Recht auf Menschenrecht – Interview mit Katharina Kowalewski

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Katharina Kowalewski hat viele Gesichter – sie spielt die Hauptrolle Julia in »Hotel Amour«, Schwester Anna in »Sweet Focus« oder die traurige Carol im Drama »Kriegskind«, sie ist die Verdächtige und Schlangentänzerin Olga in „SOKO Stuttgart: ZIRKUS FRATELLIN“ und Elena, eine Polin, die für Ermittlungen in der SOKO-Serienfolge »IN VINO VERITAS« maßgebende Hinweise liefert, sie spielt die Frau von Hans-Jürgen Soehring (Ken Duken) in „Arletty“ und in Nadia Szolds »Joy de V« die taffe Ava, die sich nicht bestechen lässt. Ihre nächste Rolle, für die sie gerade vor der Kamera steht, ist Catherine, die in „The Frozen Sea“ durch die Zeitgeschichte reist. Eine wandelbare Schauspielerin, die außerdem auch als Moderatorin und Regisseurin tätig ist.

Katharina Kowalewski studierte TV-Journalismus an der Sorbonne in Paris sowie an der FU Berlin. In Deutschland kennt man die facettenreiche Schauspielerin beispielsweise aus der ZDF-Fernsehserie „SOKO Stuttgart“ oder der Kriminalfilmreihe „Polizeiruf 110“. Vergangenes Jahr war sie in „Arletty“ im französischen Fernsehen zu sehen. Neben Frankreich verschlug es Kowalewski auch über den großen Teich nach Amerika, wo die schlanke Blondine derzeit Kinofilme dreht und eigene Filmprojekte umsetzt. Vom ersten Augenblick unseres Gespräches wirkt die aufgeschlossene Schauspielerin sympathisch. Sie ist eloquent, gut gelaunt und könnte – denn Kowalewski ist multilingual aufgewachsen – die Antworten auf meine Fragen in vier verschiedenen Sprachen geben. Mit der Schauspielerin unterhielt sich Sofie Flurschütz.

Katharina, wie bist Du eigentlich zur Schauspielerei gekommen?

Das war ein absoluter Zufall und gar nicht geplant! (lacht) Ich begann gerade an der Sorbonne in Paris meine Magisterarbeit zu schreiben, wollte eigentlich Professorin werden und an der Uni bleiben. Beim Gassi gehen mit meinem Hund ging ich damals immer an einer Schauspielschule vorbei und kam eines Tages mit den Schauspielern von dort in Kontakt. Ein Jahr lang sah ich ihnen zu, spielte mit und entschied mich dann die Einschreibe- Formulare auszufüllen und zu einem Vorsprechen zu gehen. Was zunächst nur nebenbei als Hobby gedacht war, entwickelte sich im Laufe der Jahre zu meinem Beruf, der mich bis heute fesselt.

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Foto ©: Philipp Mueller

Im April warst Du in der Jury von dem 12. New York Polish Film Festival. Mit welchen Gefühlen blickst Du auf Ihre Tätigkeit als Jurymitglied zurück?

Ich war total begeistert! Es war eine großartige Erfahrung. Zum einen war es das Jahr von Kieślowski, meinem Lieblingsregisseur, das heißt neben den nominierten Filmen liefen auch zahlreiche alte Kieślowski Filme. Zum anderen hatte ich durch meine Jurytätigkeit die Möglichkeit, in kürzester Zeit unglaublich viele tolle Filme sehen zu können, wie zum Beispiel das Drama „Body“ von der Regisseurin Małgorzata Szumowska, das auch schon auf der Berlinale preisgekrönt wurde. Das Polish Film Festival hat die Intention, auf Filme aufmerksam zu machen, die ein internationales Publikum ansprechen. Ich persönlich habe zu polnischen Filmen einen ganz besonderen Bezug, da ich bis zu meinem siebten Lebensjahr in Polen gelebt habe.

Als Pariser Korrespondentin für das Oyster Magazine hast Du Persönlichkeiten wie Carine Roitfeld interviewt. Wer war die spannendste Person, die du bisher getroffen hast?

Ich bin ein großer Fan von Karl Lagerfeld. Er redet gefühlt fünf Mal schneller als andere Menschen! (lacht) Ich mag was er macht und wie er seine Visionen ausdrückt. Er lebt seine Kreativität ohne Grenzen aus und ist eine große Inspiration für mich.
Eine andere unglaublich spannende Person ist die Sprachwissenschaftlerin Julia Kristeva. Ich habe mit ihr für das Magazin „Fräulein“ ein Interview geführt und über Philosophie, Feminismus, Religion und Liebe gesprochen. Das war ebenfalls ein sehr inspirierendes Gespräch!

