Es fing alles harmlos an: Ein Bücherregal und ein Typ im Trenchcoat, der mich anspricht. Erst neulich hat er den gleichen Roman gelesen – sagt er zumindest. Bluffer, denke ich. Schon bietet er ein Treffen an: Morgen oder übermorgen, aber besser morgen. Ein Drink, was ist schon dabei, spottet er, bis ich mich irgendwann frage, ob ich zu paranoid wirke. Also gehe ich darauf ein. Nur ein Drink. Denn was ist schon dabei?

 „Ich möchte mit dir zusammen sein. Ich sehe das vor mir.“, sagt er drei Abende später an der Bar. Alles, was ich vor mir sehe, ist ein Wahnsinniger, der nach der Hälfte des Drinks die Liebe gesteht. Statt zu gehen, lache ich, um das narzisstische Selbstbild nicht zu sehr zu kränken. Zack habe ich seine Hand auf meinem Bein. „Lass sie mal“, findet auch der Barkeeper und hat später seine Faust im Gesicht. 

stalking, Opfer, Hilfe

Verfolgungswahn oder Realität?

Danach kommt, was kommen muss: SMS über SMS. Es tut ihm leid, er weiß nicht was los war. „Ist okay“, schreibe ich. Meine Strategie: Danach einfach nicht mehr melden. Auf die SMS folgen Anrufe. Alle drei Stunden. Drei Tage lang. Die Woche darauf steht er im Supermarkt hinter mir. „Geh weg“, schreie ich, und jeder denkt, ich ticke nicht ganz sauber. Kurz darauf sind die täglichen SMS zurück. „Nervig“, findet die Polizei, aber keine „schwerwiegende Beeinträchtigung.“ „Was soll ich tun?“, will ich wissen. „Wechsel sie einfach den Supermarkt.“

stalking, Opfer, Hilfe

SMS Terror ist erst der Anfang.

Das Ganze ist fünf Jahre her. Was bei mir bleibt, ist ziemlich viel Unverständnis über Supermarkt-Tipps und die Wut  –  vor allem darüber, dass ich nicht mehr in meine Bar gehen kann, ohne mich ziemlich zu schämen. Dass die Sache auch anders ausgehen kann, wird  mir immer erst bewusst, wenn ich zufällig Schlagzeilen wie „Stalker sticht Frau nieder“ aufschnappe. Deshalb: Im Zweifelsfall die Situation nicht unterschätzen und lieber Hilfe suchen, die dazu beiträgt, die Täter*innen zu stellen.

Hilfe bei Stalking bietet die Berliner Detektei Lentz