Diese mysteriös betitelte Künstlerin entzieht sich nicht nur mit ihrem Künstlernamen greifbaren Schubladen. Zwischen Jazz-Rap, Soul und Poetry Slam schießt Noname mitten ins Herz ihrer Lebenswelt.

Die bürgerliche Fatimah Warner wuchs im ehemals „Black Metropolis“ genannten Bezirk Bronzeville in Chicago auf. Bluesmusiker wie Buddy Guy und Howlin’ Wolf prägten ihr Musikinteresse. Als Teenagerin freundete sie sich mit dem jungen Chance the Rapper an – eine Tatsache, die häufig zu Vergleichen führt, die Beiden etwas Unrecht tun. Noname bewegt sich frei zwischen den Stilen. Ihr oldschooliger Hickelkasten-Flow wird immer wieder durch souligen Gesang oder Passagen, die an Slam Poetry erinnern, aufgelöst. Auf ihrem Mixtape-Debüt „Telefone“, das nach Gastbeiträgen für Chance und Mick Jenkins heiß ersehnt wurde, setzte sie sich letztes Jahr ausgiebig mit schwarzer Identität, genauer: weiblicher schwarzer Identität auseinander – ähnlich wie das im selben Jahr schon Alben von A Tribe Called Quest oder der einen Knowles-Schwester eindrucksvoll taten. Wenn Noname aber in „Casket Pretty“ die vielen von Polizisten erschossenen Schwarzen in ihrer Heimatstadt thematisiert, trifft allein der Titel dermaßen ins Schwarze, dass es wehtut. Das Projekt beschreibt sie selbst als das Gefühl, das erste Mal mit jemanden zu telefonieren, an dem man Interesse hat, wobei das Telefonat in ein philosophisches Gespräch über Leben und Tod abschweift.

Live am MI 5.7. ab 20 Uhr im YAAM.

 

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