Robin Höhn arbeitet als Model. Darüber hinaus ist er auch Tänzer, Choreograf und Schauspieler. Mit seiner Stimme will er Menschen davor warnen, sich dem übermäßigen Drogen- und Alkoholkonsum hinzugeben.

Schon als kleiner Junge merkte Robin, dass er mehr von großen Künstlern und deren Shows angezogen wurde. Spielplätze interessierten ihn nicht so sehr. Die Leidenschaft für den Tanz trat zuerst in sein Leben, weil er von den Leuten auf der Bühne oder im Fernsehen angetan war und stundenlang zuschauen konnte. „Ich war so vom Tanzen begeistert, weil man da so viel reinlegen kann und sich jede Art von Emotionen ausdrücken lässt“, sagt er. „Mich haben aber neben dem Tanzen auch alle anderen Arten angesprochen, in denen man sich künstlerisch ausleben kann. Geboren und aufgewachsen ist Robin 1993 im bayerischen Coburg. Einer mittelgroßen Stadt, die zum Regierungsbereich Oberfranken gehört. Vor vier Jahren bewarb er sich auf einen Castingaufruf, um sich als Model zu probieren. „Ich wusste damals nicht, ob das Modeln was für mich ist und ob ich überhaupt Chancen habe, neben den anderen Teilnehmern zu bestehen“, erinnert er sich. Doch er bekam den Job und stellte schon während des anschließenden Shootings fest, dass er das gerne weiterverfolgen möchte. Dem Modeln ist er bis heute treu geblieben, genau wie seiner ehrenamtlichen Tätigkeit bei der Suchtberatungsstelle vom Blauen Kreuz. Um gegen Drogen- und Alkoholmissbrauch aufmerksam zu machen.

Heruntergespielte Sucht

Damit angefangen hat er 2003. „Meine Mutter war alkoholkrank und ich weiß, was Drogen und Alkohol anrichten können“, sagt er. Es selbst war Co-Abhängiger seiner Mutter während dieser Phase. Seit 13 Jahren ist sie jetzt trockene Alkoholikerin. Diese persönlichen Erlebnisse waren ausschlaggebend, dass er seinen Teil zur Aufklärung beitragen wollte und zeigen möchte, dass es ok ist wenn man komplett auf diese Suchtmittel verzichtet. Seine Stimme nutzt er, indem er die Möglichkeit hat, ab und an in der Öffentlichkeit zu stehen und durch Auftritte oder Interviews auf dieses schwierige Thema aufmerksam zu machen. „Ich finde es wichtig, offen damit umzugehen, weil Alkohol immer mehr von der Gesellschaft angesehen wird und für viele Menschen zur Normalität gehört“, stellt er fest. Allgemein betrachtet wird für ihn das Thema Sucht weniger ernst genommen oder unter den roten Teppich gekehrt. „Ich finde es wichtig, dass Menschen mit einem Problem wissen, dass sie nicht alleine sind und es keine Schande ist, sich Hilfe zu besorgen“, sagt er. Er weiß aus eigener Erfahrung, wie es ist, wenn eine Droge das komplette Leben auf den Kopf stellt. Sicher sieht er ein, dass er niemanden beschützen kann und jeder seine eigenen Entscheidungen trifft. „Sich jedoch zu berauschen ist vielleicht oft die schnellste und erstbeste Lösung, aber macht garantiert alles nur noch schlimmer“, betont er. Nun arbeitet er als Model. In einer Welt, in der viele Partys gefeirt werden und der Alkohol oft in Strömen fließt. Doch nicht nur auf Partys, sondern auch während der Shows oder Backstage. Für ihn eine spannende Welt, weil sie eben auch unheimlich inspirierend sein kann. Gleichzeitig aber auch düster und einsam. Der ständige Druck und der Konkurrenzkampf unter den Models und den Designern ist oft nicht so einfach auszuhalten. „Jeder will besser, dünner, kreativer oder beliebter sein, als der andere“, sagt er. Das Geschäft ist für ihn eigentlich ein Platz für kreative Köpfe, die gemeinsam etwas entstehen lassen. „Es ist traurig, wenn man das irgendwann vergisst und auch schade, wenn man nur noch verbissen von Casting zu Casting rennt und den Spaß an der Sache verliert“, sagt er. Das im Modebusiness viel zu Drogen und anderen berauschenden Mitteln gegriffen wird, ist kein Trugschluss. Zwar gibt es Veranstalter, die Alkohol in Maßen anbieten und auch Gäste, die diesen verantwortungsbewusst konsumieren, aber eben auch das komplette Gegenteil.

