Pop-Kultur-Festival 2017 – Wohin am besten?

in Musik

Im Berliner Osten geht das interdisziplinäre Spektakel Pop-Kultur vom 23. bis 25. August in die dritte Runde – und hält einige Neuheiten bereit.

Nach dem Berghain und Neukölln zieht das Festival auf das Gelände der ehemaligen Schultheiß-Brauerei im Prenzlauer Berg – heute Kulturbrauerei. Über 70 Konzerte, DJ-Sets, Talks und Filme laden zum Sinnieren über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Pop ein. Mehr noch: Über die Tage sollen neue Kreativräume erschlossen und klassische Rollenbilder überdacht werden. Um die Arbeitsgrenzen in diesem Jahr zu erweitern, setzen die Macher neben dem herkömmlichen Programm auf die Eigenproduktion „Commissioned Works“, die Auftragswerke in Zusammenarbeit mit diversen KünstlerInnen zeigt. Und noch etwas ist neu: Neben dem übergreifenden  Festivalpass gibt es dieses Mal auch Tagestickets an der Abendkasse. Doch gar nicht so leicht, bei all dem den Überblick zu behalten. Wir sind gerne behilflich und stellen unsere Tagesplanungen vor.

Wohin am besten?

Mittwoch, 23.8.

Darkstar & Cieron Magat (19:00 – 20:00) ist unsere erste Adresse. Zwei Jahre ist es her, dass das britische Duo das Album „Foam Island“ veröffentlicht hat – eine wunderschöne, zeitgenössische Electro-Pop-Platte, die das zugespitzte soziale Klima in den nordenglischen Kleinstädten dokumentiert. Die Musikvideos dazu stammen von Regisseur Cieron Magat, mit dem die beiden nun das visuelle Gedicht „Safe“ entworfen haben, basierend auf einer vierjährigen Recherche, neuen Stücken und einem neuen Magat-Film. Sophia Kennedy (19:40 – 20:20), die kürzlich ihr selbstbetiteltes Debüt auf DJ Kozes Pampa Label veröffentlicht hat, steht als nächstes auf der Liste. Die in Baltimore aufgewachsene, in Hamburg wohnhafte Filmstudentin paart klassisches Songwriting mit elektronischer Raffinesse. Daraus entstehen clubaffine Pop-Tracks, die mit R’n’B, Orgelmelodien, Dubstep und Halleffekten spielen.  Den Tagesabschluss macht bei uns Abra (22.50 – 0.00). Vintage-80er-R&B meets kühle Beats und Bedroom-Pop-Ästhetik. Übrigens: Für’s Festival performt sie ihre neuen Songs mit einem digitalen Avatar.

Donnerstag, 24.8.

Der zweite Tag ist kniffelig, können wir uns doch einfach nicht entscheiden. Ein Talk ist angesagt: »Die drei Stufen musikalischer Subjektivität im Post-Internet-Zeitalter« (21:00 – 21:40) –  mit Musiker Tom Krell alias How To Dress Well und dem Autor und Kritiker Jens Balzer. Mit Musikvideoclips  und Krells Falsett erforschen sie die Seele der Pop-Musik im Zeitalter des Cyberspace. Doof nur, dass Jessica Pratt zur gleichen Zeit ihre psychedelischen Pickings und fein säuberlich geschichteten, dramatischen Harmonien zum Besten gibt. Einfacher fällt die Entscheidung im späteren Verlauf: Die Schottin Anna Meredith  (23:20 – 00:20) möge uns bitte mit ihrem Spaceship-ähnlichen Synthesizern und wilden Akustik-Instrumentierungen des 2016er-Debüts „Varmints“ in andere Galaxien führen.

Freitag, 25.8.

Er ist nicht nur ein Teil der Stuttgarter Post-Punk-Band Die Nerven, nein, er produziert auch die Großen der deutschen Szene wie Drangsal. Tausendsassa Max Rieger hat im Pop-Business gut zu tun und oben drauf mit All Diese Gewalt (21:30 – 22:20) sein ganz eigenes Projekt. Das Debüt „Welt in Klammern“ erschien letztes Jahr und ist Drone-getriebenes, ordentlich klipperndes Ungestüm, bei dem jedes Stück aus über 200 Einzelspuren bestehen soll. Klar also, dass wir uns das nicht entgehen lassen. Als Finale krönen dann sicherlich Young Fathers (22:50 – 00:00) aus Edinburgh unser Festival. Ist das reiner HipHop? Oder doch Rock? Vielleicht sogar Diskurs-Pop? Scheiß egal, solange der Hybrid auf Alben wie „White Men Are Black Men Too“ (2015) so gekonnt leichtfüßige Hooks und verkopfte Texte zusammenführt.

Pop-Kultur-Festival
23. – 25. August, Kulturbrauerei
Festivalpass: 60 Euro, Tagesticket: 25 Euro

Titelfoto: Darkstar via www.pop-kultur.berlin

schreibt über Musik und Stadtleben, kann alle Morrissey-Songs auswendig und steht auf verzerrte Gitarre. Interessen: Popkultur, Kunst, Graphic Novels und Musiktheater.