Berlin, Bausa, Dreifarbenhaus

»Schönes und Hässliches zusammenbringen« – Bausa im Interview

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Melodische Sounds sind im Rap-Geschäft der Zeitgeist. Bausa klingt ein bisschen eigenständiger: Seine Einflüsse sind Soul und R’n’B. Als wir uns treffen, liegt der Mann mit der rauen Stimme sichtlich verkatert mit Sonnenbrille auf der Couch. Beim entspannten Talk über die Liebe, Musik und die Liebe zur Musik taut er ein bisschen auf.

Lass mich raten: Du bist im Studio an den Produktionen stark beteiligt.

Immer. Ich bin niemand, der Beats pickt und darauf schreibt. Dabei habe ich zu wenig Einfluss auf das Endprodukt. Ich gehe immer mit den Produzenten ins Studio, spiele oft auch selbst die Chords ein, mache dann darauf die Toplines und die Produzenten bauen das dann fertig. Beats picken und 16 Bars schreiben mag für manche okay sein, aber für mich ist es nichts. Ich habe dabei zu wenig Einfluss auf das Endprodukt.

Der Titel „Dreifarbenhaus“ klingt an sich malerisch und positiv. Tatsächlich ist es der Name eines Bordells in Stuttgart.

Genau so ist das gewollt. Außerhalb von Stuttgart weiß niemand, was das Dreifarbenhaus ist. Wenn Leute den Titel das erste Mal hören, klingt er für sie schön. Erst wenn sie sich näher damit beschäftigen, merken sie, was dahinter steckt. Genau so ist es mit der Musik auch. Es geht um Kontraste, darum, Schönes und Hässliches zusammenzubringen.

Auf dem Album taucht mehrfach Unmut darüber auf, dass Frauen im Studio stören und Arbeit und Liebe nicht so leicht in Einklang zu bringen sind. Ist das aus deinem Leben gegriffen?

Voll. Der Lifestyle und etwas Festes, etwas Ernsthaftes, das man versucht, mit einer Frau aufzubauen vertragen sich nicht gut. Es ist nicht unmöglich, aber sehr schwierig. Ich glaube, wenn man älter und ruhiger wird, wird Monogamie auch irgendwann wieder Thema. Wenn man zum Beispiel Kinder haben will, geht es nicht anders. Ich halte nichts davon, Kinder allein großzuziehen. Jetzt ist aber erstmal die Performance gefragt. Da müssen die Weiber warten.

Du bist als Opening Act mit RAF Camora und Bonez MC unterwegs gewesen. Wie war es für dich, solche großen Hallen zu spielen?

Das war eigentlich das Beste, was mir passieren konnte, denn die Live-Performance ist mir sehr wichtig. Wie man sich vor Leuten verhält und seine Musik auf einer Bühne rüberbringen kann, macht für mich einen Musiker aus. Das direkt in dieser Dimension auszuprobieren, war eine sehr wertvolle Erfahrung.

Ist das gerade eine Herausforderung, wenn man mit vielen Effekten auf der Stimme arbeitet?

Das ist eigentlich total einfach. Viele bekommen es nicht hin, weil sie dumme Idioten sind. Vom Auftreten mit DJ möchte ich eh weg. Ich möchte gerne sofort mit Band auftreten. Wir haben noch nicht die Mittel, richtig groß aufzufahren. Bisher sind es ein Gitarrist, ein Drummer und ein DJ. Wir werden also Live-Band und Backing Track mischen. Es soll aber zumindest schon mal das Feeling einer Live-Band entstehen. Sobald man es finanziell stemmen kann, soll die Band dann auch wachsen. Fünf Mann und Background-Sängerinnen wäre ein Traum.

Woher kannten dich Fans hauptsächlich, bevor die Promo für das Debütalbum begann?

Hauptsächlich vom Capo-Album 2013. Darauf sprechen mich noch viele an. So richtig geht es aber erst jetzt los und die meisten Leute werden erst jetzt auf mich aufmerksam.

Hätte man dich damals weiter mit dem Generation Azzlack-Camp hochgezogen, würde das heute noch musikalisch zusammenpassen?

Nein. Deswegen haben wir uns damals gemeinsam dagegen entschieden. Die machen ihren Straßenrap, den ich feier. Ich feier die Jungs alle, mache auch gerne Musik mit denen, hänge gerne mit denen ab. Letztendlich ist es aber doch zu unterschiedlich.

Wem ist der Song „Weit weg“ gewidmet?

Meinem Vater. Der ist vor zwölf Jahren gestorben und ich hatte ihm noch nie ein Lied gewidmet. Ich habe es immer wieder versucht, aber wenn man so etwas schreibt, dann muss es sich wirklich fertig und gut anfühlen. Das war vorher nie der Fall.

Bist du Perfektionist, wenn du an einem Song arbeitest?

Es kommt auf den Song an. Wenn es ein ernster Song ist auf jeden Fall. Bei Partysongs kann man auch mal sagen: „Bei dem Take habe ich gelallt, aber scheiß drauf, es ist witzig!“

Obwohl du sehr gut connected bist, findet sich außer Lativ kein Feature auf dem Album.

Er war der Einzige, der auf jeden Fall drauf musste, einfach weil er schon immer dabei ist und wir ewig zusammen Mucke machen. Ansonsten wollte ich mich mit meinem Debütalbum nicht an anderen Namen hochziehen. Ich hätte jeden drauf haben können. Es soll aber ganz für mich allein stehen.


dreifarbenhaus-bausaBausa – Dreifarbenhaus
VÖ: 21.4. / Warner Music
Online erhältlich: iTunes / Amazon