Robin Höhn, Fair Enuff, Model, Mode, 030 Magazin

Foto ©: James Herndon

Druck und Rechtfertigung

Die Gründe für diesen gesteigerten Konsum innerhalb dieses Kreises können ganz unterschiedlich sein. Robin denkt, dass viele Menschen einfach nicht so gut mit dem Druck und der Oberflächlichkeit zurechtkommen. „Um am Ball zu bleiben, ihr Selbstbewusstsein zu pimpen oder um einfach nur zu funktionieren greifen viele Menschen zu Alkohol“, sagt er. Er selbst ist immer sehr traurig, wenn er sieht, dass Menschen abstürzen und die Kontrolle über sich selbst verlieren. Dabei spielt es keine Rolle ob in der Modewelt oder im richtigen Leben. Auch ihm wurden schon Drogen angeboten. Keine harten Sachen, meist Alkohol oder Marihuana. Die Shootings, die er absolvierte, liefen meist alle sehr professionell ab. „Wenn ich ablehne, sage ich höflich, dass ich keinen Alkohol trinke und auch nicht Anderweitiges konsumieren möchte“, erklärt er. Dafür musste er sich in der Vergangenheit oft rechtfertigen und Fragen nach dem „Warum denn nicht?“ beantworten. Für ihn ist es anstrengend, wenn seine Entscheidung nicht akzeptiert wird, oder er immer und immer wieder gefragt wird. „Tragisch finde ich, dass man sich heute oft rechtfertigen muss, dass man nichts trinkt, anstatt sich zu rechtfertigen, dass man eventuell zu viel trinkt“, stellt er fest. Er arbeitet hauptsächlich in Deutschland, wenngleich auch hier schon viele Modestrecken und Kampagnen fürs Ausland produziert wurden. Von Kollegen hat er, was das Thema Drogen angeht, schon viele abschreckende Beispiele aus anderen Ländern gehört. „Ich schätze, dass es im Ausland nicht viel anders sein wird, als auf dem deutschen Markt, denn schließlich gibt es überall Druck und angreifbare Menschen, die schnell zu Suchtmitteln greifen“, sagt er.

FAIR ENUFF!  Foto © Jutta Punken

FAIR ENUFF! Foto © Jutta Punken

Elektro-Funk als Stimme

Drogen und Alkohol gehören eben zur Modewelt. Er hat trotzdem unheimlich Spaß daran, auch wenn man aktuell hauptsächlich über Likes oder Social-Media-Erfolge beeindrucken kann und das seiner Meinung nach alles überhand genommen hat. Beim Modeln kann er in unterschiedliche Rollen schlüpfen und komplette Konzepte mit einem Team umsetzen. „Vor der Kamera zu stehen, macht mir riesigen Spaß und außerdem darf ich viele interessante Menschen aus der ganzen Welt kennenlernen und mit ihnen arbeiten“, sagt er. So einen interessanten Menschen traf er auch 2003. Doch das war abseits von Shootings oder Events, sondern während seiner ehrenamtlichen Arbeit beim Blauen Kreuz. Diese Person war Elisabeth Funk. Mit ihr traf er eine Frau, die wie er die Liebe zum Thema Tanz, Musik und den gleichen Ansichten teilt. „Ich habe immer gewusst, dass ich mal mit Elisabeth auf der Bühne stehen werde und so gründeten wir 2012 das Elekrto-Funk-Duo FAIR ENUFF!“, erinnert er sich. Auch bei diesem Projekt widmet er sich dem Thema Drogen und Alkohol. Gleichzeitig sprechen sich die beiden Künstler zusammen gegen Tierquälerei und Menschenrechte aus. „Es ist schön, dass wir mit unserer Passion Herzensangelegenheiten ansprechen können und durch unsere Beats und die Performance auf die benannten Themen aufmerksam machen können“, sagt er. Robin würde vieles ändern, wenn er könnte. Für ihn persönlich wäre es toll, wenn er mit seiner Stimme weiterhin Menschen überraschen, schocken oder entertainen kann. „Ich hoffe, dass ich selbst weiterhin an Situationen wachse und stärker werde und das Leben in vollen Zügen genießen kann, denn um glücklich zu sein, braucht es oft nicht viel“, sagt er. Schon gar keine Drogen und Alkohol.