Du hattest bereits die Gelegenheit mit Jessica Alba zu arbeiten. Wie war es dabei Regie zu führen?

Es war eine sehr angenehme Zusammenarbeit. Wir haben für „braun“ zum Thema Frauen Empowerment gedreht und es hat unheimlich viel Spaß gemacht. Jessica Alba ist extrem professionell, sofort hellwach, wenn die Kamera anspringt und gibt immer hundert Prozent. Selbst wenn sie jetlagged war – denn wir haben ja in Berlin gedreht – war sie stets top fit und es waren keine Wiederholungen erforderlich. Das hat mich wirklich beeindruckt!

In „Hotel Amour“ sowie im Kurzfilm „Downtown Motel“ übernahmst Du die Rolle der Schauspielerin, Regisseurin und Produzentin. Du nimmst Projekte offensichtlich gerne selbst in die Hand?

Ja, sehr gerne! Natürlich erfordert es weniger Aufwand sich nur auf eine Tätigkeit konzentrieren zu müssen, aber ich übernehme gerne die Gesamtverantwortung für ein Projekt. Allerdings muss ich dann auch akzeptieren, dass manche Projekte mehr Zeit in Anspruch nehmen und viel Geduld verlangen, wenn man sie selbst organisiert oder die Bücher dazu schreibt. Auch wenn ich inzwischen versuche manche Dinge abzugeben, ist es mir nach wie vor wichtig, mich künstlerisch entfalten zu können.

Aktuell drehst Du den Independent Film “The Frozen Sea” von Alvin Case in Boston. Der Film handelt vom Zeitreisen. Dass Du im Film so viel reist, passt ja gut zu Deinem wahren Leben. Neben Berlin bist Du auch in Paris, New York und Los Angeles zu Hause. Wo fühlst Du dich zu Hause?

Ich versuche momentan weniger zu reisen und Wurzeln zu schlagen. Es ist also nicht so, dass ich ein Jetset Leben führe, sondern ich reise wirklich nur dann, wenn ich an den jeweiligen Standorten einen Dreh oder andere Projekte habe. Ganz geerdet zu sein und ein festes Zuhause zu haben, gefällt mir, denn ich mag Ruhe und Routine, ein geordnetes Leben. Wenn man immer so viel unterwegs war wie ich, kommt also irgendwann auch mal die Phase der Sesshaftigkeit (lacht).

Im Juli erscheint der Kinofilm “Joy de V” mit Dir als Ava, Claudia Cardinale und Joséphine de La Baume. Worüber handelt der Film?

“Joy de V“ handelt von einem Mann, der andere Menschen bewusst täuscht. Er tut das zu seinem Vorteil und nicht immer legal. Seine Frau verlässt ihn. Er läuft durch New York und trifft auf verschiedene Menschen, darunter viele Frauen, die er versucht auszutricksen und zu benutzen. Auf Ava trifft er im Gesundheitszentrum, sie arbeitet dort und er versucht über sie an Checks zu kommen. Trotz seiner Bestechungsversuche bleibt die taffe Ava standhaft und händigt ihm keine Checks aus. Bei ihr ist er erfolglos …

Welche Projekte stehen bei Dir an?

Kowalewski: Ich bin momentan sehr darauf bedacht, meine eigenen Projekte zu verwirklichen. Gerade arbeite ich beispielsweise an einem Kurzfilm, den ich gemeinsam mit meiner Schwester Kamila umsetze. Der Film thematisiert die Flucht und Vertreibung unserer Großeltern, es geht also auch um unsere Wurzeln. Es ist eine sehr emotionale Geschichte, denn in den Aufnahmen erzählen unsere Großmutter und ihre Schwester davon, wie ihre Väter und Männer umgebracht wurden und wie sie umsiedeln und sich zwei Jahre lang in Wäldern verstecken mussten. Außerdem ist auch ein Treffen mit der „Shoah Foundation“ in Planung, einer gemeinnützigen Organisation, die von Regisseur Steven Spielberg gegründet wurde und Berichte von Zeitzeugen und Überlebenden des Holocaust archiviert, um sie den nachfolgenden Generationen als Unterrichts- und Ausbildungsmaterial zugänglich zu machen. Ich finde diese Art Film sehr wichtig, um die Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und sich auch mit der eigenen Herkunft zu beschäftigen. Das Thema Menschenrechte ist so bedeutend und nach wie vor aktuell. Ich hoffe, je mehr wir uns damit auseinandersetzen, desto eher realisieren wir, dass jeder das Recht auf Menschenrecht hat und wir bei der Umsetzung alle an einem Strang ziehen müssen.

Foto ©: Philipp Mueller