich eine große Ehre und Freude.

Was macht man mit Hollywood-Stars nach Drehschluss am Feierabend?

Brühl: Das Angenehme an den Amerikanern ist diese ganz große Herzlichkeit. Man wird am Set sofort willkommen geheißen und bekommt nie das Gefühl vermittelt, als Außenseiter in der Ecke zu stehen, mit dem keiner spricht. Man hat mich gleich zu Basketball-Spielen eingeladen oder wir sind wir oft gemeinsam ausgegangen. Solche Erfahrungen würde ich gerne wiederholen.

Wie war dann der Dreh mit Scarlett Johansson?

Brühl: Da muss ich leider passen: Wie bei solchen großen Produktionen üblich, darf vorab nichts ausgeplaudert werden, was etwas mit dem Film zu tun hat. Schließlich soll das Vergnügen und die Spannung durch Spoiler nicht verdorben werden.

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Team Cap im Angriffsmodus. Foto ©: Marvel 2016

Ist die Geheimhaltung auf Dauer nicht anstrengend?

Brühl: Es spannt schon etwas an, wenn man ständig im Hinterkopf hat, auf das Drehbuch extrem aufpassen zu müssen und den Laptop nirgendwo liegen zu lassen. Auch jetzt bei Interviews muss ich sehr darauf achten, vom Film selbst nur bloß nichts preiszugeben.

Was wäre die mögliche Strafe?

Brühl: Das will ich lieber gar nicht wissen. Irgendetwas Unangenehmes würde sicher passieren…

Was sind wichtige Qualitäten in Ihrem Beruf?

Brühl: Man braucht Geduld und muss einen langen Atem haben. Es ist schwer genug, die richtigen Entscheidungen zu treffen, umso wichtiger ist es, mit falschen Entscheidungen richtig umgehen zu können. Das erfordert Durchhaltevermögen und Selbstbewusstsein – das merke ich immer mehr.

Mit Ihrem Berliner Tapas-Lokal „Raval“ feiern Sie das fünfjährige Jubiläum. Wird Wirt zur Job-Alternative?

Brühl: Mir macht das „Raval“ unglaublich viel Spaß und ich bin richtig stolz, wenn ich die Einträge in unserem Gästebuch anschaue. Die Reihe der Kollegen, die während der Berlinale zum Feiern vorbeikamen, reicht von Ian McKellen über Benedict Cumberbatch und Michael Fassbender bis zu Audrey Tautou oder Elyas M’Barek. Emma Thompson war sogar so begeistert, dass sie überlegt, in London selbst ihr eigenes Tapas-Lokal zu eröffnen.

[030] Filmkritik: The First Avenger: Civil War

Captain America 3 aka The First Avenger: Civil War läuft ab dem 28.04. in den Kinos.