Glass Animals, How to be a human being, Dave Bayley, Saba, Interview, Feature, 030 Magazin, Indie, hipHop

Glass Animals: Raus aus dem Dschungel

in Musik

Vorbei sind die schwummrigen Pooh-Bear-Tage. »How To Be A Human Being«, fragen sich die Glass Animals aus Oxford auf ihrer zweiten LP – eine bildmächtige, poppige Konzeptplatte. Nun kommen sie damit erneut auf Tour.


Es sind sonderbare Geschichten, die die Glass Animals auf "How To Be A Human Being“ erzählen. Mayonnaise essende Stoner, Codein missbrauchende Loner, Waffen besitzende Psychos – der reinste Wahnsinn. Man nehme „Season 2 Episode 3“ – die Vertonung eines Nintendo-Games, in dem den ganzen Tag vor dem Fernseher gekifft, Mayonnaise aus dem Glas gelöffelt und gezockt wird. Unweigerlich drängt sich da die Frage auf, was das alles mit Sänger und Songwriter Dave Bayley zu tun hat? Die Antwort: Selbstverständlich nichts.

Unterwegs als Undercover-Reporter

Vielmehr hat Bailey andere Leute abgelauscht. Die Ideen für die Songtexte sammelte er auf den Touren zum Debütalbum "Zaba". »Wir waren in vielen Städten und haben absurde Geschichten mitbekommen. Einige Begegnungen haben mir unglaublich Privates anvertraut. Sie dachten, sie sehen mich nie wieder. Anderes habe ich zufällig mitbekommen. Gespräche an der Supermarktkasse oder Party-Smalltalk«, erzählt er. Was keiner von ihnen wusste: Bayley nahm die Anekdoten klammheimlich auf.

Der Drehbuch-Ansatz

Aus den Audioschnipseln entwarf er anschließend elf Charaktere – vom schmierigen Gigolo mit Goldkettchen bis hin zur übergewichtigen Dame auf dem Cover. Elf Charaktere für jeden der elf Titel des Albums. »Ich habe mir einfach ausgemalt, wie jeder dieser Menschen individuell drauf sein könnte und wie sein Leben klingen würde.“ sagt Bayley. So verwundert es auch kaum, dass „How to be a human being“ eigentlich eine Konzeptplatte ist und doch jeder Song für sich alleine stehen kann. 

Neue Massentauglichkeit

Mit dem verführerisch-bedrohlichen Dizzy-Woozy-Dschungel-Sound von „Zaba“ hat das wenig gemein. War das Vorgängeralbum mit lassiv langsamen Tönen noch im Trip-Hop verwurzelt und assoziativ veranlagt,  geht es nun in Pop-Manier aufdringlicher zu. Glass Animals bleiben bei verschrobenen Sound-Effekten, doch die Synthie-Riffs ihrer R’n’B-durchtränkten Tracks kommen hochglanzpolierter daher, die Lyrics eindeutiger. »Schon«, meint Bailey, »Obwohl ich viel Hip-Hop gehört habe. Live hat das Ganze einen anderen Charakter«. Wenn das so ist, darf man gespannt sein.

Live am DO 27.4. ab 20 Uhr im Astra

Foto: © Neil Krug 

schreibt über Musik und Stadtleben, kann alle Morrissey-Songs auswendig und steht auf verzerrte Gitarre. Interessen: Popkultur, Kunst, Graphic Novels und Musiktheater.