In unserem Technik-Check widmen wir uns in der Regel Audiohardware und Software. In diesem Fall machen wir mal eine Ausnahme und nehmen uns das Micorsoft Surface Pro 4 vor. Warum? Weil wir den Hybriden zwischen Tablet und Laptop im Rahmen des digitalen DJings ausprobieren wollten, verbunden mit der Frage: Taugt das Gerät im Clubeinsatz mit aktuellen Programmen wie Traktor Pro oder Serato Scratch?

Digitale DJs wissen um die Dringlichkeit eines funktionierenden Rechners. Ein Absturz im Club vor der versammelten Crowd und die Stimmung ist im Arsch. Ob aus Gewohnheit oder ob der weiterführenden Möglichkeiten im mobilen Homestudio (eher ein halbes Argument, geht ja auch mit Windows), die ehrgeizigeren Plattendreher greifen für ihre DJ-Performance auf die Plattform von Apple zurück. Da man aber gewöhnlich ab und zu über den Tellerrand schauen sollte, fanden wir es interessant der Windows Plattform eine neue Chance zu geben. Im Speziellen der aktuellen Surface Pro Linie, die wir in Form des aktuellen Surface Pro 4 mit i7-Prozessor in diesem Kontext getestet haben. Das Convertible ist – neben dem Surface Studio – eines der spannendsten Geräte aus der Windows Familie. Ein vollwertiges Tablet mit Windows 10 Professionell an Bord, Konfigurationen von Mini (Core M3 Prozessor) bis Maxi (i7-Prozessor) und via Tastatur zum Laptop ausbaubar. Vom Stift ganz zu schweigen, der es kreativen Zeitgenossen leicht macht, sich spontan der Zeichenleidenschaft hinzugeben. Einzig, was fehlt ist ein 4G-Modul wie beispielsweise beim vergleichbaren iPad Pro oder dem Samsung Galaxy Tab Pro S. Mit dem Surface Pro ist man immer auf die W-LAN Situation vor Ort oder sein Mobilfunkgerät angewiesen. Im Clubeinsatz könnte das schon stören, wenn man seine Playlist live twittern oder mal schnell noch einen Track downloaden möchte (zugegeben, wer macht so etwas). Abgesehen davon kann man als auf sein Set fokussierter DJ aber damit leben. Als normaler User finde ich bei einem solch kostspieligen Gerät (startet bei knapp unter 900 Euro und geht bis über 2000 Euro) aber schon ärgerlich auf die Mobilität verzichten zu müssen. 

surface pro 4

Schickes Teil. Auf jeden. Aber auch interessant für den digitalen DJ?

Workflow

Da mit Windows Professionell ein vollwertiges – und in der großen Ausführung – auch sehr schnelles Set-up vorhanden ist, kann man die Traktor Software direkt in seiner Gänze installieren. Keine limitierte App-Version, wie beispielsweise beim iPad (wenn diese auch recht spaßig zu handhaben ist). Ist der Installationsprozess abgeschlossen, geht es – nach der Registrierung über den NI-Service-Center – wie üblich über den Set-Up-Wizard weiter. Soundkarte auswählen, Controller, ab geht die Post. Sofern man das dringlichste Problem heutiger Convertibles in den Griff bekommen hat, die limitierten Anschlussmöglichkeiten. Ohne Hub kommen Controller-DJs nicht allzu weit. Ist aber mittlerweile bei kleineren Alternativen, wie dem Macbook oder nicht anders. Auch das ebenfalls geeignete Galaxy Tab Pro S verfügt nur über einen einzigen USB-C Anschluss. Pluspunkt beim Surface Pro: die Interaktion via Touchscreen. Kennt man von der iPad-Version. 

Surface, Traktor

Wurstfinger auf Touchscreen. In der Desktop-Applikation von z.B. Traktor Pro 2 sind die Optionen definitiv etwas zu umfangreich für den reinen Touchscreen-Einsatz.

Natürlich ist das bei der Vollversion vom Gefühl und Handling etwas weniger auf den Punkt, als bei der angepassten App-Version, aber immerhin. Zum schnellen Scrollen durch einen Track reicht das allemal. Wobei man das mit dem D2 oder der S-Serie von NI ja auch recht schnell hinbekommt. Aktueller Trend im digitalen DJ-Segment ist es ja eh den Rechner aus dem Fokus zu nehmen und sich wieder mehr auf das Wesentliche zu konzentrieren. Klappt mit dem Surface natürlich auch ganz gut und sieht dabei sogar schick aus. Insgesamt macht das Microsoft Surface Pro 4 im DJ-Einsatz einen sehr stabilen und zuverlässigen Eindruck. Kein übermäßiges Heißlaufen. Keine Abstürze. Nicht ganz perfekt ist die Usability im Clubkontext mit wenig Abstellfläche. In einem klassischen DJ-Stand (z.B. von Rane) steht das Gerät in Verbindung mit der recht elastischen Surface Type Cover etwas zu wackelig da. Ohne hat man das Problem nicht, aber eben auch nur die Touchscreen-Option. Ich persönlich brauche die nicht, da Mister Controllerism am Start.

Surface Type Cover, Test, Traktor, DJ

Das extra zu erwerbende Type Cover ist für den Laptop-Stand Einsatz im Club eher semi-optimal.

Fazit

Abgesehen vom hohen Preis für das Oberklassegerät, auf die kleinste Core M3-Version würde ich mangels Power für den DJ/Produktionseinsatz verzichten, ist das Surface Pro 4 ein absolut gelungenes mobiles Endgerät. Die Möglichkeit mit der Vollversion von NI Traktor Pro, Serato oder Pioneers Rekordbox zu arbeiten, macht das Gerät aus meiner Sicht auch für ambitionierte DJs interessanter, statt sich via App an iPad abzuringen, weil man gerne Touchscreen Feeling hätte. Für Hobbyplattendreher ist das sicherlich etwas zu kostspielig, aber anderseits hat man mit dem Surface Pro 4 einen Rechner, der in diversen anderen Disziplinen des digitalen Lebens hervorragende Arbeit leistet. Sofern man denn mit Windows arbeiten möchte. Zumindest sollte man mal einen Blick auf das Gerät wagen, bevor man sich hinter seinem Apfel Rechner verbunkert.

Danke an notebooksbilliger.de für die Testgerät-Leihstellung! 

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